heute hatte ich das neue Panorama in der Hand, und las interessiert über die Bergunfallstatistik der Jahre 2012/13 (Seite 14, DAV Panorama 5/2014).
Da heißt es, dass die Zahl der Notrufe weiter steigt, überproportional häufig in der Sparte “Blockierungen”, und das vor allem in Klettersteigen. Da habe sich die Zahl derartiger Notrufe “gar verzehnfacht”. Jeder zweite Notruf aus dem Steig sei eine Blockierung, kein Sturz und/oder Verletzungen.
Als Ursache werden womöglich verführerische Töne aus der Werbung oder Mängel an Können und Vorbereitung angeführt, die “Anhänger des neuen Trendsports” würden sich “kein gutes Zeugnis für Selbsteinschätzung” ausstellen.
Dieses Urteil ist natürlich vernichtend. Denn obwohl natürlich eine Statistik, die kaum noch Todesfälle, sondern “nur” noch Hilfe in der Not beinhaltet, eigentlich positiv anzusehen ist, ist eine derartige Darstellung unseres Hauptthemas durch den DAV schon ziemlich heftig.
Wir sind also auch weiterhin gut beraten, bei Tourenempfehlungen auf der Seite eine gesunde Selbsteinschätzung, Zurückhaltung bei schlechten Verhältnissen und eine insgesamt defensive und risikobewußte Herangehensweise an den Berg zu predigen! Rambomentalität ist halt doch was fürs Kino, nicht für den Steig.
Wenn ich mir vor Augen führe, was mir so alles in diesem Sommer in den Bergen auf meinen Touren begegnet ist.
Jmd. mit Tevas im Klettersteig. Jmd. in Business-Schuhen in den Loferer Steinbergen. Jmd. mit einem Abschleppseil als Klettersteigset (ja wirklich!!).
Dann wundert diese Statistik nicht wirklich. wobei ich dies nicht nur alleine aufs Klettersteigen projezieren würde, sondern auf´s [link removed] in den Alpen im Allgemeinen. Der Unterschied ist halt, dass man beim “normalen [link removed]” auch irgendwie – mit Hilfe anderer – wieder runter oder zu einer Hütte kommt. Im Klettersteig einmal im Blockier- und im Panikmodus, geht dann meist nicht mehr viel (und für andere ist es enorm schwer hier jmd. vernünftig rauszuziehen).
Wenn ich mir vor Augen führe, was mir so alles in diesem Sommer in den Bergen auf meinen Touren begegnet ist.
Jmd. mit Tevas im Klettersteig. Jmd. in Business-Schuhen in den Loferer Steinbergen. Jmd. mit einem Abschleppseil als Klettersteigset (ja wirklich!!).
Dann wundert diese Statistik nicht wirklich. wobei ich dies nicht nur alleine aufs Klettersteigen projezieren würde, sondern auf´s [link removed] in den Alpen im Allgemeinen. Der Unterschied ist halt, dass man beim “normalen [link removed]” auch irgendwie – mit Hilfe anderer – wieder runter oder zu einer Hütte kommt. Im Klettersteig einmal im Blockier- und im Panikmodus, geht dann meist nicht mehr viel (und für andere ist es enorm schwer hier jmd. vernünftig rauszuziehen).
Zu dem Thema gab es heute auf B3 im TV eine tolle Sendung – mitunter auf dem Hausbachfall-Klettersteig gedreht.
Ein paar Gedanken von mir
Mich hat es inzwischen beim klettersteigen 3 mal aus der Wand “geworfen” – in allen Fällen konnte ich den Sturz mit den eigenen Händen am Seil – teilweise senkrecht im Mauerläufer und Seebenklettersteig – abfangen, so dass die Bremse nicht ansprang.
Jetzt kommt die Ausbildung auf Sportklettersteigkursen mit der Section Tutzing zum tragen – und eine starke Partnerin – viele kennen ja Elke. Bandschlinge setzen, cool down, Ausrüstung checken und Felsen betrachten. Dann wird das angewendet, was man in der Selbstrettung gelernt hat und schon geht es weiter. Gegenseitige Unterstützung um diese herausforderung zu meistern.
Diese Situationen haben wir bis zum Umfallen z.B. an der schweren Einstiegswand vom Crazy Eddy geübt – Selbst- und Fremdrettung.
Ich denke, eine gute Ausbildung, Erfahrung, herantasten an neue Herausforderungen, ehrliche Seibsteinschätzung, einschätzung vom Wetter usw. sind die Voraussetzungen, Klettersteige zu genieße.
Vor z.B. Hausbachfall- und Tegelberg-Klettersteig wird bei Nässe gewarn. Wir sind beide bei Näse schon gegangen – problemlos. Wir rechnen in der Topo, vor allen in den Schlüsselstellen eine Schwierigkeitsstufe drauf und wissen, dass wir die Steige gehen können.
Seeben-Klettersteig war an einer D-Stelle mal unerwarten tropfnass – ich konnte sie nicht mehr klettern – Bandschlingen als Tritthilfe und Griff haben mir über die Stelle geholfen.
Das alles, diese evtl. auftretenden Probleme werden aber nie in den Versprechen vom Klettervergnügen der Tourismusindustrie in den Regionen und von den Verleihgeschäften angesprochen.
Wir hatten gestern am Lehner-Wasserfall Klettersteig einen “Klettersteigneuling” dabei. Klar, dass er auf der gesamten Kletterstrecke Tipps und Tricks zum sichern klettern bekommen hat. Ich denke dass es sehr wichtig ist, die eigene Erfahrung ehrlich weiter zu geben, damit Neueinsteiger auch ein ungetrübtes Klettervergnügen haben.
Und was in solchen “Probelmsituationen” oftmals Gold wert ist, wenn man noch einen motivierenden und gut zusprechenden Partner dabei hat. So war es schon zweimal in Klettersteigen hilfreich: Einmal am 2-Länder-Klettersteig an einer senkrechten (und leider auch noch nassen) Wand, wo mir mein Tourenpartner Mut zusprach, vor allem mit der ersten Prämisse in solchen Situationen: “Immer lächeln”. Ich gebe zu, mir war gar nicht danach zumute, muss allerdings eingestehen, dass ich in der nassen Wand noch nicht drin war, sondern überlegt habe, ob ich überhaupt reingehe. Da konnte ich noch lächeln. Aber helfende Worte auch in der Passage selbst – klasse. Und im Fingersteig gingen in der zweiten D-Stelle die Unterarme zu. Ihr kennt das: man kann die Finger nicht mehr schließen. Da bin ich auch kurz mal ins Set gerutscht und dann mit Bandschlinge fixiert. Dann erst mal innehalten und sich selber motivieren: “Du hast bisher jede Situation, die unangenhem war, gepackt, dann schaffst du das auch.” Und der Kollege über mir hat mir auch Mut zugesprochen. Und das ist Godl wert. Ruhe bewahren, sich besinnen, dem anderen zuhören….und dann klappt das. Gebe zu, dass beide Male schönes Wetter war. Bei Regen und Nebel und Wind mag das schwieriger sein. Aber der clevere Alpinist und Ferratist steigt dann gar nicht erst ein….. –> –>
Also Leute: Ich hoffe, ihr kennt alle die Nummer der Bergrettung: 140
ich hab alle möglichen Rettungsnummern (für die unterschiedlichen Länder) in meinem Handy gespeichert. Damit sollte ich auch ohne Bierkalender in einem Notfall zurecht kommen.
das Video von Hua Shan mit der sehr leichtfertigen Auslegung der Sicherungstechnik hatte ich auf der Spiegel-Homepage gefunden. Angesichts des oben genannten Dilemmas habe ich mich zu einer E-Mail an die Redaktion hinreißen lassen:
“Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bitte Sie eindringlich, oben genanntes Video von Ihrer Seite zu entfernen.
Sie bieten damit sinnlosem Wagemut eine Plattform, die durchaus Nachmacher findet.
Angesichts des sowieso schon schlechten Rufes der Klettersteiggeher bei der Bergrettung (in keinem Sektor des Bergsports wird offensichtlich leichtfertiger bei Tourenplanung, Wetter- und Selbsteinschätzung agiert als bei Klettersteiggehern oder solchen, die sich einbilden, welche zu sein) sollte man derartig leichtsinnige Aktionen nicht auch noch fördern.
Wenn Sie einem derartigen Video schon größere Aufmerksamkeit verschaffen müssen, dann bitte nicht unkommentiert! Dieser Mann spielt, wenn auch kalkulierbar, mit seinem Leben. Andere sind womöglich weniger geschickt und verunglücken bei dem Versuch, entsprechenden Blödsinn nachzustellen!
Als eine der größten deutschen Nachrichtenseiten sollten Sie aus meiner Sicht Ihre Verantwortung für das, was Sie einem breiten Publikum präsentieren, ernster nehmen.”
Ich habe das aber in meinem Namen getan, nicht, dass Ralf jetzt sich sorgen müßte, weil ich SPON ans Bein gepinkelt habe.
Seit kurzem gibt es die neue Bergunfallstatistik für 2015 vom DAV… sind ein paar interessante Aspekte drin
Auffallend beim Klettersteig gehen ist die große Zahl der Rettungen Unverletzter: Solche Notfälle machen die Hälfte aller Meldungen an Klettersteigen aus. Betroffen sind vor allem die Unerfahrenen, und zwar mehr als bei jeder anderen Bergsportdisziplin.
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