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Tourengehen auf Skipisten

Hier kann konkret nach einer bestimmten Tour gefragt werden, sofern diese noch nicht in der Datenbank vorhanden ist.

Moderator: Julian

Tourengehen auf Skipisten

Beitragvon Julian » 8 Januar 2016 10:14

Immer wieder ein heikles Thema. Anlässlich des neu verlinkten Info-Artikels über Skitouren wollte ich das aber nochmal zur Diskussion stellen.

Meine persönliche Meinung dazu behalte ich zuerst mal für mich. Wer aber immer plant, auf Skipisten gehen zu wollen, muss einige Punkte unbedingt beachten!

1. Tourengehen erlaubt?
Es gibt durchaus Skigebiete, in denen man nicht ohne weiteres davon ausgehen kann, die Piste als öffentlichen Raum betrachten zu dürfen. Inzwischen sind die meisten Liftbetreiber aber dazu übergegangen, das Tourengehen zu tolerieren oder sogar eigene Anstiege anzubieten.

2. Regeln beachten! Die DAV-Verhaltensregeln wurden im Artikel schon erwähnt, hier der Link: Skitouren auf Pisten - DAV-Regeln
Es gibt in Deutschland zum Teil örtlich unterschiedliche Regeln zu beachten!

An sich sollten diese Punkte klar sein, ich stell sie aber trotzdem nochmal heraus:

- Am Pistenrand gehen!
- Hintereinander gehen!
- Pisten queren nach Möglichkeit vermeiden (mitunder bei steilen Hängen schwierig)!
- Niemals hinter Kuppen stehen bleiben!
- Immer ein Auge für den "Gegenverkehr" haben!
- Wo immer möglich, lieber neben der Piste bleiben...in der Regel auch noch lawinensicher.

3. Es gibt inzwischen viele Hinweise für Pistentouren, zum Beispiel hier: Pistentourensuche

Bitte, bitte informiert euch vor der Tour, ob abends im Skigebiet gelaufen werden darf!!! Seilwindenpräparierungen sind für den "frei laufenden" Menschen lebensgefährlich!!! Die Stahlseile der Ratraks schneiden einen Menschen einfach mitten durch, wenn sie über den Hang peitschen! Ein großer Pistenbully wiegt bis zu 13 Tonnen und fährt bis zu 25km/h schnell, an der Winde 15 bis 17 km/h. Da könnt ihr euch vorstellen, was das Seil für Bewegungen machen kann!
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Beitragvon Julian » 21 Januar 2016 9:15

In der aktuellen Ausgabe von Panorama wird das Thema auch aufgegriffen, habe ich gesehen. Der Artikel ist nicht schlecht, das Argument mit der Zerstörung der frisch präparierten Piste hatte ich bisher gar nicht bedacht!

Skitouren auf Pisten
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Beitragvon Ralf » 21 Januar 2016 11:48

Der Threas hier passt ja wunderbar!
Ich war vor ein paar Tagen auf Einladung vom Alpenverein auf einer Veranstaltung zum Thema Skitouren. Dort wurde neben der richtigen Ausrüstung auch das Thema Pistenskitouren diskutiert und dass es hier zwangsläufig immer wieder Streitpunkte (mit den alpinen Skifahrern und Liftbetreibern gibt), zumal es ja aus allen Lagern immer Schwarze Schafe gibt, die sich nicht an die Regeln halten und dann gleich ein schlechtes Bild auf die gesamte Gruppe werfen.
Wie Julian schon richtig geschrieben hat, sollte man am äußersten Rand der Piste gehen und beim Queren der Piste, wenn man eine größere Gruppe ist, entsprechende Abstände halten, damit die Skifahrer hier problemlos durchfahren können. Ebenfalls sollte man nicht an unübersichtlichen Stellen (hinter Kuppen, in Kurven) Pausen machen.

Dazu haben wir uns auch eingehend mit der Alpenvereinaktiv APP sowie der DAV Snow-Card beschäftigt und warum es so wichtig ist den Lawinenwarndienst im Vorfeld zu checken. Wichtig ist es hierbei auch die richtige Region / das passende Gebirge hierbei als Grundlage zur Bestimmung der Gefahrenlage herzunehmen.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=21MNedJTcIU[/youtube]


Auch sind wir natürlich die 10 DAV Grundregeln für SKitouren durchgegangen

1. Gesund in die Berge
Skitouren sind Ausdauersport. Die wertvollen Belastungsreize für Herz und Kreislauf setzen Gesundheit und eine gute Selbsteinschätzung voraus. Vermeide Zeitdruck und steigere Intensität und Umfang deiner Touren langsam. Achte auf Kraftreserven für die Abfahrt.
2. Sorgfältige Planung
Karten, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über Lange, Höhendifferenz,
Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. Besondere Beachtung verdient der Wetterbericht, da
starker Wind und schlechte Sicht das Unfallrisiko stark erhöhen.
3. Lawinenlagebericht studieren
Informiere dich vor Antritt der Tour eingehend über die aktuelle Gefahrenstufe (Europaische Gefahrenskala für Lawinen in 5 Stufen). Achte besonders auf die Angaben zu den Gefahrenstellen (Wo ist es heute gefährlich?) und den Gefahrenquellen (Was ist heute die Hauptgefahr?).
4. Vollständige Ausrüstung
Passe deine Ausrüstung den winterlichen Verhältnissen an und achte auf ein geringes Rucksackgewicht.Für den Lawinen-Notfall sind LVS-Gerat, Schaufel und Sonde Standard, ebenso Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Mobiltelefon. Ein Airbag-System erhöht die Überlebenschancen.
5. Regelmäßig Trinkpausen
Flüssigkeit, Energie und Pausen sind notwendig, um Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Heise, isotonische Getränke sind ideale Durstloscher und Wärmespender. Müsliriegel, Trockenobst und Kekse stillen den kleinen Hunger unterwegs.
6. Lawinenrisiko abwägen
Beim Erkennen der Lawinengefahr sind dem Menschen enge Grenzen gesetzt. Stutze deine Entscheidungen daher auf strategische Methoden der Risikoeinschätzung (Reduktionsmethoden) und lerne, Gefahrenzeichen im Gelände zu erkennen.
7. Abstände einhalten
Entlastungsabstande von 10 m beim Aufstieg in Steilhangen (≥ 30°) reduzieren die Belastung auf die Schneedecke und steigern den Komfort bei Spitzkehren. Halte bei der Abfahrt grundsätzlich Abstande von mindestens 30 m und befahre sehr steile Hange (≥ 35 °) einzeln.
8. Stürze vermeiden
Sturze bei der Abfahrt sind die häufigste Unfallursache auf Skitouren. Für die Schneedecke bedeuten sie zudem eine große Zusatzbelastung. Gute Skitechnik und eine dem Können angepasste Geschwindigkeit, reduzieren das Risiko. Ein Skihelm kann vor Kopfverletzungen schützen.
9. Kleine Gruppen
Kleine Gruppen ermöglichen gegenseitige Hilfe und verringern das Lawinen-Auslose-Risiko. In der Gruppe zusammen bleiben. Achtung Alleingänger: Bereits kleine Zwischenfalle können zu ernsten Notlagen fuhren. Daher immer vertraute Personen über Ziel, Route und Rückkehr informieren.
10. Respekt für die Natur
Zum Schutz der Natur: Keine Abfälle zurücklassen, Lärm vermeiden, Aufforstungsflachen nicht betreten, Schutz- und Sperrgebiete respektieren. Besondere Rucksicht auf Wildtiere im Winter! Zur Anreise Fahrgemeinschaften bilden oder öffentliche Verkehrsmittel verwenden.


Das hier sind zudem die Regeln für Skitouren auf Pisten:

1) Aufstiege und Abfahrten erfolgen auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung.
2) Nur am Pistenrand aufsteigen (FIS-Regel Nr. 7). Dabei hintereinander, nicht nebeneinander gehen. Auf den Skibetrieb achten.
3) Besondere Vorsicht vor Kuppen, in Engpassagen, Steilhängen und bei Vereisung der Pisten. Bei Pistenquerungen Abstände zueinander halten. Keine Querungen in unübersichtlichen Bereichen.
4) Pistensperrungen, Warnhinweise und lokale Regelungen beachten.
5) Größte Vorsicht und Rücksichtnahme bei Pistenarbeiten. Bei Einsatz von Seilwinden sind die Skipisten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es besteht Lebensgefahr. Skipisten stehen in erster Linie den Nutzern der Seilbahnen und Lifte zur Verfügung!
6) Frisch präparierte Skipisten nur in den Randbereichen befahren. Bei Dunkelheit stets mit eingeschalteter Stirnlampe gehen, reflektierende Kleidung tragen.
7) Auf alpine Gefahren, insbesondere Lawinengefahr, achten. Keine Skitouren durchführen, wenn Lawinensprengungen zu erwarten sind.
8) Skitouren nur bei genügend Schnee unternehmen. Schäden an der Pflanzen- und Bodendecke vermeiden.
9) Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Bei Dämmerung und Dunkelheit werden Tiere empfindlich gestört. Hunde nicht auf Skipisten mitnehmen.
10) Regelungen an den Parkplätzen beachten, Parkgebühren bezahlen, umweltfreundlich anreisen.

Einen Tourenbericht zur durchgeführten Skitour schreibe ich auch noch in den nächsten Tagen!

Ein weiterer Link zur Reportage und Zusammenstellung weiterer Skitouren auf Pisten auf alpenvereinaktiv.com: http://www.alpenvereinaktiv.com/de/repo ... /16363715/
Viele Grüße, Ralf

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So kanns auch gehen...

Beitragvon Julian » 22 Januar 2016 15:00

Der Herr fährt innerhalb eines Skigebietes in einen wegen Lawinengefahr gesperrten Hang ein und löst prompt eine aus. Danach postet er das Video auf Youtube. Die Skigebietsbetreiber sehen das und prompt wird er verklagt...

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=_zGG1KkfX4A[/youtube]

Hat zwar nun nicht direkt was mit Tourengehen im Skigebiet zu tun, aber irgendwie wollen die Tourengeher ja auch wieder runter...
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Re: Tourengehen auf Skipisten

Beitragvon bennjo » 20 Juni 2016 18:59

Leider halten sich nicht immer alle an diese Regeln. Am Skigebiet, das ich am öftesten besuche, wissen sich die meisten Tourengeher einfach nicht zu benehmen. Sie gehen Mitten auf der Piste, von einem Gänsemarsch haben sie noch nie was gehört und beschweren sich dann, wenn es mal vorkommt, dass ein Skifahrer recht knapp an ihnen vorbeifährt. Der Skigebiet Betreiber hat sogar schon gedroht, das Tourengehen zu verbieten.
Ist das bei euch auch so oder habe ich da nur ein wenig mehr Pech als die anderen?^^
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Re: Tourengehen auf Skipisten

Beitragvon Anja2015 » 22 Juni 2016 12:56

In den Skigebiete wo ich skifahre (Stubaier Gletscher und Obergurgl/Hochgurgl) sind viele Tourskifahrer unterwegs. Ich habe noch nie Probleme mit denen gehabt. Sie bleiben ja schön rechts oder links auf der Piste. Auf den Skirouten wird es manchmal doch eng, aber ich passe dann meine Geschwindigkeit an und dann geht es doch. Ich sage also überhaupt keine Probleme mit Tourskifahrer auf der Piste.
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Re: Tourengehen auf Skipisten

Beitragvon Julian » 1 Februar 2017 16:01

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Re: Tourengehen auf Skipisten

Beitragvon ziller » 2 Februar 2017 10:43

Bisweilen suchen sie auch das Gespräch. Auf offene Ohren stoßen sie nur selten. „Die eine Hälfte haut ab, die andere Hälfte geht einfach weiter“, sagt Fankhauser.


Tja: mach nen Dummen auf einen Fehler aufmerksam und er wird widersprechen oder ausfällig, mach nen Klugen auf nen Fehler aufmerksam und er bedankt sich bei dir... :?
Irgendwann und irgendwo triffst auf jeden Fall mal den Sensenmann.
Und in dem Moment denkst ganz gewiss nedd "Oh, ich hätte viel öfter ins Büro gehn sollen!"
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