Die Via Ferrata Cima Payer (3.054 m) ist ein wenig begangener, landschaftlich außergewöhnlicher und stellenweise ernsthafter Klettersteig im Adamello-Gebiet. Die Route führt vom Lago Scuro über den Passo Payer (2.978 m) auf die Cima Payer und anschließend über einen teilweise versicherten Grat zurück in Richtung Passo di Lago Scuro.
Im Gegensatz zu modernen Sportklettersteigen handelt es sich nicht um eine durchgehend gesicherte Route. Vielmehr kombiniert die Tour Klettersteigpassagen mit ungesicherten Kletterstellen, schmalen Graten und längeren Abschnitten eines Sentiero Attrezzato.
Charakter und Schwierigkeiten
Die eigentlichen Schwierigkeiten entstehen weniger durch einzelne Klettersteigstellen als durch die Kombination aus:
- Höhenlage über 3.000 m
- starker Ausgesetztheit
- schmalen und scharfen Graten
- ungesicherten Zwischenstücken
- teilweise glattem Granit
- schwieriger Orientierung
- stellenweise älteren Sicherungsanlagen
Bewertung der Route:
- leichte Passagen: A bis A/B
- exponierte Querungen: A/B bis B
- steilere Abschnitte: B/C
- schwierigste Stellen: etwa C
- ungesicherte Kletterstellen: ca. UIAA I-
Die alpine Gesamtanforderung liegt deutlich über der reinen Klettersteigbewertung.
Zustand der Sicherungen
Zum Zeitpunkt der Begehung befanden sich einzelne Sicherungsanlagen nur in mäßigem Zustand. Teilweise wurden Ketten statt Stahlseilen verwendet, einige Verankerungen wirkten älter oder beschädigt. Vor jeder Tour sollten daher aktuelle Informationen bei lokalen Bergführern oder Hütten eingeholt werden.
Empfohlene Runde
Empfohlen wird die Begehung im Uhrzeigersinn:
Passo Presena → Lago Scuro → Passo Payer → Cima Payer → Passo di Lago Scuro → Passo Presena
Der Zustieg wird durch die Seilbahn von Passo Tonale zum Passo Presena erheblich verkürzt.
Orientierung
Der anspruchsvollste Orientierungsabschnitt liegt zwischen Passo Presena und Lago Scuro. Die Markierungen sind stellenweise schwach oder verschwinden ganz im Blockgelände.
Unbedingt empfehlenswert:
- GPS oder Smartphone mit Offline-Karte
- überprüfter GPX-Track
- sichere Orientierung im weglosen Gelände
- trockene Verhältnisse und gute Sicht
Bei Nebel oder Schneeresten sollte die Tour abgebrochen werden.
Passo Payer und Ferrata
Der Aufstieg zum Passo Payer ist landschaftlich sehr reizvoll und bietet beeindruckende Ausblicke auf die Gletscher des Adamello. Kurz vor der Scharte muss eine etwa zehn Meter hohe ungesicherte Felsstufe überwunden werden (ca. UIAA I-).
Von dort führt die Ferrata über Platten, Grate und kurze steile Aufschwünge zur Cima Payer. Besonders eindrucksvoll ist ein sehr scharfer, teilweise ungesicherter Grat, der technisch nicht schwer, psychisch jedoch anspruchsvoll ist.
Abstieg
Nach dem Gipfel werden die Schwierigkeiten deutlich geringer. Die Route geht in einen Sentiero Attrezzato mit vereinzelten Sicherungen (A/B) über. Technisch ist dieser Abschnitt einfacher als der Aufstieg, die Orientierung bleibt jedoch stellenweise anspruchsvoll.
Gehzeit und Ausrüstung
Gesamtzeit:
ca. 5 Stunden
Empfohlene Ausrüstung:
- Klettersteigset
- Klettergurt
- Helm
- feste Bergschuhe
- GPS/GPX-Track
- wetterfeste Kleidung
- ausreichend Wasser und Verpflegung
Fazit
Die Via Ferrata Cima Payer ist keine klassische Genussferrata, sondern eine alpine Grat- und Klettersteigtour mit großartiger Landschaft, wenig Besuchern und historischem Ambiente. Technisch bewegt sie sich meist im Bereich A bis C, verlangt jedoch wegen Exposition, Orientierung und ungesicherten Passagen deutlich mehr Erfahrung, als die reine Schwierigkeitsbewertung vermuten lässt. Sie eignet sich nur für erfahrene, trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger.
- parzymsk reviewed vor 2 Monaten
- last edited vor 1 Monat



