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  • Besteigung des Kilimanjaro via Machame Route (7 Tage)

    aktualisiert 12 Jahre, 7 Monat aktiv. 7 Mitglieder · 15 Beiträge
  • msOXYD

    Mitglied
    13. Oktober 2013 at 17:20

    Vor der Besteigung stand die Aklimatisationstour auf den Mt. Meru – Hier geht es zum Bericht ** you do not have permission to see this link **

    Am 26.09.13 wurden wir um 9:00 Uhr in unserer Lodge in Moshi abgeholt. Am Office unseres Touroperators erhalten wir die letzten Infos und es wird einiges an Material geladen.

    Wir – 5 Deutsche, die sich in einem Forum kennengelernt haben- bekamen insgesamt 15 Porter und 3 Guides zugewiesen. Für die 23-köpfige Mannschaft wurden Zelte und alles nötige zum Kochen (Gasherd, Gasflaschen und alle Lebensmittel für 7 Tage geladen) da kam schon eine Unmenge zusammen.

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    An persönlicher Ausrüstung durfte jeder Teilnehmer einen Seesack mit max. 15 Kg mitnehmen, der dann von einem Porter bis zum Basiscamp und wieder zurück getragen wurde.

    Jeder Teilnehmer hatte dann nur einen Tagesrucksack mit den jeweils am Tag benötigten Equipment dabei, wo inkl. 3 Liter Wasser zum Trinken so ca. 8-10 Kg zusammen kommt.

    Die Porter sind für mich die wahren Helden am Berg. Neben dem Seesack, der übrigens meistens auf dem Kopf geschleppt wird, trägt jeder Porter noch sein eigenes Gepäck mit Schlafsack, Matte und Kleidung, sodass dann insgesamt 25-30 KG zusammen kommen dürften. Trotzdem meisterten die Porter die Tagesetappen in einem Bruchteil der Zeit und bevor wir im nächsten Lager ankamen, war das alte Lager abgebaut und bereits im neuen Lager wieder aufgebaut – wo uns heißes Wasser für Tee oder Kaffee bereits erwartete.

    Nach 2 Stunden Fahrzeit kamen wir im Machame Gate (1790 m) an. Hier gab es eine lange Wartezeit bis das gesamte Gepäck gleichmäßig auf alle Porter verteilt war und die Formalitäten zum Betreten des Kilimanjaro Nationalparkes geregelt waren.

    Der Weg war zunächst ein ausgebauter Forstweg, dann ein kleinerer Wanderpfad, mitten durch den Regenwald.

    Nach etwa 6 Stunden Wanderzeit erreichten wir das Machame Camp auf etwa 2980 m Meereshöhe.

    Die Höhenangaben für die ganze Route schwanken je nach Material auf das man zugreift und selbst die Schilder vor Ort weißen zum Teil erhebliche voneinander ab. Teilweise liegt es wohl auch daran, dass die Camps halt keine ebenen Zeltplätze sind, sondern zum Teil relativ steil angelegt sind und durchaus vom unteren zum oberen Punkt 100-150 hm Differenz betragen kann.

    Am nächsten Morgen starteten wir zum Shira Camp (3830 m) .

    Nach einem kurzen Abstieg ging es gleich ziemlich steil aufwärts und im Nachgang folgte ein langer Marsch auf gleichbleibender Höhe. In dieser Zone ist die Vegetation bereits eher karg. Bereits am frühen Vormittag wandelte sich die Sonne Afrikas in einen Regen und es war ziemlich ungemütlich in einer Höhle machten wir eine ausgedehnte Mittagspause. Bei Ankunft im Camp war die Sonne aber zurückgekehrt und so konnten wir die Nasse Kleidung gut und schnell trocknen.

    Treu dem Motto walk high – sleep low hieß es gegen 17:00 Uhr nochmal aufbrechen und die Shira Caves zu besuchen. Hier konnten wir einen tollen Sonnenuntergang erleben und zum ersten Mal auch den Kilimanjaro, der sich zuvor stets hinter Wolken verborgen hielt bestaunen.

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    Morgens und Abends bekamen wir stets von unserem „Waiter“ eine Schüssel mit heißem Wasser zum Waschen gebracht. Für eine Katzwenwäsche war das durchaus ausreichend. Dennoch könnt ihr euch sicher denken, wie sehr wir uns am letzten Tag auf eine Dusche gefreut haben.

    Am folgenden Tag wanderten wir bis auf eine Höhe von 4600 m zum Lava Tower einem mächtigen Felsklotz.

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    Das folgende Lager welches wir am Abend erreichten liegt auf 3950 m, somit hatten wir neben einem gehörigen Aufstieg auch einen ordentlichen Abstieg vor uns. Im Abstieg ging es durchs Barranco Valley einem Seitenteil in dem Riesenlobelien und meterhohe Senecien wachsen. Innerhalb der Mondlandschaft auf ca. 4000 m schon beeindruckend.

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    Das ständige Auf- und Ab diente zur Höhenanpassung und wir spürten wie Höhen jenseits von 4000 m besser und besser vertragen wurden…

    Der folgende Tag diente wieder ausdrücklich als Akklimationstag . So wanderten wir vom Baranco Camp auf das Karanga Valley Camp (4100 m).

    Kurz nach dem Frühstück standen wir vor der Baranco Wall, bei den einheimischen auch als Breakfast Wall bezeichnet, weil diese stets unmittelbar nach dem Frühstück ansteht. Diese „Mauer“ ist ca. 150 m hoch und hat durchaus mit [link removed] zu tun. Kletterstellen im I und I+ gilt es zu meistern. Mit kleinem Tagesrucksack sicher keine enorme Herausforderung, dennoch macht der mangelnde Sauerstoff einem die Arbeit nicht leichter. Meine Bewunderung gilt hier auf jeden Fall wieder den Portern die pfeifend und singend bzw. zum Teil auch lautstark mit einem Ghettoblaster auf dem Arm die Herausforderung meistern.

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    Oben genießen wir die Aussicht auf den Wolkenteppich unter und über uns…

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    Nach 3 Stunden im weiteren Auf- und Ab gelangen wir dann zum Basecamp für die Besteigung dem Barafu Camp auf 4600 m

    Hier wehte um die Mittagszeit bereits bei Ankunft ein eisiger Wind und die Anspannung stieg immer weiter, die bohrenden Fragen wie wird es werden, schaffen wir die Höhe, wie kalt wird es werden und jede Menge weitere Fragen…

    Unsere Guides machten uns klar, dass wir uns bestmöglich erholen sollten um Kraft für den Aufstieg zu bekommen. Ein kurzer Mittagsschlaf und dann wurde die Ausrüstung gepackt. Bloß kein Gramm zu viel dem Berg herauf tragen und bloß kein Kleidungsstück zu wenig, damit wir der Kälte gewappnet sind…

    Um 18:00 Uhr gab es das letzte Abendessen und die Ankündigung, dass wir um 23:00 Uhr geweckt werden sollten, damit wir um Punkt 0:00 Uhr zum Gipfel können.

    Um 19:00 Uhr legten wir uns in die Schlafsäcke, doch an schlafen war nicht wirklich zu denken. Zu aufgeregt waren wir und aufgrund der Enge des Barafu Camps stand hier Zelt neben Zelt. Im ganzen Lager war Unruhe. Die Porter, die stets im Basecamp bleiben und nicht zum Gipfel weiter gehen, palaverten direkt neben uns und krochen wohl erst nach 21:00 Uhr in ihre Schlafsäcke. Nun war es um uns herum zwar ruhiger – aber der Puls war in einem Takt, der alles andere als günstig fürs einschlafen war.

    Als dann um 23:00 Uhr der Porter zu meinem Zelt zum Wecken kam, war es fast wie eine Erlösung endlich losgehen zu dürfen. Schnell wurden die 3 Lagen an den Beinen übereinander angezogen und auch der Oberkörper wurde in die 7 vorbereiteten Schichten gehüllt.

    Im „Restaurantzelt“ welches mit Klapptisch und Stühlen ausgestattet war gab es heißen Tee und Kekse. Die Stimmung war theatralisch. Die Wasserflaschen wurden gefüllt, das Trinksystem isoliert und Handschuhe angezogen und Stirnlampe eingeschaltet.

    Dann standen wir im Stau. So zogen doch um 0:00 Uhr mehrere Mannschaften los und so standen ca. 40-50 Personen in einer Schlange in der es fast kein vorwärtskommen gab. Die ersten 15 Minuten waren kaum auszuhalten, wussten wir doch von dem langen Weg, der noch vor uns war….

    Stetigkeit wurde belohnt. Unser Guide und die zwei Assistenz-Guide sowie unserem Summit Porter der uns begleitete legten sehr großen Wert darauf dass wir äußerst langsam, halt eben „Pole Pole“ gehen sollten. Die ersten Gruppen vor uns machten bereits nach 20 Min. Rast und zwar langsam, dafür aber mit Ausdauer überholten wir die Rastende Masse. Nach und nach hatten wir ca. nach 40 Minuten alle Gruppen überholt und konnten von da an in aller Ruhe laufen.

    Der Weg war weit, es war dunkel und kalt, sehr kalt sogar. Obwohl ich regelmäßig Wasser aus dem Trinksystem getrunken hatte war etwa gegen 3:30 Uhr das Mundstück eingefroren. Von da an konnte ich nur noch trinken, wenn es einen kurzen Stopp gab. Es lief fast alles mechanisch ab. Rechter Fuß, einatmen, linker Fuß ausatmen….. Hielt man sich nicht an das ganze tiefe durchatmen und ausatmen wurde man mit Kopfschmerzen bestraft.

    Der Weg war monoton, im Zig-Zack ging es beständig bergauf. Hier und da konnte man sich an einem Felsblock abstützen ansonsten eher marschieren auf einem gefroren Schotteranstieg.

    Einige Mitstreiter machten schlapp und gaben ihre Rucksäcke an die Guides ab. Danach ging es ihnen wieder besser.

    Die Kälte fraß sich immer weiter durch und gegen 4:45 Uhr habe ich dann meine 8. Und damit letzte Lage für den Oberkörper angezogen.

    Schließlich erreichten wir um 5:30 Uhr den Stella Point (Kraterrand auf 5745 m Höhe) Offiziell hat man an diesem Punkt bereits den Kili bestiegen und bekommt eine entsprechende Urkunde. Für uns alle war aber klar, dass der Gipfel der Gipfel des Berges ist und so standen uns noch weitere 45 Minuten aufstieg bevor.

    Allerdings begann bereits hier die erste Dämmerung und ein dünner Lichtstreif war in der Ferne zu sehen. Dies weckte die Lebenskräfte und mit neuer Energie liefen wir weiter.

    Bald war dann auch der Gipfel in Sicht.

    Und die folgenden Minuten waren einige der glücklichsten Minuten meines Lebens.

    Wir haben es geschafft- unseren Traum vom Gipfel erfüllt.

    Die 5895 m fühlen sich wirklich irre gut an!

    Rund 30 Minuten verbrachten wir am Gipfel und machten die obligatorischen Gipfelfotos. Den 01. Oktober 2013 6:20 Uhr werde ich wohl nie vergessen <img class=

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    Dann ging es an den Abstieg. Einige unserer Gruppen hatten dann doch starke Kopfschmerzen und Schwindel. Die Guides unterstützen und führten vorbildlich.

    Mir ging es ziemlich gut und so durfte ich mit dem Summit Porter den Abstieg ziemlich zügig angehen. Es gab Schotterabfahrten vom Feinsten. Hier und da ein Fotostop und wieder weiter…

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    Nach 2 ½ Stunden war ich Basecamp. Nun hatten wir bereits 1300 hm Aufstieg und 1300 hm Abstieg in den Beinen. Weitere 1700 hm mussten noch folgen.

    Im Restaurant gab es eine stärkende Mahlzeit und dann ging es am Nachmittag weiter zum letzten Camp dem Mweka Camp auf 2850 m.

    Jeder Meter weiter nach unten ließ uns besser atmen und bereits auf 4000 m dachten wir unser Ziel erreicht zu haben…. Doch immer noch hatten wir 2 Stunden vor uns.

    3000 hm Abstieg ist irsinnig viel. Die Knie haben sich bedankt

    Irgendwann war es dann geschafft und nach dem Abendessen ging es wieder zügig schlafen.

    Der letzte Abstieg vom Mweka Camp (2850 m) zum Mweka Gate auf 1800 m war dann nur noch reine Formsache. Der Weg war mehr oder weniger ein Treppenweg. Die Nutzung ist ausschließlich für den Abstieg bestimmt.

    Einen tollen Ausblick auf den in der Nacht frisch beschneiten Kilimanjaro konnten wir noch erhaschen und festhalten.

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    Nach rund 2 Stunden kamen wir auf einem Forstweg an. Da es in der Nacht zuvor heftig geregnet hatte, war die letzte Stunde auf dem unbefestigten Weg- ohne Schotter – eine reine Schlammschlacht. Irgendwann dachte man, man ginge auf Stelzen, denn der Schlamm unter den Sohlen hatte sich Zentimeterdick aufgehäuft.

    Fröhlich, dankbar, gesund und zufrieden – haben wir doch tatsächlich unseren Traum vom Kilimanjaro geträumt -trafen wir schließlich kurz vor Mittag im Gate ein und wurden per Jeep zu unserer Lodge gebracht.

    In den nachfolgenden 2 Tagen ging es noch auf Safari zum Lake Manyara Nationalpark und zur Kratertour in den Ngorogro Krater.

    Zwar waren diese Tage auch noch alles andere als Erholsam, insbesondere die langen Autofahrten auf unbefestigten Straßen (je 10 h und 13h!) Trotzdem hat sich die Begegnung mit der einzigartigen Natur auch hier gelohnt.

  • bolero934

    Mitglied
    13. Oktober 2013 at 18:36
    msOXYD wrote:
    Und die folgenden Minuten waren einige der glücklichsten Minuten meines Lebens.

    Wir haben es geschafft- unseren Traum vom Gipfel erfüllt.

    Die 5895 m fühlen sich wirklich irre gut an!

    Rund 30 Minuten verbrachten wir am Gipfel und machten die obligatorischen Gipfelfotos. Den 01. Oktober 2013 6:20 Uhr werde ich wohl nie vergessen –><img class= –>

    [/url:2tfhmt2n]

    Servus!

    Mit der Höhe dürftest es sicher auf den Thron der restlichen Ferratistis geschafft haben wenn auch gänzlich ohne Fixseil –><img class= –>

    So ein leibeigener Harry Porter könnt ich ab und an auch gebrauchen –><img class= –>

    Glückwunsch nochmal zur persönlichen Bestmarke….seeehr schöne Tour!

  • Kraxel-Tobi

    Mitglied
    13. Oktober 2013 at 18:51

    Ein super Bericht mit tollen Fotos vom Kili!

    Wie sich Höhen über 5.000 m anfühlen, weiß ich nur zu gut von meiner Trekkingtour in Nepal zum Everest BaseCamp mit Besteigung des Kala Patthar.

    Grüße

    Kraxel-Tobi

  • harwin

    Mitglied
    13. Oktober 2013 at 20:49

    nochmals Glückwunsch. Sowohl Akklimatisationstour als auch die eigentliche Gipfeltour dürften wohl unvergessen bleiben.

  • Julian

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 09:20

    Beeindruckender Bericht, vielen Dank dafür!

    Besonders gefällt mir, dass Du von Anfang an die Porter als die eigentlichen Helden dargestellt hast! Wie war denn das Verhältnis zu den Herren? Was verdienen die in dieser Woche? Wo haben sie ihre Familien?

    Deinen Schilderungen zu Folge waren ja doch einige in der Gruppe mit beginnender akuter Bergkrankheit gesegnet – haben die Guides entsprechende Erfahrung im Umgang mit Höhenkrankheit, haben die da was erzählt?

    Wie hoch schätzt Du Deinen Ruhepuls auf 4600Hm ein? Kopfschmerzen bei jedem zu schnellen Schritt – da war ja auch bei Dir der Weg nicht weit zur Bergkrankheit. Aus der Schilderung wird schon mal klar, dass ich das nie machen werde – ich vertrage die Höhe nicht gut genug. Ich habe ähnliche Probleme öfter schon bei 3500 Höhenmetern erlebt, und da half immer nur Pause machen. Langsamer gehen hat bei mir da nicht viel Unterschied gemacht. Naja, vielleicht schaffe ich trotzdem mal einen 4000er,das würde ich schon gern probieren. Aber knapp 6000 ist bei mir vermutlich auch mit viel Trainieren nicht drin.

    Und dann: 3000Hm im Abstieg an einem einzigen Tag – ist ja zum Kotzen… Mein persönliches Maximum waren 2200, und das war schon unangenehm genug.

    Glückwunsch zur Besteigung und zum gesunden Wiederkommen!

  • harwin

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 09:34
    Julian wrote:
    … Naja, vielleicht schaffe ich trotzdem mal einen 4000er,das würde ich schon gern probieren. …

    Viele berücksichtigen in den Höhen um 4.000 nicht die vorgegebenen Schritte. Klar ist ja auch gar nicht so hoch.

    Ich hab jetzt zwei 4.000er hinter mir und hatte jedes mal eine gute Akklimatisation und so auch keine Kopfschmerzen. Nicht mehr als 500m zwischen den Schlafstätten. Auch für einen niedrigen 4.000er 2 Tage Akklimatisation, Höhe langsam gesteigert. Climb high, sleep low.

    Du schaffst das sicher.

  • msOXYD

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 09:49
    Julian wrote:
    Beeindruckender Bericht, vielen Dank dafür!

    Besonders gefällt mir, dass Du von Anfang an die Porter als die eigentlichen Helden dargestellt hast! Wie war denn das Verhältnis zu den Herren? Was verdienen die in dieser Woche? Wo haben sie ihre Familien?

    Deinen Schilderungen zu Folge waren ja doch einige in der Gruppe mit beginnender akuter Bergkrankheit gesegnet – haben die Guides entsprechende Erfahrung im Umgang mit Höhenkrankheit, haben die da was erzählt?

    Wie hoch schätzt Du Deinen Ruhepuls auf 4600Hm ein? Kopfschmerzen bei jedem zu schnellen Schritt – da war ja auch bei Dir der Weg nicht weit zur Bergkrankheit. Aus der Schilderung wird schon mal klar, dass ich das nie machen werde – ich vertrage die Höhe nicht gut genug. Ich habe ähnliche Probleme öfter schon bei 3500 Höhenmetern erlebt, und da half immer nur Pause machen. Langsamer gehen hat bei mir da nicht viel Unterschied gemacht. Naja, vielleicht schaffe ich trotzdem mal einen 4000er,das würde ich schon gern probieren. Aber knapp 6000 ist bei mir vermutlich auch mit viel Trainieren nicht drin.

    Und dann: 3000Hm im Abstieg an einem einzigen Tag – ist ja zum Kotzen… Mein persönliches Maximum waren 2200, und das war schon unangenehm genug.

    Glückwunsch zur Besteigung und zum gesunden Wiederkommen!

    Da hast Du ja viele Fragen aufgeworfen-

    1. Die Porter sind für mich die Helden – ohne wenn und aber- Ohne die könnte und würde ich nicht da hoch kommen

    Neben dem festen Gehalt, welches die Porter durch die lokale Agentur bekommen, erhalten sie wohl den größten Anteil durch das Trinkgeld der Clients.

    In der Höhe des Trinkgeldes haben wir uns an das obere Ender der Empfehlungen der “KPAP” (Kilimanjaro Porters Assistence Project)” ** you do not have permission to see this link ** gerichtet.

    Neben der besseren Bezahlung wird vor allem darauf geachtet, dass die Bedingungen zumindest einigermaßend erträglich sind. So z.B. die Max. 15 KG vom Kunden. Ebenso wird darauf geachtet, dass ausreichend Lebensmittel und schützende Zelte vorhanden sind.

    $10 pro Tag + Lohn der Agentur sind für tansanische Verhältnisse schon recht viel- Die Arbeit ist aber auch unglaublich hart. Dennoch sieht man immer wieder Porter die bis ins hohe alter laufen. Ein Porter war 68 Jahre alt!

    Die Trennung von den Familien ist für alle hart. Viele nutzen alle Möglichkeiten um zumindest täglich einen kurzen Kontakt per Handy zu pflegen.

    Das Verhältnis zwischen uns und den Portern war sehr freundschaftlich. So wurden wir ständig von den Portern nach unserem befinden gefragt, und bei erreichen der Camps und nach dem Gipfel herzlich empfangen. Überhaupt strahlten die Porter insgesamt eine sehr hohe zufriedenheit aus, von der wir “Deutschen” uns eine Scheibe abschneiden sollten.

    2. Die Guides haben eine Ausbildung zum Führer und müssen Prüfung jährlich erneut ablegen, damit erfolgt auch eine gewisse Weiterbildung. Unsere direkten Guides waren recht jung, der Hauptguide war 24, die Co- Guides 23 und 20 Jahre.

    Unser Hauptguide hat mit Höhenkrankheit Erfahrung und ständig auf uns geachtet. In der Gipfelnacht hat er uns immer wieder in die Augen geleuchtet, die Pupillen und auch die Lippen kontrolliert. Er war sehr aufmerksam.

    Er hat schon mal einen tödlichen Verlauf der Höhenkrankheit von einem Amerikaner erlebt, der am Stella-point verstorben ist.

    Laut Aussage der drei Guides und – auch des Guides-, den wir am Mt. Meru hatten, taucht die Höhenkrankheit auch immer mal wieder bei ihnen selber auf. Es ist also manchmal tagesformabhängig, ob die Höhe gut- oder Schlecht vertragen wird.

    Falls der Guide Anzeichen der Höhenkrankheit bei sich selbst entdeckt, gibt er die Truppe an seinen Co-Guide ab- oder vermittelt die Truppe an ein anderes Team am Berg weiter. Er selber steigt so schnell es geht ab. Lt. seiner Aussage reichen dann ca. 300 hm und es geht wieder viel besser. Im Unterschied zum Alpenraum kann der Guide am Kilimanjaro keine Luftbergrettung organisieren. In 99,5 % der Fällen wird ein Erkrankter per Landrettung auf einer Trage vom Berg geholt.

    3. Die Guides bekommen ein anständiges Gehalt und gehören zur Mittelschicht in Ostafrika. Als Trinkgeld bekam jeder Guide pro Tag $25 von uns.

    In der Regel bleiben Sie nach einer Tour etwa 4 Tage zu Hause (Ausrüstung reinigen, reparieren) und starten dann erneut. So kommen pro Jahr etliche Besteigungen zusammen. In den beiden Regenzeiten finden keine Besteigungen statt und dann gehen Sie anderen Beschäftigungen nach.

    4. Bedingt durch mein Training hatte ich zuletzt einen sehr niedrigen Ruhepuls von 45-48. Auf 4600 m lag er dann bei 90. Damit konnte ich nicht mehr einschlafen, allerhöchstens dösen. Am Mt. Meru habe ich an ganz steilen Passagen einen Puls von 200 gemessen, was unakzeptabel zu hoch ist.

    5. Das Allerheilmittel gegen Höhenkrankheit ist “Wasser trinken”. Dies haben wir von Anfang an immer wieder gesagt bekommen. An einigen Tagen habe ich es geschafft bis zu 8 Liter Flüssigkeit aufzunehmen. Zum einen geht durch die extreme Atmung viel Flüssigkeit verloren und zum anderen sind die Zellkerne des Menschen stabiler, je mehr Wasser eingelagert ist. Viel Trinken muss man lernen und trainieren.

    Der Aufstieg geht in der Regel zu schnell. 300-400 hm sollte es eigentlich max. sein. Auf den meisten Touren lässt sich das aber nicht umsetzen, mangelnde Campingplätze, oder knappe Finanzen führen dazu, dass die Werte überschritten werden. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Gesunde auf den Kili kommen würde, wenn er sich nur genügend Zeit lässt. Würde man die Tour in 10-12 Tagen gehen, wäre dem Körper sehr viel geholfen.

    Ich könnte mir trotz meinen Erfahrungen am Meru vorstellen, noch ein paar HM aufzulegen und vielleicht auf 6962 m –><img class= –> aufzusteigen. Aber so weit sind wir noch nicht mit der Planung.

    Für 2014 stehen dann erst nochmal Klettersteige und Wanderungen in den Alpen an.

    Rest folgt später—

  • Julian

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 14:38

    Vielen Dank für die umfassende Antwort. Sehr interessant, wirklich, was Du schreibst, vor allem über die Träger. Ich hab natürlich wegen des Berichts im DAV-Heft über die Situation am Everest gefragt, als damals die Sherpas auf die beiden Europäer losgegangen sind, weil sich alle Sieten provoziert gefühlt haben…

    Ich glaube aber, wenn Du schreibst, dass die Kollegen in Afrika andere Bedingungen vorfinden.

    Was die Akute Bergkrankheit angeht: Trinken ist natürlich wichtig. Auch die gute alte Regel “Höher steigen, als man schläft” hilft viel. Tagesform ist sowieso immer ein Aspekt. Eine ordentliche Grundfitness hilft auch, das ist bekannt.

    Ich finde interessant, dass die Guides dort oben die Führung abgeben, wenn sie selbst etwas spüren – wie ehrlich man wohl in der Situation zu sich selbst ist?

    Hat der Guide was von dem Amerikaner und den Begleitumständen erzählt?

    200er Puls…Hmmm. Das schafft meine Pumpe nicht. Meine Überleitung von Vorhöfen auf die Kammern ist zu langsam (Block!). Über 176/min hab ich noch nie bei mir gemessen, auch nicht bei maximaler Belastung…ich muss dann einfach langsamer tun oder kotzen.

    @Harwin: Ja, ich denke auch, dass ich das schaffe. Aber eben nicht zu schnell…

  • Bjarga

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 15:25

    Danke für all die Informationen! 6962m, aja, aber alleine die FLugzeit dahin ist doch so lang…

    Mich würde noch interessieren: Du redest von 7 bzw. 8 Lagen Kleidung. Was hattest du an? Wie kalt war es da (wirklich und gefühlt durch den Wind)?

  • Julian

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 17:07

    Ist auch ne ganz andere Nummer, von der Schwierigkeit her, oder? Auch auf der Normalroute? Heißt zwar immer “Autobahn”, aber es sind halt fast 7000 Hm…

    Wenn ich mich da an die Geschichte mit dem zurückgelassenen Mann vor ein paar Jahren erinnere…die hatten den doch damals sogar gefilmt, wie er orientierungslos und halb im Delirium herumläuft, oder?

  • msOXYD

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 19:38
    Bjarga wrote:
    Danke für all die Informationen! 6962m, aja, aber alleine die FLugzeit dahin ist doch so lang…

    Mich würde noch interessieren: Du redest von 7 bzw. 8 Lagen Kleidung. Was hattest du an? Wie kalt war es da (wirklich und gefühlt durch den Wind)?

    Am Oberkörper hatte ich folgendes an- (Von innen nach außen –><img class=” title=”Laughing” /> –> )

    Funktionsshirt

    Merinoshirt 1

    Merinoshirt 2

    Fleecejacke 1

    Fleecejacke 2

    Softshelljacke

    Hardshell

    und als letztes kam noch eine Stepjacke in XXL über alles drüber

    Temperatur hat keiner gemessen und das schätzen von Temperatur ist ziemlich schwer. Wind gab es stellenweise, am Gipfel war es windstill.

    Ich denke, dass zum einen Müdigkeit einen frieren lässt und in der Nacht mangels Sonnenstrahlen jedwe Strahlungswärme fehlte. Die Bewegungen waren alle sehr langsam, so dass es auch dabei einem nicht warm wurde.

    In der ersten Stunde waren die Jacken offen und dann habe ich sie nach und nach geschlossen.

    Im Deckelfach des Rucksacks hatte ich ein paar Energiegel(s). Diese waren ab 3 Uhr gefroren. Ebenso ein Schokoriegel, der so hart war, dass es mir schwer fiel davon etwas abzubeißen.

  • msOXYD

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 19:48
    Julian wrote:
    Was die Akute Bergkrankheit angeht: Trinken ist natürlich wichtig. Auch die gute alte Regel “Höher steigen, als man schläft” hilft viel. Tagesform ist sowieso immer ein Aspekt. Eine ordentliche Grundfitness hilft auch, das ist bekannt.

    Ich finde interessant, dass die Guides dort oben die Führung abgeben, wenn sie selbst etwas spüren – wie ehrlich man wohl in der Situation zu sich selbst ist?

    Hat der Guide was von dem Amerikaner und den Begleitumständen erzählt?

    Die Guides erleben sicher regelmäßig wie (kotz-)-schlecht es einem gehen kann wenn die Höhe nicht vertragen wird.

    Wenn man das genau weiß, dreht man sicher gerne um.

    Wer will schon gerne auf so etwas hier abtransportiert werden???

    [/url:2s437u54]

    Bei den Umständen bin ich mir nicht mehr ganz sicher, aber ich meine mich erinnern zu können, dass da Diamox im Spiel war. Ein Medikament mit dem man Anzeichen der Höhenkrankheit ausblenden kann.

    Bitte auf keinem Fall benutzen. Es ist ein Notfallmedikament und darf nur unter ärzlicher Kontrolle und Anweisung benutzt werden!!!

  • msOXYD

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 19:52
    Julian wrote:
    Ist auch ne ganz andere Nummer, von der Schwierigkeit her, oder? Auch auf der Normalroute? Heißt zwar immer “Autobahn”, aber es sind halt fast 7000 Hm…

    Wenn ich mich da an die Geschichte mit dem zurückgelassenen Mann vor ein paar Jahren erinnere…die hatten den doch damals sogar gefilmt, wie er orientierungslos und halb im Delirium herumläuft, oder?

    Sicher eine ganz andere Nummer.

    Aber Höhe macht süchtig. Ist auch noch so ein ganz ferner Traum.

    Für mich käme, wenn überhaupt, da nur die Normalroute zum tragen.

    Dort gibt es auch immer nur ein knappes Wetterfenster in denen die Besteigung überhaupt möglich ist.

    Kommt jemand mit?

  • msOXYD

    Mitglied
    14. Oktober 2013 at 19:52

    Vielen Dank für eure Glückwünsche!

  • Stefanie_D

    Mitglied
    23. April 2014 at 00:43

    Meine Freundin und ich wollten immer schon nach Afrika reisen. Es war seit vielen Jahren ein Traum von uns. Nun haben wir einen tollen Reiseveranstalter ** you do not have permission to see this link ** gefunden.

    Vor zwei Tagen kamen wir zurück und schwärmen immer noch von der Reise. Es war so wunderschön. Auf der einen Seite, ist es einfaches Land, mit viel Elend, was natürlich die negative Erfahrung war. Anderseits so bezaubernd, unberührte Natur, einfaches Leben, soviel Ruhe und Geduld. Ich liebe es immer noch und möchte wieder hinfahren. Obwohl die Menschen auf der Straße bettelten, schienen sie dennoch positiv. Sie waren dankbar. Zu den traumhaften Badestränden muss ich wohl nicht viel sagen. Einfach Entspannung pur.

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