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Céline Cremer
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Die Geschichte von Céline Cremer hat in den letzten Wochen und Monaten tatsächlich eine dramatische Wendung genommen. Es ist beeindruckend, wie hartnäckig die freiwilligen Helfer geblieben sind.
​Hier ist der aktuelle Stand der Ereignisse (Stand Ende Januar 2026):
​Die Chronologie der Suche
- ​Verschwinden (Juni 2023): Céline Cremer wurde zuletzt am 17. Juni 2023 in Waratah gesehen. Ihr Auto wurde am 27. Juni am Parkplatz der Philosopher Falls gefunden. Die offizielle Suche wurde damals nach drei Wochen wegen der extremen Wetterbedingungen und geringer Überlebenschancen eingestellt.
- ​Fund des Handys (Dezember 2025): Über zwei Jahre später, am 13. Dezember 2025, fand ein privates Suchteam (darunter der Freiwillige Tony Hage) Célines Handy. Es lag weniger als 100 Meter von ihrem letzten bekannten GPS-Punkt entfernt. Die Daten darauf deuteten darauf hin, dass sie versucht hatte, eine Abkürzung abseits des Weges zurück zum Auto zu nehmen, als es dunkel wurde.
- ​Fund der sterblichen Überreste (28. Januar 2026): Gestern wurde offiziell bestätigt, dass der freiwillige Buschwanderer Jarrod Boyes menschliche Überreste gefunden hat. Diese wurden etwa 3 Kilometer nordöstlich des Parkplatzes der Philosopher Falls entdeckt.
​Ist es offiziell bestätigt?
​Obwohl die Ermittler und die Familie bereits informiert wurden, gibt es eine wichtige Unterscheidung:
- ​Medizinische Bestätigung: Ein Pathologe hat anhand von Fotos bereits bestätigt, dass es sich definitiv um menschliche Überreste handelt.
- ​Forensische Bestätigung: Die formale Identifizierung durch DNA-Tests oder Zahnunterlagen steht noch aus. Die Polizei von Tasmanien betont, dass diese forensische Analyse notwendig ist, um zu 100 % sicher zu sein, dass es Céline ist – auch wenn der Fundort und die Umstände kaum einen Zweifel lassen.
​Die Theorie zum Unfallhergang
​Man geht davon aus, dass sie die Orientierung verlor und dann versuchte, dem Gelände (möglicherweise einem Bachlauf oder dem Arthur River System) zu folgen, um aus dem dichten Regenwald herauszufinden. Jarrod Boyes und der Historiker Rob Parsons, die die Suche dokumentiert haben, vermuteten schon länger, dass sie tiefer in das unwegsame Gelände vorgedrungen war, als man bei der ersten Suche angenommen hatte.
​Es ist eine traurige Gewissheit, aber für die Familie in Belgien bedeutet dieser Fund nach über zweieinhalb Jahren hoffentlich den Beginn eines Abschlusses.
​Die Wetterbedingungen in der Region um Waratah und die Philosopher Falls waren im Juni 2023 extrem lebensfeindlich. Tasmanien befindet sich zu dieser Zeit im tiefsten Winter, und die Gegend um die Philosopher Falls ist für ihr raues, unberechenbares Klima bekannt.
​Hier sind die Details zu den Bedingungen, die damals herrschten:
​1. Frostige Temperaturen
- ​Sub-Zero-Bereich: In den Nächten nach Célines Verschwinden fielen die Temperaturen regelmäßig unter den Gefrierpunkt (bis zu -2°C).
- ​Durchschnittswerte: Selbst tagsüber stiegen die Temperaturen kaum über 5°C bis 10°C. In der dichten Vegetation des Regenwaldes, in der die Sonne kaum den Boden erreicht, blieb es noch deutlich kühler.
​2. Niederschlag und Schnee
- ​Schneefall: Es gab Berichte über leichten Schneefall bis in tiefe Lagen während der ersten Suchwoche. Die Polizei meldete mehrfach, dass die Suchtrupps mit Schnee und Graupel zu kämpfen hatten.
- ​Starker Regen: Der Juni 2023 war in Tasmanien insgesamt sehr nass (etwa 45 % mehr Regen als im Durchschnitt). Dies führte dazu, dass der Boden extrem rutschig war und Bachläufe, denen Celine vermutlich folgte, schnell anschwollen.
​3. “Not survivable” (Nicht überlebbar)
​Die Polizei von Tasmanien stützte ihre Entscheidung, die aktive Suche nach drei Wochen einzustellen, auf medizinische Gutachten. Experten erklärten, dass ein Mensch ohne spezialisierte Winterausrüstung und Unterschlupf diese Kombination aus Nässe, Wind und Kälte über einen so langen Zeitraum nicht überleben kann. Die Unterkühlung (Hypothermie) setzt in solch einer nassen Umgebung bereits nach sehr kurzer Zeit ein.
​4. Dunkelheit und Gelände
- ​Frühe Dämmerung: Im Juni geht in Tasmanien die Sonne bereits gegen 16:57 Uhr unter. Unter dem dichten Blätterdach des Regenwaldes wird es jedoch schon ab 16:00 Uhr fast stockfinster, was die Orientierung unmöglich macht.
- ​Tarkine Rainforest: Das Gelände ist dort so dicht bewachsen, dass man teilweise nur wenige Meter weit sehen kann. Wenn man den markierten Weg verlässt, gerät man sofort in ein Labyrinth aus Farnen, umgestürzten Bäumen und tiefen Schluchten.
Was war denn nun ihr größter Fehler?
Falsche Jahreszeit
Falsches Equipment
Alleine unterwegs
Auf’s Handy verlassen
Schlecht vorbereitet
oder nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort?
Bitte eure Meinungen, Sie war ja nicht unerfahren oder ging halt bis dahin alles nur zufällig gut?
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Es ist eine Kette von kleinen Fehlentscheidungen, die in einer so wilden Umgebung wie Tasmanien leider oft fatale Folgen haben.
​Hier ist eine Analyse der Situation basierend auf dem, was wir über die Philosopher Falls und Célines Fall wissen:
​1. War sie fahrlässig?
​Es ist ein hartes Wort, aber man könnte es als „naive Unterschätzung“ bezeichnen. Cèline war eine junge Frau, die das Abenteuer liebte, aber der tasmanische Busch verzeiht keine Fehler.
- ​Der “Nur kurz”-Fehler: Sie dachte, es sei ein kurzer Spaziergang. Deshalb ließ sie ihre schwere Campingausrüstung und warme Kleidung im Auto.
- ​Wetter-Check: Sie hat vermutlich nicht realisiert, wie schnell sich das Wetter in den Highlands von 10°C auf 0°C ändern kann, wenn der Regen einsetzt.
​2. Warum hat sie nicht den gleichen Weg zurückgenommen?
​Das ist der kritische Punkt. Die Strecke zu den Philosopher Falls ist eigentlich ein gut markierter Wanderweg (ca. 45 Minuten pro Weg).
- ​Die Dunkelheit: Im Juni wird es im dichten Regenwald schon gegen 16:00 Uhr dämmrig. Unter dem Blätterdach verliert man sofort die Tiefe und sieht keine Konturen mehr.
- ​Der “Short-Cut”-Instinkt: Das Handy-Signal zeigte, dass sie versucht hat, eine Abkürzung querfeldein zu nehmen, um schneller zum Parkplatz zu kommen. Im Busch sieht alles gleich aus. Einmal 10 Meter vom Weg abgekommen, findet man ihn ohne Licht oft nie wieder.
- ​Panik: Wenn man merkt, dass man verloren ist, steigt der Puls, und man beginnt, sich schneller und unüberlegter zu bewegen, was meistens tiefer in den Wald führt.
​3. Lebenswichtige Utensilien
​Ideen mit der Powerbank und der Offline-Karte (z.B. AllTrails oder Maps.me) sind absolut richtig. Aber in Tasmanien gibt es ein paar Dinge, die noch wichtiger sind:
- ​PLB (Personal Locator Beacon): Ein kleiner Satelliten-Notsender. Ein Knopfdruck, und die Rettungskräfte haben die GPS-Koordinaten – völlig egal, ob man Handyempfang hat oder nicht. Das ist das wichtigste Utensil in Tasmanien.
- ​Stirnlampe: Wenn es dunkel wird, ist ein Handy-Licht fast wertlos. Eine starke Stirnlampe hätte ihr den Weg zurück zeigen können.
- ​Rettungsdecke (Space Blanket): Wiegt 50g und kostet 3 Euro. Sie hätte sie in der Nacht vor dem Erfrieren geschützt.
- ​Pfeife: Schreien erschöpft einen extrem schnell. Eine Pfeife hört man kilometerweit.
​4. Hätten Kompass und Karte geholfen?
​Ein Kompass hätte ihr geholfen, die Richtung (Osten zum Highway) zu halten. Aber: Um eine Karte im dichten Regenwald zu lesen, muss man markante Punkte (Berge, Flüsse) sehen. Unter den riesigen Farnen und Bäumen sieht man aber nur Grün. Ohne Training ist Orientierung dort selbst mit Kompass extrem schwer.
​Zusammenfassung
​Céline ist vermutlich Opfer des sogenannten “Lateral Drift” geworden: Sie dachte, sie liefe parallel zum Weg, entfernte sich aber in einem spitzen Winkel immer weiter davon. Als sie dann einem Bach folgte (in der Hoffnung, er führe zur Zivilisation), landete sie in noch steilerem und gefährlicherem Gelände.
​Es ist eine bittere Lektion: Der tasmanische Busch ist kein Stadtpark, sondern echte Wildnis.
Ein Feuerzeug (oder Streichhölzer) ist in einer Überlebenssituation oft der entscheidende Faktor zwischen Leben und Tod, besonders in einer so nassen und kalten Umgebung wie Tasmanien.
​Allerdings gibt es im tasmanischen Regenwald (dem Tarkine) eine tückische Hürde, die ein Feuerzeug allein fast nutzlos machen kann: Die extreme Feuchtigkeit.
​Hier ist eine Analyse, warum ein Feuerzeug sie hätte retten können, aber warum es gleichzeitig dort so schwer zu benutzen ist:
​Warum es sie hätte retten können:
- ​Schutz vor Hypothermie: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist die Wärme eines Feuers die einzige Chance, die Körperkerntemperatur stabil zu halten, wenn die Kleidung nass ist.
- ​Psychologischer Halt: Feuer gibt Hoffnung und vertreibt die Panik. Es hilft, die Nacht mental durchzustehen.
- ​Signalwirkung: Rauch am Tag und Licht in der Nacht sind die besten Signale für Suchtrupps.
- ​Trinkwasser: Sie hätte Wasser abkochen können, um Infektionen zu vermeiden (wobei in Tasmanien die Kälte meist schneller tötet als verunreinigtes Wasser).
​Das Problem im “Rainforest”:
​Man darf sich den Wald dort nicht wie einen deutschen Kiefernwald vorstellen.
- ​Alles ist nass: Im Juni regnet es fast ununterbrochen. Jedes Stück Holz, jede Rinde und jeder Farn ist mit Wasser vollgesogen. Ohne spezielles Wissen (z. B. das Innere von totem Baumharz oder trockene Schichten unter Baumstämmen zu finden) bekommt man selbst mit einem Feuerzeug kaum eine Flamme zustande.
- ​Kein trockenes Brennmaterial: Profis nutzen oft “Fatwood” (harzhaltiges Holz) oder bringen Zunder von zu Hause mit. Ein Laie, der unter Schock steht und bereits zitternde Hände (Beginn der Unterkühlung) hat, scheitert oft daran, ein Feuer im Regenwald zu entfachen.
​Was sie zusätzlich zum Feuerzeug gebraucht hätte:
​Um in diesem Klima sicher zu sein, empfehlen Experten meist eine Kombination:
- ​Sturmstreichhölzer oder ein Feuerzeug.
- ​Zunder (Tinder): Ein paar in Wachs getränkte Wattebällchen in der Tasche, die auch bei Nässe brennen.
- ​Wissen: Wie man eine “Feuer-Plattform” baut, damit das Feuer nicht auf dem nassen Boden sofort wieder erlischt.
​Fazit
​Ein Feuerzeug hätte ihre Chancen massiv erhöht, vor allem weil es ihr ermöglicht hätte, sich bemerkbar zu machen. Wenn sie es geschafft hätte, ein Feuer zu entzünden, wäre sie für die Hubschrauber mit Wärmebildkameras (FLIR), die damals im Einsatz waren, wie ein heller Leuchtturm in der Dunkelheit erschienen.
​Es ist tragisch: Oft scheitert das Überleben an einem Gegenstand, der nur ein paar Gramm wiegt und 1 Euro kostet.
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Hallo Andi,
sehr gut analysiert, man denkt dann an die eigenen Aktionen und ob man immer alles im Blick hat
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Die Geschichte hatte ich gar nicht mitbekommen.
Sehr tragisch das Ganze. Zeigt aber auch mal wieder, was Unterkühlung bedeutet. Ich habe bei entsprechender Witterung auch bei kurzen Fahrten (außer vielleicht der zum Supermarkt) immer eine Jacke dabei – Auskühlen kann man gerade bei Feuchtigkeit und Wind wesentlich schneller als man denkt. Und dann geht es auch schneller dahin mit Leistung, Denkfähigkeit und vor allem der Psyche. Ich glaube, dass die junge Frau ab einem gewissen Punkt durch Angst und Panik in die Irre gelaufen ist, und, weil sie wusste, dass sie nicht auf den nächsten Tag warten kann. Mein Beileid den Angehörigen, wenn es Gewissheit gibt, ist das trotzdem besser als das ewige Bangen.
