E5 Alpenüberquerung Erfahrungsbericht – Fernwanderweg Etappen

Schon Konfuzius sagte: Der Weg ist das Ziel. Und es trifft wohl auf wenige Dinge so zu wie auf eine Alpenüberquerung über den E5. Denn das Ziel ist nicht Meran (zugegeben eine nette Stadt), sondern all die wunderschönen Ausblicke, die einsamen Täler und urigen Hütten der Alpen.

Wir sind die Alpenüberquerung über den Fernwanderweg E5 im August 2016 gelaufen, allerdings mit leicht abgeänderter Route, da wir A) die Ötzi Fundstelle besucht haben und B) bis zum Gipfel des Similaun (3606m) gestiegen sind.

Erste Etappe: Oberstdorf – Kemptner Hütte

Die Alpenüberquerung auf dem E5 Fernwanderweg beginnt in Oberstdorf, einer wunderschönen Stadt, gelegen am Fuße des Nebelhorns. Von hier aus fahren wir mit dem Bus bis nach Spielmannsau dann machen uns an den ersten Aufstieg.

Erst geht es durch bewaldetes Gelände bergan. Schon bald treffen wir auf eine kleine Kapelle, denn der Weg den wir hier begehen ist ein Pilgerweg.

Danach überquert man einen kleinen Bach, den Sperrbach.

Dieser wird uns nun eine Weile beim Aufstieg begleiten. Das Gelände wir immer felsiger und steiniger. Das Wasser fließt hier zum Teil auf dem Weg, weshalb hier für zusätzliche Sicherheit eine Seilversicherung angebracht ist.

Schon bald wird der Weg wieder etwas flacher und man erreicht die grünen, teils beweideten Wiesen vor der Kemptner Hütte.

Im Zustieg zur Kemptener Hütte

Die Kemptner Hütte selbst liegt auf 1876 m

Kemptener Hütte

Zweite Etappe: Kemptner Hütte – Holzgau – Memminger Hütte

Früh am Morgen brechen wir bei bestem Wetter Richtung Holzgau auf.

Der Weg führt uns erst bergauf, bis zum oberen Mädelejoch. Ein Grenzschild verkündet uns, das wir jetzt Deutschland verlassen und Österreichischen Boden betreten. Jetzt folgt ein recht steiler Abstieg durch felsiges Gelände Richtung Holzgau. Nach einiger Zeit wird der Weg breiter und geht in einen Forstweg über.

Von Deutschland hinüber nach Österreich

Schon bald führt der Weg über eine große Hängebrücke von der man eine herrliche Aussicht hat.

Und natürlich auch einen guten Blick nach unten. Also wer nicht ganz Schwindelfrei ist: bloß nicht runter schauen.

Nach einer kurzen rast in Holzgau geht es ein Stück mit dem Bus weiter. Der Anstieg zu Memminger Hütter verlauft unkompliziert über leicht felsiges Gelände. Jedoch verschlechtert sich das Wetter zunehmend und es sieht doch sehr nach Regen aus.

Holzgau im Lechtal

Kurz vor der Hütte begrüßt uns eine ganze Versammlung von Murmeltieren. Eines von Ihnen ist sogar ein richtiges Model, ohne Scheu vor den Menschen posiert es für uns auf einem Stein.

posierendes Murmeltier

Die Memminger Hütte liegt aus 2242 m. Kurz nach unserer Ankunft beginnt hier ein Regenschauer biblischen Ausmaßes, sodass man einfach nur froh ist unter Dach und Fach zu sein. Dieser währt zum Glück nicht so lange, sodass wir am Abend noch in den Genuss kommen unterhalb der Hütte einige imposante Steinböcke beobachten zu können.

Dritte Etappe: Memminger Hütte – Zams

Bei bedecktem Wetter und leichtem Nieselregen ging es an diesem Morgen los Richtung Seescharte.

Der Anstieg erfolgt über felsiges Gelände.

Aufstieg Richtung Seescharte

Von der Seescharte aus erfolgt der Abstieg nach Zams, der es mit 1890 Höhenmetern in sich hat. Doch bevor es an den Abstieg geht können wir den Ausblick auf das Lochbachtal und die Silberspitze genießen.

Ausblick auf das Lochbachtal und die Silberspitze

Es geht steil bergab, erst durch felsiges Gelände und dann durch die Latschen. Nach der Hälfte des Abstiegs erreicht man eine kleine Alm, die Oberlochalm, wer mag kann hier einkehren.

Kühe bei der Oberlochalm

Den Besuch des Plumpsklos empfehle ich aber nur Leuten mit einer sehr unempfindlichen Nase.

Von da aus ging es durch den Wald und vorbei am Zamer Loch, weiter nach Zams. Die Wolkendecke riss nun auf und bei bestem Sonnigen Wetter machen wir uns nun an den Rest des Abstiegs. Am sog. Burschelplatz legten wir noch eine kleine Rast ein und genießen die Aussicht auf Zams und das benachbarte Landeck.

Ausblick auf Zams und das benachbarte Landeck

Der Abstieg verlief unkompliziert und die Nacht verbrachten wir in Zams.

Vierte Etappe: Zams – Braunschweiger Hütte

Am nächsten Morgen geht es mit der ersten Bergbahn auf den Krahberg.

Bei herrlichem Wetter genießen wir den Ausblick zurück zur Seescharte. Es ist doch sehr interessant mal zu sehen wo man hergekommen ist.

Ausblick zurück zur Seescharte

Von hier aus wandern wir bis zur Galflunalm. Wer mag kann hier einkehren, denn hier gibt es, den meiner Meinung nach besten Kaiserschmarren. Wird direkt in der Pfanne serviert, mit Puderzucker und Preiselbeeren.

Von da aus geht es dann über saftig grüne Almwiesen in Richtung Wenns.

saftig grüne Almwiesen in Richtung Wenns

Von hier aus ging es mit dem Bus weiter Richtung Mittelberg. Nach einem kurzen Fußweg erreicht man die Gaststube „Gletscherstüble“, wer mag kann hier einkehren. Der Name ist Programm verkündet er doch was wir schon bald zu sehen bekommen.

Der Aufstieg erfolgt entlang eines milchig trüben Baches der aus dem Schmelzwasser der Gletscher gespeist wird.

Gletscherbach

Nach einem Aufstieg über einen felsigen Pfad haben wir zu ersten Mal einen guten Ausblick auf den mächtigen Gletscher.

Gletscher

Wir gewinnen auf dem felsigen Pfad schnell an Höhe und erreichen die Braunschweiger Hütte, welche auf 2501m liegt. Von hier aus hat man einen Herrlichen Ausblick auf die Umliegende Bergwelt, wie z.B. das Massiv der Wildspitze. Nach dem Abendessen genießen wir noch einen herrlichen Sonnenuntergang, der die Gletscherwelt in rötliches Licht taucht.

Fünfte Etappe: Braunschweiger Hütte – Vent

Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir genießen noch einmal den herrlichen Ausblick auf die Gletscherwelt.

Pitztaler Gletscherwelt

Auch das Wetter verspricht großartig zu werden und die Sonne lacht. Von der Braunschweiger Hütte ging es hinauf zum Pitztaler Jöchel. Hier erwartete uns der Ausblick auf das große Schneefeld und den Skicircus Sölden. Die Gebäude der Bergbahn wirken hier irgendwie wie ein seltsamer Fremdkörper. Und schön ist irgendwie wirklich was anderes. Wir machen uns an den Abstieg über das Schneefeld. Wer das umgehen will kann auch die Bergbahn nehmen. Nach einiger Zeit erreicht man den Parkplatz vor der Seilbahnstation. Von da aus geht es mit dem Bus weiter zum Panoramerweg nach Vent. Dieser entschädigt für die fast schon surreal anmutende Ansicht der Gebäude vom Skizirkus. Und schon nach kurzer Zeit sehen wir Ihn: den Similaun.

Similaun

Die Sonne strahlt und wir sind ganz überwältigt von der Gipfelparade die sich uns darbietet. Bald kommen wir an einem Bergsee vorbei, der zur Rast einlädt.

Bergsee

Ganz mutige (und da gehört mein Bruder dazu) können hier auch baden. Allerdings ist es ziemlich kalt…wie heißt es so schön: man geht als Prinz rein und kommt als Prinzessin wieder raus.

Nach dem freiwilligen Bad ging es weiter Richtung Vent. Das Gelände wird immer weniger rau und fällt sanft in Richtung des kleinen Ortes ab. Vent liegt am Ende des Tales. Der Ort selbst ist nicht sehr groß, es gibt nicht viel außer einer Kirche, einem kleinen Supermarkt und einem Hotel mit Café

Wer hier übernachtet, oder Zeit für eine kurze Pause hat dem empfehle ich den Besuch im Café. Bisher habe ich nie wieder eine Sachertorte gegessen die so gut geschmeckt hat wie dort.

Wilde Wasser bei Vent im Ötztal

Die Nacht haben wir hier im Hotel verbracht.

Sechste Etappe: Vent – Similaunhütte – Ötzifundstelle

Am nächsten Tag ging es, gestärkt nach einem guten Frühstück weiter zur Similaunhütte.

Dabei läuft man erst auf einem recht breiten Forstweg bis zur Martin Busch Hütte.

Aufstieg zur Martin Busch Hütte

Hier haben wir unsere Wasservorräte aufgefüllt, was ich, wenn es brütend heiß ist wirklich nur empfehlen kann. Den anschließen wird das Gelände rauer und es geht in gleißender Hitze bergauf.   Jetzt konnte man auch schon erste Schneefelder erkennen und auch bald die Similaunhütte.

Similaunhütte

Nach einem Anstieg über Schneefelder erreichten wir die Similaunhütte, welche auf 3019m liegt. Von da aus hat man einen grandiosen Ausblick auf die umliegenden Gipfel, und natürlich auf den Similaun. Hinter der Hütte führt ein Wanderweg Richtung Ötzi Fundstelle. Und genau das ist unser Ziel. Als angehende Restauratorin konnte und wollte ich mir diesen Ort nicht entgehen lassen. Ötzi gehört schließlich zu den bedeutendsten Funden der Welt. Der Weg war zum Teil ausgesetzt und wir müssten einige Schneefelder queren. Doch schließlich erreichen wir die Fundstelle. Diese ist mit einem Denkmal, einer Steinernen Pylone mit einer goldenen Spitze oben drauf, markiert.

Ötzi Fundstelle

Ich finde dieses Denkmal sehr gut gelungen, denn ein Kreuz wäre hier völlig fehl am Platze gewesen. Schließlich lebte Ötzi viele Jahrhunderte vor dem Aufkommen des Christentums und verehrte vermutlich einige uns unbekannte Naturgötter. Zurück ging es auf demselben Weg, wobei man eine großartige Aussicht auf dem Similaun genießen kann.

Blick auf den Similaun

Am Abend erlebten wir einen grandiosen Sonnenuntergang. In der Nacht war der Himmel völlig Wolkenfrei, sodass man sogar, ohne Hilfsmittel wie Teleskop oder Fernglas, die Milchstraße sehen konnte. Ein für mich einmaliges Erlebnis, denn wo herrscht denn noch so weinig Hintergrundstrahlung, dass das möglich ist?

Sternenhimmel und Milchstraße

Siebte Etappe: Similaunhütte – Similaungipfel – Vernagt

Am nächsten Morgen ging es früh los. Da wir bisher dato noch keiner Erfahrung mit Gletschern hatten wurde die Gipfelbesteigung mit einem Bergführer gemacht.

Der Weg führt direkt über den Gletscher. Das laufen mit Steigeisen fällt einem schon nach kurzer Zeit leicht. Auf dem Gletscher zu stehen ist ein ganz besonderes Gefühl. Die Sonne strahlt und reflektiert sich im Schnee, der Himmel ist blau und keine Wolke zu sehen.

Im Aufstieg auf den Similaun

Als wir den Gipfel erreichen bietet sich uns ein Panorama dar wie ich es noch nie gesehen habe. Es gibt Moment im Leben die wird man niemals vergessen und dieser gehört dazu. Der Himmel ist klar. Keine Wolke oder Nebelschleier nimmt uns die Sicht. Man kann die Dolomiten erkennen, die Wildspitze und den Ortler.

Gipfelpanorama vom Gipfel des Similaun

Unser Ziel Meran, liegt unter einer dichten Dunstwolke verborgen.

Blick nach Südtirol

Obwohl es kalt und windig ist hier Oben fällt es schwer sich von diesem Ausblick loszureißen und zu gehen. Natürlich bleibt noch Zeit für das obligatorische Gipfelfoto.

Gipfelkreuz Similaun

Der Rückweg erfolgt auf dem gleichen Weg wie der Aufstieg.

Nach einer kurzen Rast an der Similaunhütte geht es nun über einen Steinigen Pfad hinab ins Schnalstal. Auf dem Weg wurden wir auf charmante Art von Braunvieh aufgehalten.

immer wieder tierische Begegnungen auf dem E5

Schon bald danach erreichten wir den Vernagt-Stausee mit seinem türkissblauen Wasser.

Vernagt-Stausee

Von da aus ging es dann mit dem Bus nach Meran. Dort haben wir noch eine Nacht verbraucht, dann ging es zurück nach Oberstdorf, unsere Taschen einsammeln, und von da aus mit dem Zug weiter nach Salzburg, wo ich einige Tage später angefangen habe als Praktikantin im Museum zu arbeiten.

Meran

Vorbereitung  auf die E5 Alpenüberquerung

Vor unserer Wanderung haben wir uns vorbereitet um auch über die entsprechende Kondition zu verfügen. Wir sind dazu mehrfach die Woche joggen gegangen, und haben uns immer in der Distanz gesteigert, in den letzten Wochen sind wir dann immer vier Mal die Woche 7 km gelaufen. Für uns Jungspunde war das von der Vorbereitung her mehr als ausreichend.

Bevor wir die Wanderung begonnen haben sind wir drei Tage vorher in Oberstdorf gewesen und haben einige Tagesauswanderungen unternommen um uns an die Höhe zu gewöhnen.

Packliste für den E5

Sehr wichtig:

  • gute Wanderschuhe (Knöchelhoch, wasserfest, mit guter Sohle)
  • Wanderrucksack – mit Regenhülle, dazu evtl. noch stabile Plastiktüten oder wasserfester Packsack um empfindlichen Inhalt vor Wasser zu schützen
  • Regenhose
  • Regenjacke
  • Hüttenschlafsack
  • Kleidung (mehrere Schichten zum übereinander ziehen)
  • Mütze, Schal, Handschuhe (es kann immer Wintereinbrüche geben)
  • Wandersocken
  • Medikamente (wenn nötig) und erste Hilfe Kitt
  • Kartenmaterial
  • Bargeld
  • Handy

Auch wichtig:

  • Wanderstöcke
  • Kosmetikartikel (kleine Proben verwenden)
  • Vor allem Sonnencreme
  • Hüttenschuhe (es gehen auch Flip-Flops oder einfache Filzlatschen)
  • Stirnlampe, wenn man noch spät unterwegs ist oder in der Nacht mal zum Klo muss
  • Sonnenbrille
  • auch einen leichten Regenschirm (bei Dauerregen besser)
  • Sonnenhut/Tuch/Basecap gegen den Sonnenstich
  • Bei entsprechenden Verhältnissen: Grödel oder Steigeisen

Die Liste bezieht sich auf die Bedürfnisse einer einzelnen Person. Wenn man zu weit ist braucht man natürlich gewisse Dinge, wie Duschbad und erste-Hilfe-Kit nur einmal.

Was man für die Alpenüberquerung können sollte

Wer sich an diese Wanderung wagt, der sollte auf jeden Fall trittsicher und schwindelfrei sein, da einige ausgesetzte Wege begangen werden. Man sollte auch über ausreichend Kondition verfügen, denn einige Abschnitte sind vor allem bei höheren Temperaturen sehr fordernd. Außerdem sollte man, vor allem wenn man den Weg früh im Jahr begeht eine gewisse Erfahrung mit dem Queren von Schneefeldern besitzen.

Reservierung und Hütten

Wer den Weg zur Hauptsaison geht, sollte auf jeden Fall reservieren. Die Hütten waren alle voll, an der Memminger Hütte musste der Hüttenwirt sogar eine Art Bierzelt aufstellen um alle Gäste unterbringen zu können.

Hier findet ihr die Telefonnummern der jeweiligen Hütten

Rückfahrt Meran – Oberstdorf

Zurück sind wir mit einem Bus Shuttle (50€ – Abfahrt um 8 Uhr am Bahnhof Meran) gefahren, man kann aber auch die Bahn nutzen was wesentlich länger dauert.

E5 GPS Track – E5 Alpenüberquerung Karte


Weiterführende Links zum E5


Autorin und Bilder: Saskia Stefaniak

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