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  • Zugspitze – Überschreitung

    aktualisiert 9 Jahre, 8 Monat aktiv. 5 Mitglieder · 8 Beiträge
  • Stef-089

    Mitglied
    24. August 2016 at 22:13

    Servus zusammen,

    Die letzten 2 Wochen waren bei uns sehr stark durch Klettersteige geprägt. Urlaub wurde genutzt, auch wenn uns das Wetter immer etwas Sorgen machte.

    Beginnen möchte ich, jetzt mal nicht chronologisch, mit unserer Tour auf die Zugspitze – und retour. Die anderen Touren werde ich zeitnah auch hier reinsetzen.

    Es ist Montag, der 15.08.2016, 8 Uhr früh. Wir starteten von München, zunächst noch kurz zu einer DAV Servicestelle, um für einen Kumpel noch nicht vorhandene Ausrüstung zu holen (Steigeisen, Pickel und Gletscher Set). Danach machten wir uns sofort auf nach Garmisch, wo wir am 1. Tag noch ganz gemütlich – ohne Zeitdruck – zur Höllentalangerhütte aufbrechen werden.

    Das Wettervorhersage änderte sich die Tage zuvor gefühlt im Stundentakt, so dass wir nicht wirklich sicher sein konnten, dass unser Vorhaben auch so klappen möge.

    Gegen 11 Uhr kehrten wir in Garmisch noch spontan in einer bekannten Pizza-Kette ein, da auf einmal ein Monsun wütete und wir nicht schon im Regen aufsteigen wollten. Zeit hatten wir ja genug.

    2 Stunden später erreichten wir den Parkplatz in Hammersbach. Da auch noch Feiertag war, gestaltete sich die Parkplatzsuche gar nicht so einfach. Schnell noch ein 2 Tagesticket geholt und dann gings schon los:

    Schon auf den ersten Metern machten sich das Mehrgewicht im Vergleich zu den sonstigen Touren deutlich bemerkbar. Alle hatten für 2 Tage gepackt, Steigeisen, Pickel und Gletscherset zusätzlich zu der normalen Klettersteigausrüstung dabei. Ich sogar noch obendrein mit dem 50m Halbseil was nochmal 2,3 kg auf den Rücken brachte:

    Die erste Stunde gingen wir daher sehr gemächlich an und kurz vor der Hölltentaleingangshütte teilten wir uns auf. Zum einen hatte ich die Klamm bereits im letzten Jahr ausgiebig und ohne Menschen genießen können, zum anderen war die noch so von den normalen Klammbesuchern überlaufen, dass mir die Entscheidung nicht schwer fiel, die 30 Zusatzminuten in Kauf zu nehmen und über den Stangensteig aufzusteigen:

    Der Stangensteig führt zunächst etwas von der Klamm weg und überwindet die ersten Höhenmetern steil hinauf durch den Wald:

    Nach einigen Stufen aufwärts führt der Weiterweg hin zur berühmten Hängebrücke, auf die man einige Meter absteigen muss.

    Hier der Blick zurück auf die bereits überwundene Hängebrücke:

    Nachdem der Stangensteig wieder auf den Normalweg traf, erfrischten wir uns kurz im Bach und machten uns auf die letzten Meter zum Tagesziel, der Höllentalangerhütte. Wir sahen dabei einen imposanten Wasserfall… :

    … und erblickten auch schon das Ziel der Begierde – wenn auch in den Wolken versteckt:

    Kurz danach kamen wir an der Hütte an… :

    …und freuten uns vor allem den Rucksack ablegen zu können und was zum Essen und Trinken zu bestellen.

    Als wir unsere Schlafmarke holten, kam ich nicht dran vorbei ein Foto von dem Spendenbaum zu machen:

    Zum ersten mal sah ich zudem die neuen Schlafgemächer. Wir hatten ein Matratzenlager mit 35 Plätzen. Betten gab es hier auf 4 Etagen. Die Oberste durfte nur von Personen ab 16 Jahren benutzt werden:

    Nach einem sehr lustigen Abend und einigen Gesprächen mit weiteren Zugspitz-Aspiranten – die Allermeisten gingen ohne Seil – machten wir uns am nächsten Morgen um 5:30 Uhr im Licht unserer Stirnlampen auf den Weg:

    Nach einer knappen halben Stunde erblickten wir zum ersten mal das berühmte “Y” wo der Einstieg des Klettersteigs beginnt:

    Kurz dahinter erscheint dann nochmal eine Abzweigung rüber zur Riffelscharte:

    Nach einem ersten kleinen Aufschwung stehen wir auch schon vor der berühmten Leiter. Ein schöner Moment, auf den wir 1 Jahr sehnsüchtig gewartet haben:

    Weiter geht es relativ leicht über ein paar versicherte Felsen hinüber zur nächste bekannten Passage, dem sogenannten Brett:

    Wenn man beim Betreten der Stahlstifte die Füße zusätzlich an die Wand setzt, hat man zusätzliche Stabilität.

    Schließlich erreichten wir dann noch eine kurze Freikletterpassage, wo man sich allerdings leicht versteigen und vom eigentlichen Weg abkommen kann. Wir folgten der Rinne aufwärts – hätten aber zuvor nach links queren sollen – und kamen schließlich oberhalb dieser wieder auf den Normalweg. Das scheint vielen Leute so zu gehen, da die Rinne doch recht stark begangen aussah – beide Wege sind aber problemlos zu machen:

    Die erste Rast machten wir dann bei bereits aufgegangener Sonne auf dem grünen Buckel:

    Während des weiteren Aufstiegs durften wir immer wieder die imposanten Eindrücke des Wettersteinmassivs genießen:

    Nun folgte die Gerölltreterei, ab hier allerdings immer schon den Rest vom einstig großen Höllentalferner im Blick:

    Am Anfang des Schneefeldes angekommen, machten wir erneut eine kurze Rast und legten anschließend unsere Gletscherausrüstung an. Danach banden wir uns zu einer 3er Seilschaft ein. Da jeder von uns bereits über die Gletscherbegehung bzw. Spaltenrettung geschult war, berieten wir uns kurz und verzichteten dann auf Bremsknoten im Seil, verkehrt wäre es aber bestimmt nicht bei ner 3er Seilschaft welche rein zu machen. Wir ratschten anschließend noch mit den wenigen Leuten, die hier ebenfalls pausierten und angesichts unserer Steigeisen, Pickel, Reepschnüre, Karabiner und dem 50m Halbseil (natürlich imprägniert) zu sich selbst sagten, ob sie hierfür wohl richtig ausgerüstet wären. Sie hatten lediglich leichte Grödel dabei.

    Ein weiteres Pärchen fragte uns, ob das eine DAV Tour ist, weil wir alles dabei hatten.

    Ich bekam das Gefühl, dass bis auf wenige Ausnahmen, so ziemlich jeder den Gletscher auf die leichte Schulter nahm und das obwohl auch die Blankeisstellen schon deutlich sichtbar waren und es ja bekannt ist, dass der Ferner auch Spalten hat – wo einige Tage nach uns ja leider wirklich jemand ums Leben kam…

    Erst von oben konnte man die Spalten so richtig erkennen und da wurden wir in unserem Vorhaben bestätigt, den Ferner nur als (3er-)Seilschaft zu begehen.

    Schneller und leichter als erwartet erreichten wir nach den Blankeisstellen und den wenigen Kehren die Randkluft:

    Vor einer Woche war diese noch problemlos zu überqueren und die noch vorhandene Schneebrücke zu nutzen. Allerdings dürfte das nur eine Frage der Zeit sein, bis die Schneebrücke wegbricht, da auch die meisten Aspiranten genau hier stehen bleiben und sich den Steigeisen etc. entledigen, was natürlich nicht gerade die Stabilität der Schneebrücke fördert.

    Die ersten Meter im Klettersteig, stellten zugleich auch die schwersten dar, zwar immer noch nur B/C, aber mit nassen Schuhen sollte da dennoch immer aufgepasst werden, nicht abzurutschen. Wir hörten von Leuten, die genau hier minutenlang festhingen und der Herausforderungen wohl in keinster Weise gewachsen waren. “Die gehören nicht hier her” hörten wir leider nicht nur einmal von anderern Alpinisten.

    Der weitere Klettersteig an sich war nicht mehr schwierig und da wir auch noch sehr gut in der Zeit waren, konnten wir es etwas gemächlicher angehen lassen und die Landschaft genießen und das ein oder andere Foto mehr zu machen:

    Hier kam zum ersten Mal – erkennbar – das Gipfelkreuz zum Vorschein:

    Gegen Mittag zogen dann Wolken von unten nach oben und wir hofften, dass die Zeit noch reicht um auf dem Gipfel klare Sicht zu haben:

    Ein weitere Blick zurück ins Höllental:

    Selbst in der “Eisrinne” lag nur noch ein wenig Restschnee:

    Dann war es fast geschafft und wir erreichten die Schulter, wo die Abzweigung zum Jubiläumsgrat kreuzte:

    Hier war ein Panoramabild – 360 Grad-Foto – fällig:

    Gegen 12:30 Uhr erreichten wir nach nur 7 Stunden (inkl. Pausen etc) dann in Deutschlands höchster Warteschlange den Gipfel der Zugspitze:

    Jetzt gönnten wir uns erst mal ne ausgiebige Rast mit Radler und weiteren leckeren mitgebrachten Köstlichkeiten. Nach einem 5 minütigen Hagelschauer, machten wir uns auf, um uns um unser Zimmer für die Nacht zu kümmern. Es war im Vorfeld klar, dass alles ausgebucht war, aber wegen der 3/4 Regel meinte der Chef, dass die restlichen Zimmer immer stündlich ab 15 Uhr vergeben werden, bis alles weg ist. Danach gibts nur noch Notlager.

    Also gönnten wir uns bis 15 Uhr noch das AV Getränk – Schiwasser für 3€. Immer wieder checkten wir dabei das Wetter und für Dienstag sagte er immer schlechter und schlechter, mindestens bis Mittags Regen.

    Nach langen hin und her entschieden wir uns, da heute das Wetter stabil bleiben sollte – den kurzen Hagelschauer mal ausgenommen- wir noch sehr fit waren und es noch früh war, heute auch wieder abzusteigen. Die Bahn war nie wirklich eine Option für uns. Also starteten wir gegen 15 Uhr wieder Richtung Auto, diesmal aber über den Westgrat Klettersteig, den sogenannten Stopselzieher. Hier das Einstiegsschild zum Abstieg:

    Anfangs ging es im Zickzack runter, teilweise mit Drahtseil versichert, den nördlichen Schneeferner ständig im Blick:

    Auf dem unteren Grat angekommen, gabelte sich der Weg und wir gingen Richtung Wiener-Neustädter Hütte weiter. Nach wenigen Höhenmetern passierten wir die verlassene Seilbahnstation…:

    …und es ging mal versichert mal unversichert, teilweise über Geröll mäßig steil bergab:

    Die Versicherungen waren so ziemlich alle umgeknickt, verbogen bzw. die Stahlseile sehr oft geflickt und einzelne Drahtstücke standen oft ab – Verletzungsgefahr! Auch wenn es sich nur um einen A/B Klettersteig handelt und man die Seile nicht zwingend braucht, könnte man da durchaus mal sanieren:

    Gegen Ende des Klettersteiges kamen wir dann zum Highlight, einer langen Leiternpassage und der berühmten Höhle:

    Kurz danach war der Ausstieg erreicht und die Wiener-Neustädter Hütte nur noch einen Steinwurf entfernt.

    Hier trafen wir erneut auf nette Leute und verratschten uns auch wieder etwas. Immernoch ziemlich fit, machten wir uns wieder auf den Weg nach unten zum Eibsee:

    Hier trafen wir auf eine tschechische Familie, mit vielen Kindern, die zur Wiener-Neustädter Hütte aufstiegen. Da auch dieser Aufstieg mit Drahtseilen versichert war, waren alle Kinder von ca. 5 – 14 Jahren vorbildlich mit Klettersteigset, Gurt und Helm gesichert – dachte ich – denn der jüngste Sohn hatte kein Klettersteigset, sondern lediglich 2 Schraubkarabiner, die mit einer starren Kunststoffleine am Gurt befestigt waren. Ich hab ihm darauf hingewiesen, dass dies sehr gefährlich sei und im Fall eines Sturzes der Sohn ungebremst ins Seil stürzen würde, dass der Belastung nicht standhalten und reißen wird und sehr schwere Verletzungen, wenn nicht sogar schlimmer die Folgen sein können.

    Der Vater meinte dann, dankend für den Rat, dass sie nichts anderes hätten. Ich hab dann noch kurz angemerkt, dass sie bitte so nicht in den Stopselzieher einsteigen sollen. Was daraus wurde kann ich natürlich nicht sagen…

    Im Weiteren Abstieg kamen wir immer wieder an zig Schildern vorbei und der Eibsee näherte sich mich großen Stücken:

    Nach ner weiteren Stunde zweigte der Weg abermals nach links ab, Steigspuren ließen aber vermuten, dass der Weg weiter rechts um die Ecke geht. Hier kann ich nur empfehlen den Markierungen links herum zu folgen. Der andere Weg ist verfallen, war wohl der frühere Normalweg. Hier der Blick nach oben zum verfallenen Weg, nachdem der neue markierte Weg mit dem alten wieder zusammenlief:

    Gegen 21 Uhr kamen wir schließlich am Eibsee bzw. dessen Parkplatz an, wo eine nette Familie unsere Fahrerin mit nach Hammersbach nahm, wo ja unser Auto stand. Nach 30 Minuten war sie dann wieder bei uns und wir konnten – jetzt doch etwas platt – zufrieden und stolz die Heimreise antreten:

  • Julian

    Mitglied
    24. August 2016 at 22:34

    Tolle Impressionen eines langen Tages – ihr habt sicher gut geschlafen! Gratuliere zur schönen Tour und dem Glück mit dem Wetter!

  • Stroty

    Mitglied
    25. August 2016 at 09:47

    danke für den toll bebilderten bericht und gratulation zu dieser tagesfüllenden tour. anscheiend habt ihr auch wieder die erfahrung gemacht, dass viele normale wanderer mal eben auf die idee kommen, einen klettersteig und noch einen gletscher mitzunehmen ohne richtige ausrüstung geschweige denn ahnung. hoffen wir, dass alles trotzdem gutgegangen ist.

  • ralf

    Administrator
    26. August 2016 at 11:33

    Klasse Tour und toller Tourenbericht!!!!

    Wir konnten diese Woche auch von oben auf den Höllentalferner schauen und da war ein ganz schönes “Gewusel” unterwegs!!!

  • Kraxel-Tobi

    Mitglied
    26. August 2016 at 12:12

    Immer wieder schön, Fotos vom Höllentalaufstieg zur Zugspitze sehen,

    vor allem wenn man den Weg selbst schon mal gegangen ist.

  • Stef-089

    Mitglied
    29. August 2016 at 15:45
    Julian wrote:
    Tolle Impressionen eines langen Tages – ihr habt sicher gut geschlafen! Gratuliere zur schönen Tour und dem Glück mit dem Wetter!

    Vielen Dank und ja, wir haben danach sehr gut geschlafen

    Stroty wrote:
    danke für den toll bebilderten bericht und gratulation zu dieser tagesfüllenden tour. anscheiend habt ihr auch wieder die erfahrung gemacht, dass viele normale wanderer mal eben auf die idee kommen, einen klettersteig und noch einen gletscher mitzunehmen ohne richtige ausrüstung geschweige denn ahnung. hoffen wir, dass alles trotzdem gutgegangen ist.

    Danke erstmals, ja die Erfahrung mussten wir leider machen. Der Berg zieht trotz etlicher Warnungen (Internet, Hüttenwirt,…) immer wieder auch (damit überforderte) Neulinge an, die schnell zur Gefahr für sich selbst und andere werden.

    Kann man nur hoffen, dass wir keine Unfallberichte mehr zu lesen bekommen.

    Ralf wrote:
    Klasse Tour und toller Tourenbericht!!!!

    Wir konnten diese Woche auch von oben auf den Höllentalferner schauen und da war ein ganz schönes “Gewusel” unterwegs!!!

    Das war dann vermutlich von der Alpspitze aus fotografiert?! Oder doch schon der Jubigrat?

    Mal ne generelle Frage: Ich hab ja jetzt kürzlich auch die 360 Grad Fotofunktion (von google street view) entdeckt. Hättet ihr da Verwendung dafür?

    Hab ja gesehen, dass ihr schon einige auf facebook gepostet habt.

    Wenn ja, wie kann ich euch diese (vom Iphone) aus zuschicken?

  • ralf

    Administrator
    29. August 2016 at 15:52

    Aber natürlich, @Steph-089 !!

    Bitte schicke uns die Bilder einfach an

    wir werden die Bilder dann mit deinem Namen als Urheber gerne veröffentlichen!!!

  • Stef-089

    Mitglied
    29. August 2016 at 17:01

    Perfekt!

    Danke @Ralf – werde euch denn bei Gelegenheit mit hoffentlich guten Fotos versorgen!

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