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  • 120

    aktualisiert 12 Jahre, 5 Monat aktiv. 8 Mitglieder · 20 Beiträge
  • Kaiser

    Mitglied
    25. November 2013 at 19:50
    Julian wrote:
    Geschichte später wenn ihr wollt.

    Nur zu!

  • Julian

    Mitglied
    26. November 2013 at 09:05

    Ich schulde euch ja noch die kleine Geschichte zur Buinlücke! Ist auch weniger spektakulär als vielleicht gedacht. Alle leben noch!

    Wir waren (ja Stroty, ich weiß, gaaaaaanz schlecht) zum Tourengehen auf der Tuoi-Hütte, und natürlich wollten wir auch auf den Buin. Nach zwei eher schlechten Tagen kam unsere Chance am dritten (was gut war, denn da waren wir schon schön akklimatisiert!). Also alle früh raus aus den Betten und schon um halb sieben los (ja, ich weiß, zu spät für Ostern Mitte April), für uns (wir sind Genießer!) also ziemlich gute Zeit. Wir sind den Normalweg hoch und wollten (natürlich, denn wir fahren ja vor allem gerne Ski!) je nach Verhältnisse durch die Buinlücke wieder abfahren, weil

    – sie im oberen Teil ein spektakuläres Stück Skiabfahrt darstellt (Angaben der Steilheit in den ersten 50 Hm schwanken zwischen 45 – 48°!, Hangbreite aber nur ca. 20 Meter)

    und

    – man sich den mühsamen, weiten Hatscher über den Ochsentaler Gletscher mit Gegenanstiegen auf die Furcola dal Cunfin und die Mittagsplatte mit jeweils An- und Abfellen spart!

    Als wir also über den Ochsentaler richtung Buin zogen, war eitel Sonnenschein und beste Verhältnisse, mit ein bißchen Glück hätten wir vielleicht sogar Firn in der Lücke gehabt. Im Schlußanstieg ab Skidepot haben wir aber ein wenig länger gebraucht, in der Eisrinne (2. Steilstück) war kein Fixsseil, also mußten wir selber eins legen (wenn man da absegelt, landet man gute 200 – 300 Hm tiefer auf dem Vermunt…). Letztendlich waren wir 30 Meter unter dem Gipfel, als ein schöner Föhnsturm losbrach: Wenig bis keine Sicht und geschätzt bis 80km/h Wind. Das war eigentlich primär mal kein Problem, wir hatten genug anzuziehen und gefährlich ist der Gipfel vom Buin auch nicht (relativ breit).

    Als wir etwa eine Stunde später (gegen 13:00 Uhr) wieder an den Ski waren, war es insgesamt (trotz Föhn) etwa 5 Grad kälter geworden, also nix mit Firn. Wir sind aber trotzdem mal an die Lücke “gucken” gegangen. Es war relativ harter Schnee, aber griffig, keine Lawinengefahr…Sicht ausreichend…also sind wir reingefahren. Wir waren zu sechst, davon 5 sehr gute und eine etwas schlechtere, aber immer noch sehr gute Skifahrerin, die wir aber wirklich 17mal gefragt hatten, ob sie sich das zutraut.

    Naja, ich hab mich als letzter Mann postiert, damit sie sich ein wenig sicherer (=nicht allein gelassen) fühlt. Also rein!

    Ich bin ja schon einige Steilhänge gefahren, muss aber zugeben, die Kulisse war schon spektakulär. Der Wind zischte von unten durch die Lücke hoch, Wolkenfetzen inklusive, Fels, harter Schnee, abgelöst von kurzen richtig vereisten Passagen…

    Nicht ganz leicht zu fahren, aber machbar.

    Dumm nur: Unsere Dame hatte nach ca. 15 Meter eine Blockade. Ich war etwa 5 Meter über ihr, das Seil leider schon 45 Meter unter uns…

    Ich also Ski abgeschnallt, die fünf Meter (bei natürlich gefühlten 90° Gefälle… ) wieder rauf, Ski abgestellt, Steigeisen ran, wieder runter zu ihr, ihre Ski und Rucksack rauf, wieder runter zu ihr, ihre Steigeisen ran, mit ihr rauf (ich hab sie ziemlich schieben müssen).

    Oben ca. 15 Minuten Pause mit heißem Tee und einem kleinen Schluck aus dem Seelentröster, natürlich Windgeschützt im Biwaksack… Den anderen hatte ich mehr durch Gesten als mit Worten zu verstehen gegeben, dass wir den langen Weg nehmen müssen.

    Und lang wurde er.

    Der Wind war nicht ohne, wir inzwischen auch ziemlich allein am Gletscher, zwei Gegenanstiege, Anfellen, Abfellen…es dauerte schier eine Ewigkeit, bis wir wieder bei der Mittagsplatte waren. Dort nochmal kurze Pause für die bevorstehende Abfahrt zur Hütte, die auch nicht einfach wurde, weil der warme Vormittag den schon ziemlich tief liegenden Hang zu Sulz hatte werden lassen. Da waren ein paar Leute drüber gefahren, also war das jetzt ein Buckelhang, zwar nicht so steil wie die Lücke, dafür aber wieder schön festgefroren…

    Und meine Begleitung vor allem psychisch schon ein wenig angeschlagen. Wir haben für die Abfahrt, die man sicher auch in 20 – 30 Minuten erledigen kann, fast eineinhalb Stunden gebraucht. Ich hatte längst beide Rucksäcke umgeschnallt, und bin immer wieder wie ein Skilehrer vor ihr her gefahren. Endlich waren wir unten, und wurden schon ziemlich sehnsüchtig erwartet: Es wurde bereits halb fünf! Von Buinlücke oben bis zur Hütte hatten wir fast dreieinhalb Stunden gebraucht, also fast länger, als im Aufstieg. Die anderen waren seit Viertel nach zwei an der Hütte!

    Was soll ich sagen: Ich bin die Lücke also nicht gefahren. Der kleine Gegenanstieg (50 Höhenmeter) zur Hütte am Schluß war mit Aussicht auf heiße Getränke und Essen für meine Bekannte kein Problem mehr. Zum Dank für meine Assistenz und den langen Heimweg hat sie mir am selben Abend noch eine Stirnlampe auf der Hütte gekauft (sowas Tolles hatte ich bis dahin noch nicht), die ich immer noch habe und die mir schon gute Dienste geleistet hat.

    Und die Moral von der Geschichte? Gruppendynamik bringt manchen dazu, vielleicht mehr zu riskieren, als er wirklich kann – und außerdem: Das Tempo bestimmt der Schwächste in der Gruppe! Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich nicht letzter gewesen wäre, sondern sie allein da oben gestanden hätte…

  • Julian

    Mitglied
    26. November 2013 at 09:09

    Hier noch die Karte:

    Schwarz: Aufstieg und Abfahrt von der Bekannten und mir; Rot: Abfahrt durch die Lücke.

    [/url:2kt5ec8u]

  • Stroty

    Mitglied
    26. November 2013 at 09:21

    naja, sooo uninteressant klingt das ja nun nicht. und julian, ich will heir nicht zum running-gag werden…… –><img class= –>

  • wolf

    Mitglied
    27. November 2013 at 21:37

    hey julian,

    sehr schoene geschichte (entgegen stroty dem weiss-hasser –><img class= –> kann ich es ein wenig nachvollziehen, da ich auch im winter im gebirge unterwegs bin…er ja nicht mal im sommer –><img class=” title=”Laughing” /> –> –><img class=” title=”Laughing” /> –> …staendig ist ja immer irgendwas….. –><img class= –> ).

    cool stuff und gut dass du so viel teamspirit und durchhaltevermoegen mitgebracht hattest.

    stell dein licht kuenftig nicht mehr so oft untern scheffel a la 'schisser'….you are a good boy!

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