Klettersteigrunde „Dolomiti Senza Confini“ – Sextener Dolomiten

Dolomiti Senza Confini (Dolomiten ohne Grenzen) – eine Klettersteigrunde der Extraklasse. „Frisch verbunden'“ – so titelte ein Bericht im Mai 2015 im „Bergsteiger“- Magazin; Die Autoren, Manni Kostner und Eugen Hüsler stellten darin eine Klettersteigrunde in den Sextener Dolomiten vor, die so überhaupt erst durch einen von „Beppe“ – dem Hüttenwirt des Refugios Carducci – neu errichteten Kletterteig möglich wurde. Doch dazu später mehr. (online-Version des Artikels)

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Sofort stand fest, daß ich die Klettersteigrunde Dolomiten ohne Grenzen auf jeden Fall ausprobieren wollte und schon wenige Tage nach dem Lesen des Artikels waren die emails für die Hüttenreservierungen verschickt. 9-11 Klettersteige an 4 Tagen kann man auf dieser Runde verbinden und das alles vor der grandiosen Kulisse des „Parco naturale Tre Cime“ – zwischen Elfer, Zwölfer und den Drei Zinnen.

 

die geplante Route (Großansicht)

Anreise – los geht’s…

Die Anreise erfolgte von München aus in gut 4 Stunden über den Brenner, Brixen, Toblach, und Sexten. Dann weiter auf einer nun stetig ansteigenden Fahrstraße durch dichten Wald bis zum „Refugio Lunelli“ – dem Start- und Endpunkt dieser wundervollen Tour. Das Refugio liegt auf 1568m und hier endet die Fahrstraße. Man kann hier das Fahrzeug parken, sollte aber darauf achten, dass man hierbei nicht für 4 Tage die direkt zum Refugio gehörenden Parkplätze belegt.

Man hat nun die Möglichkeit direkt hier zu übernachten, oder, wenn man früh genug dran ist, nimmt man die ersten 400 Höhenmeter in Angriff und wandert auf einem gut ausgebauten Wanderweg (101) in ca. einer Stunde zum „Refugio A. Berti“ hoch. Man hat dadurch gleich mehrere Vorteile. Zum Einen liegt es viel schöner und zum Anderen wird man am nächsten Tag vor allem gegen Ende der Etappe dankbar sein, wenn man diese ersten 400 hm schon am Vortag absolviert hat – denn die 1. Etappe ist bei weitem die Längste und Anstrengendste.

1. Etappe – Rifugio Lunelli → Carducci Hütte

Ab dem Refugio A. Berti geht nun die eigentliche Tour los – bis hier hin kommen vor allem in der Saison und bei schönem Wetter täglich auch sehr viele Tagesausflügler und Wanderer – ab hier ist man dann aber sehr schnell mit einer Handvoll anderer „Eisenfreaks“ unter sich.

Vor dem Refugio türmt sich schon mächtig das Massiv des Zsigmondykopf (2998m), Hochbrunnerscheid (3046m) und Cima Bagni (2983m) auf.
Der erste Klettersteig, die Via Ferrata Roghel, führt zwischen den beiden letzgenannten Gipfeln hindurch, über einen nur wenigen Meter breiten Sattel, der Forcella Piccola di Stallata (2650m).

Vom Refugio A. Berti folgt man einem schmalen Pfad (109), der sich aber schon bald im typischen Dolomiten-Schotter verliert. Nun zeigen nur noch Markierungen an welche Richtung man einschlagen muss.

Immer steiler wird es, zum ersten Mal kommt man ins Schwitzen und an manchen Stellen muss man schon etwas aufpassen, um keine Markierung zu übersehen, ein Weg ist nun gar nicht mehr erkennbar. Gegen Ende wird’s unangenehm; loses Geröll nervt. Nach ca. 1 Stunde steht man dann aber doch am Einstieg des Klettersteiges; von hier aus ist das Refugio Berti bereits ganz schön weit weg, noch weiter unten erblickt man Lunelli.

Jetzt wird also das Kletterset angelegt und Karabiner klicken. Mit dem „Via Ferrata Roghel“ macht man gleich zu Beginn den einzigen Klettersteig der mit C/D bewertet ist, alle Anderen, mit Ausnahme des ganz am Schluss optional möglichen „Zandonella“, liegen technisch darunter.

Steil, aber gut gesichert, geht’s hoch, immer kleiner werden die beiden Hütten und nach 1:20 haben wir den Scheitelpunkt erreicht – ein großartiger Klettersteig! Hier, auf 2650 Meter kann man nun noch einmal einen letzten Blick auf die beiden Refugios werfen – winzig klein sehe ich auch unser Fahrzeug und hoffe, dass es in 4 Tagen auch noch da steht.
Nach einer Brotzeit geht es auf der anderen Seite des Sattels steil wieder hinab; alles Drahtseil versichert bereitet das keine größeren Probleme und nach rund 40 Minuten erreicht man das Ende des Seils am Rand eines Schotter-Kessels. Diesen durchquert man wieder leicht an Höhe gewinnend in weiteren 40 Minuten bis zum Einstieg des zweiten Klettersteig des Tages, die „Via Ferrata Cengia Gabriella“ (Weg 110)


Blick auf den ersten Teil der Via Ferrata Gabriella, Quelle: refugioberti.it

– dieser Steig ist nur zu ca. 40% ein versicherter Klettersteig im eigentlichen Sinne, die restlichen 60% führt er über schmale Bänder oft unversichert an den Wänden des Monte Giralba di Sotto entlang. Und daher darf man sich von der Einstufung mit „B/C“ nicht täuschen lassen; zwar sind die Klettersteigstellen in der Tat nicht höher zu bewerten, aber im ungesicherten Teil gab es im Sommer 2015 immer wieder sehr heikle Stellen; einige schwere Unwetter in den Wochen zuvor haben an mehreren Stellen den Steig einfach weggewaschen und es erforderte höchste Vorsicht, Konzentration und Trittsicherheit, um da gut durchzukommen. Der Steig zieht sich auch und man darf gerade bei heißem Wetter den Wasserbedarf keinesfalls unterschätzen. Zwischendrin gibt es keine Möglichkeiten, aufzufüllen. Der Schlußakt hat es dann noch einmal in sich. Durch eine sehr steile Geröllrinne geht es hinab, das normalerweise vorhandene Fixseil war durch einen wenige Tage alten Geröllabgang fast komplett verschüttet und der Abstieg war sehr heikel. Große Abstände zwischen den Kletterern waren nötig, weil keiner verhindern konnte große Brocken talwärts zu schicken und in der schmalen Rinne der vor einem Gehende keine Möglichkeit hat, auszuweichen. Nach 4:30 waren wir endlich am Ausstieg und rückblickend war das der anstrengendste Steig der ganzen Tour.
Nun verliehen aber Hunger und Durst Flügel und in gut 30 Minuten ging’s zum „Refugio Carducci“ (2297m), am Schluss mit schweren Beinen, noch einmal steil bergauf.

Die berühmten hausgemachten Knödel von „Beppe“ und seinem Team waren großartig und haben den Kalorienhaushalt wieder in Ordnung gebracht 🙂
Refugio Carducci hat einen ganz eigenen Charme; die Schlafsäle sind allerdings so vollgestopft, dass Umfallen nicht möglich ist. In einem nur ca. 12 qm großen Raum 18 Betten unterzubringen, ist nicht schlecht 😉 – gut, aber nach der Tour und nach dem Testen eines/einiger der von Beppi selbsgebrannten Schnäpse ist auch das dann am Ende völlig egal 😉

2. Etappe – Carducci Hütte → Dreizinnenhütte

Die Hütte war voll belegt, aber alles gut organisiert; nach dem stärkenden Frühstück gab’s das in vollen Hütten übliche Bergschuh-Memory, bis jeder wieder seine beiden Schuhe an den Füßen hatte.

Nun lag also der „Grund“ dieser Tour vor uns, die „Nuova Ferrata“ – der Verbindungs-Klettersteig, der an den südlichen Ausläufern des Zwölferkofel-Massivs entlangführt. Von Beppe und weiteren Bergführen eigenhändig angelegt, nicht ganz uneigennützig, denn durch diese neue Verbindung wird die Attraktivität des Refugios Carducci klar gesteigert, das bisher halt etwas „ab vom Schuß“ lag.


Refugio Carducci

Blick vom R. Carducci zum Einstieg „Nuova Ferrata“
Schlüsselstelle der „Nuova Ferrata“

Nach ein paar Tips vom Chef und Erbauer persönlich ging’s dann los.

Von der Hütte bis zum Einstieg sind es nur ca. 30 Minuten, hier beginnt dann der nagelneue, perfekt ausgebaute Klettersteig. Die Schwierigkeit wird mit B/C angegeben, in Tirol oder den bayrischen Alpen hätte er vermutlich mindestens C, aber dass die Bewertung in den Dolomiten mitunter etwas lockerer ist, ist ja bekannt.
Vom Klettersteig aus eröffnen sich nun tolle Tief- und Weitblicke bis in Tal nach Auronzo. Nach ca. einer Stunde ist man dann aber am Ausstieg. Wirklich tolle Arbeit, ein klasse Steig mit interessanten Stellen.
Nun liegt wieder einmal steiles Geröll vor uns, zum Glück nicht so lose. Dennoch, anstrengende 30 Minuten schinden wir uns hinauf zum „Bivaco De Toni“ – eine Biwakschachtel die fast am höchsten Punkt des Sattels, die „Forc. De l’Angel“ liegt. Hier wird erst mal ausführlich Rast gemacht. Von hier aus eröffnet sich wieder eine ganz andere Blickrichtung, zum ersten mal sieht man die 3 Zinnen. Zwar nur „von hinten“, also die Südwände, aber trotzdem ein grandioser Anblick!


Blick von Bivaco De Toni aud die 3 Zinnen „von hinten“

Nach der Stärkung geht’s weiter auf dem Weg 107, von hier aus kann man erst mal richtig „drauf los wandern“ und nach den Klettersteigen tut es auch mal richtig gut „Meter zu machen“. Alter Stacheldraht aus dem Dolomitenkrieg ragt hier noch überall aus dem Schotter. Zwischendrin müssen wir noch ein abschüssiges Altschneefeld queren, aber es ist ein Seil gespannt, so können die zur Sicherheit mitgeführten Grödel im Rucksack bleiben.


das einzige Schneefeld auf der Tour

Einige Fotopausen verzögern dann unser Vorankommen etwas – aber hier muss man einfach regelmässig anhalten und geniessen!
So brauchen wir vom Bivaco de Toni zum Sandbüheljoch ca. 1:30 – das kann man auch in weniger schaffen 😉
Ab hier kommen wir nun wieder in den „Tages-Touri“-Bereich. Die Wanderer starten meist am Rifugio Lavaredo und wandern via Drei-Zinnen Hütte bis hierher. Man merkt’s – Mit Turnschuhen werden Fotos am Abgrund gemacht…

Die Kulisse hingegen wird immer gigantischer, inzwischen erhebt sich rechter Hand auch der Zwölferkogel in seiner vollen Pracht.
Nach weiteren 30 Minuten steht man nun vor einem unscheinbaren Schild – „Gesicherter Kriegssteig“ oder „Ferrata adrezzata“ steht drauf. In macher Literatur wird es auch „Klettersteigl“ oder verwirrenderweise auch „Alpinisteig“ genannt, was zu Verwechslungen mit dem Eigentlichen, viel gewaltigeren und berühmten „Strada degli Alpini“ (der kommt dann am letzten Tag der Tour) führt.


An diesem Schild biegt man auf das „Kriegssteigl“ ab

Auf dem Kriegssteig

An diesem Punkt hat man nun 3 Möglichkeiten das Etappenziel „Büllelejochhütte“ zu erreichen. Links um den Bergzug (dem Weg 107 weiter folgen), rechts herum – oder eben über das „Kriegssteigl“, das genau mitten durch und oben drüber führt – und das muss man auch unbedingt empfehlen.
Das „Kriegssteigl“ ist ein sehr ungewöhnlicher Klettersteig; er führt fast komplett durch alte Stellungen der Alpini. In den Felsen gehauene Schießscharten, Höhlen und Gänge können während des Steiges immer wieder besichtigt werden und man fühlt sich phasenweise fast schon eher in einem Freilichtmuseum anstatt auf einem Klettersteig. Die Schwierigkeit liegt nur bei A/B, viele gehen ihn ungesichert, was ich aufgrund der möglichen Absturzhöhe nicht empfehlen würde. „Super interessant“ war unser Fazit, als wir nach 45 Minuten (mit vielen Fotopausen) die enge, in den Fels gehauene Treppe hinutersteigen und wieder auf dem Normalweg landen; von hier sind es nun nur noch 10 Minuten bis zur schönsten Hütte der Tour, die „Büllelejochhütte“ – nicht nur die Wirtin, auch ihr Kaiserschmarrn war eine Sensation!


Büllelejochhütte

In dem eingangs erwähnten Bericht ist hier das Ende der zweiten Etappe. Wir haben hier etwas anders geplant, was ich auch in Nachhinein jedem empfehlen würde. Unsere 2. Übernachtung haben wir anstatt dessen in der 3-Zinnen Hütte gebucht, die Gründe erkläre ich gleich.
Zwar ist die Büllelejoch Hütte definitiv die viel schönere Hütte, aber von hier aus noch das Stück zur Drei-Zinnen Hütte dran zu hängen hat folgende Vorteile:
– Die Etappen Längen verteilen sich etwas besser. Der 2. Tag ist sonst sehr kurz, der 3. Tag wiederrum recht lang.
– Man geniesst den Sonnenuntergang mit Blick auf die 3 Zinnen.
– Wer auf der 3-Zinnen-Hütte übernachtet, kann um 04:30 los und ist zum Sonnenaufgang auf dem Toblinger Knoten und zum Frühstück wieder zurück in der Hütte – ein Highlight der Tour!!
Zudem haben wir nun die vorgeschlagene Richtung „umgedreht“ – wir sind auf dem Normalweg (101) in ca. 60 Minuten von der Büllelejochhütte zur 3-Zinnen-Hütte, was den rießen Vorteil hat, dass man am nächsten Tag die sehr langen, steilen und trotz Stirnlampen dunklen Tunnel und Stollen des Innerkofler-De Luca/ Paternkofel Steiges im Aufstieg hat – viel angenehmer, als sie am Ende einer langen 2. Tages-Etappe hinunter zu stolpern…

So waren wir trotz dieser „Verlängerung“ der 2. Etappe um 15:30 an der 3-Zinnen-Hütte. Wie schon erwähnt, nicht mit dem Charme der viel kleineren Büllelejochhütte zu vergleichen. Viel Trubel, der sich bei der Größe dieser Hütte auch dann nur ein wenig legt, wenn die letzten Tagesausflügler verschwunden sind. Was soll’s, Abendessen war gut organisiert und lecker… Und der Sonnenuntergang mit Blick auf die 3 Zinnen mit einem „Feierabend-Bier“ in der Hand kann man eh nicht mit Worten beschreiben 🙂


Blick auf die 3 Zinnen

Blick von der 3-Zinnen Hütte auf den Paternkofel

Die 3 Zinnen Hütte, mit Sextenstein und Toblinger Knoten

 

3. Etappe – Dreizinnenhütte → Zsigmondy Hütte

Wie schon beschrieben haben wir uns unsere Wecker auf 04:30 gestellt und sind im Dunklen mit Stirnlampen los zum Toblinger Knoten.

Der sog. „Leiternsteig“ führt mit Schwierigkeit C auf das kleine Plateau dieser Felsnadel. Um 05:30 waren wir oben, gerade rechtzeitig, um erleben zu können, wie die ersten Sonnenstrahlen die umliegenden Berge, inclusive der 3 Zinnen, in feuerrotes Licht tauchen! – Was für ein Erlebnis! Erstaunlicherweise hatte niemand anders diese Idee und wir waren die ganze Zeit alleine! – das hatten wir so nicht erwartet, aber gerne genommen 😉


Klettersteig auf den Toblinger Knoten


Sonnenaufgang auf dem Toblinger Knoten

Es waren dann auch eher die schattigen Temperaturen um diese Uhrzeit, die uns dann in gut 30 Minuten wieder zurück zur Hütte getrieben haben. Ein ausgiebiges Frühstück und los ging’s auf die nächste Etappe.

Nach gut 10 Minuten geht’s bereits mit dem Innenkofler De Luca Steig los; durch viele steile Tunnel mit hohen Treppenstufen und mit einfachen Klettersteig-Stellen gewinnt man schnell an Höhe und ist nach ca. 60 Minuten an der Gamsscharte auf 2675 Meter , wo dieser Steig mit dem Schartensteig auf den Paternkofel und dem Passportensteig zusammentrifft. Entsprechend rush hour herrschte hier auch. Von hier aus kann man auch den knapp 100 Meter höher gelegenen Gipfel des Paternkofel besteigen. Dazu braucht man ca. 20 Minuten, in denen man gesicherte Stellen bis B/C und leichte Kletterstellen bis 1- passiert. Mit 2744 Metern war das der höchste Punkt unserer Tour. Die Leute, die auf dem Toblinger Knoten nicht vorhanden waren, hatten wir dafür hier. Dennoch, diesen Gipfel muss man mitnehmen.


in den Tunnel des Innenkofler De Luca Steiges

Gipfel Paternkofel


Blick auf die 3 Zinnen vom Paternkofel Gipfel


Blick auf den Schartensteig

Nach einer Brotzeit geht’s das Stück zurück zur Gamsscharte wieder hinunter, und von hier aus über den Schartensteig (B) – wieder mit einigen Kriegs- Stellungen und toller Aussicht auf den Pasportenkofel – in rund 2 Stunden zur bereits vom Vortag bekannten Büllelejochhütte; um den Kaiserschmarrn konnten wir auch dieses mal keinen Bogen machen 😉
Nach ausgiebiegen 2 Stunden Pause mit „in der Sonne faulenzen“ nahmen wir den letzten Teil dieser Etappe in Angriff; den Abstieg zur ziemlich genau 300 Meter tiefer gelegenen „Zsigmondy-Hütte“. Auf dem Abstiegsweg sehen und fotografieren wir einige vorwitzige Murmeltiere, die sich hier recht wenig scheu zeigen.
Die Zsigmondyhütte liegt direkt am Fuße des Zwölferkofels mit spektakulärer Aussicht auf dessen Nordwand. Es war noch früh genug, um diese Aussicht bei Sonne zu geniessen, bevor das gebuchte Halbpension- Abendessen (Schnitzel mit Pommes ! ;-)) Kräfte zurück brachte. Die Hütte hat auch den Luxus mehrerer Duschen. Deren Benutzung ist nach 3 Tagen Katzenwäsche dann aber doch mehr Notwendikeit als Luxus (auf der 3-Zinnenhütte gab’s zwar auch Duschen, aber zu viele Leute, die sich diese teilen müssen).
Ein uns zugeteiltes, sehr nettes 4-Bettzimmer brachte fast eher Berg-Hotel-Feeling als Hütten-Massenlager-Gedränge – auch nicht schlecht.


Zsigmondyhütte

Zwölferkogel von der Zsigmondy-Hütte aus

4. Etappe – Zsigmondy Hütte → Rifugio Italo Lunelli

In aller Frühe ging’s los zur letzten Etappe. 30 Minuten steil bergauf dem Weg 103 folgend auf das schon von der Hütte aus gut zu sehende Giralba Joch zu, dann aber noch vor dem Joch, vor dem im Sommer oft ausgetrockneten Eissee nach links auf die 101 abbiegen und nach weiteren 30 Minuten steht man am Beginn eines der berühmtesten Klettersteige überhaupt, der „Alpinisteig“.


berühmtes Motiv, Alpinisteig

Eigentlich weniger ein Klettersteig; mehr ein schmaler Steig, der sich auf einem Band entlangschlängelt, fast immer auf der selben Höhe. Von den Alpinis wurde er während des 1. Weltkrieges mitten in eine Wand gehauen. An einzelnen Stellen ist er versichert und bereitet insgesamt wenig Probleme aber spektakuläre Ausblicke und Perspektiven.
Schwierig wird’s wohl vor allem dann, wenn es noch Altschnee und vereiste Stellen an ungesicherten Passagen gibt; die hatten wir zum Glück nirgends mehr. Nach gut 1:15 erreicht man die Elferscharte, von wo man einen herrlichen Blick ins Fischleintal hat, wohin man von hier aus auch absteigen könnte.
Wir folgen aber nach rechts dem Teil Richtung Sentinella-Scharte, denn wir müssen ja wieder zu unserem Auto. In manchen Büchern wird dieser Teil noch dem Alpini Steig hinzugerechnet, in manchen wird er hingegen als „Sentinella-(Scharten)-Steig“ bezeichnet.
Insgesamt ist dieser Teil aber deutlich unangenehmer. Teilweise sind die Sicherungen sehr alt und locker, an Stellen, an denen sie fehlen, hätte man gerne welche, da auch hier einige Teile des Steiges weggespült wurden. Auch hier noch einmal volle Konzentration. Bis wir die Sentinella-Scharte erreichen, sind weitere 60 Minuten vergangen.


noch einmal ein tolles Motiv, Sentinellaschartensteig

Noch einmal eine kurze Pause und dann geht’s an den Abstieg. Ein wenig unterhalb könnte man nun noch die Sextner Rotwand „von hinten“ – also von Süden her über die Via Ferrata Zandonella (C/D) besteigen und dann über die Süd-Ost Variante wieder hinab und kommt dann fast am selben Punkt wieder raus. Ein Mehrwaufwand von ca. 2,5-3 Stunden, der sich sicher lohnt und wir haben auch mit uns gekämpft – aber da wir am selben Tag noch zurück nach München mussten, haben wir diesen Steig dann leider „links liegen“ gelassen. Der Abstieg zieht sich nun schier endlos durch lockeres Geröll, hier haben wir dann auch unsere Stöcke ausgepackt, die wir zuvor nur selten gebraucht haben. Wer Ski fahren kann ist im Vorteil. Trotz dem hohem Tempo, mit dem wir auf dem Schotter Richtung Tal gesurft sind, braucht’s noch mal ca. 1:30 bis man am Refugio Berti ankommt, wo sich der Kreis schließt.
Dass nun Wochenende war, merkte man an den Unmengen an Tagesausflügler, die vom Lunelli aus hier her hochwandern. Also nur schnell ein Radler und dann die letzten 400 Höhenmeter wieder runter zum Lunelli – gefühlt haben wir auf diesem Stück noch einmal 100 Wanderer überholt.
Gar nicht mal so schlapp (wir waren jetzt so „richtig drin“) und einfach nur sau happy kamen wir an unserem Auto an.
Was für eine geniale Tour in einer super Gruppe und mit einem Wetterglück gesegnet, das schon fast unverschämt war – 4 Tage praktisch ohne eine Wolke 😉

Vielen Dank an alle, die dabei waren, und an die Autoren des eingangs erwähnten Berichts, ohne den wir diese atemberaubende Tour vermutlich nicht gemacht hätten 🙂

Nützliche Hinweise und Links

Die Beschreibungen hinsichtlich der Schwierigkeit der Tour entsprechen unserem individuellen Empfinden, der Zustand/die Bedingungen so wie wir sie im August 2015 vorgefunden haben. Daraus lassen sich keine Schlüsse über den aktuellen Zustand der Abschnitte/Steige ziehen, in den Bergen ändert sich vieles sehr schnell. Daher sind sämtliche Angaben ohne Gewähr. Man muss sich immer aktuell informieren. Auch muss jeder sein eigenes Können, Erfahrung & Kondition berücksichtigen und einschätzen. Die Tour erfordert Kondition und Vorkenntnisse mit Klettersteigen, sowie Schwindelfreiheit und Trittsicherheit! Auch ist in manchen Jahren mit Schnee- und Eisfeldern bis in den Spätsommer hinein zu rechnen, was einige Abschnitte deutlich schwieriger werden lässt. Die besten (weil aktuellsten) Quellen zum Zustand der Steige sind meist die jeweiligen Hüttenwirte.
http://www.rifugioberti.it/
http://www.rifugiocarducci.eu/
http://www.rogger.info/de-buellelejochhuette-sexten-sesto/index.asp?MAID=341&APP=8&LG=1&NKey=info
http://www.dreizinnenhuette.com/
http://www.zsigmondyhuette.com/de/willkommen.html

 

Autor und Bilder:
© Markus Kaufmann

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