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"Geführte" Touren

Hier kann ein allgemeiner Austausch erfolgen.

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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Daria » 15 August 2019 9:28

harwin hat geschrieben:Vielleicht solltest Du dann einfach mal gemeinsam mit Leuten auf Tour gehen, die bereits genießen können. :wink:

Ja. Ich muss mir bestimmt eine Gruppe finden, sonst werde ich noch zu einer schrulligen Eigenbrötlerin mit meinen einsamen Touren. Leider sind mein Mann und meine Kinder absolut nicht dazu zu bewegen. Laut ihrer Aussage ist ein Berg erst "besteigbar", wenn er a) eine Gondel und b) ein Wirtshaus am Gipfel hat.
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Erik » 15 August 2019 9:35

Daria hat geschrieben:
harwin hat geschrieben:Vielleicht solltest Du dann einfach mal gemeinsam mit Leuten auf Tour gehen, die bereits genießen können. :wink:

Ja. Ich muss mir bestimmt eine Gruppe finden, sonst werde ich noch zu einer schrulligen Eigenbrötlerin mit meinen einsamen Touren. Leider sind mein Mann und meine Kinder absolut nicht dazu zu bewegen. Laut ihrer Aussage ist ein Berg erst "besteigbar", wenn er a) eine Gondel und b) ein Wirtshaus am Gipfel hat.


Hört sich für mich toll an. :mrgreen:
Lg Erik
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Apicius » 15 August 2019 9:37

...oh man oh man da haste echt ein Problem Daria :mrgreen:

Da kannste trainieren wie du willst...wenn der Kopf sagt "mir wird an ausgesetzten Stellen schwindelig" dann tut der das und hustet die eins von wegen Training.
Der Kopf kann eine fiese Socke sein wenn er will, bis hin zum völligen verharren an eine Stelle, wo er sagt "du Körper keinen Schritt mehr vor oder zurück."

Ich hab Leute schon an gar nicht so dramatischen Stellen im Klettersteig hängen sehen bis die Bergwacht kommt weil die einfach komplett zu gemacht haben. Da hat der Kopf einfach wegen Übeberbeanspruchung abgeschaltet.
Du kannst einen Bizeps zwingen zu wachsen, deinen Kopf kannst du nur in aller Ruhe überzeugen.

Ich denke aber auch, das man sich mental an so was ran arbeiten kann, was du ja ofensichtlich tust, aber du kannt nur mit Geduld Stück für Stück verbessern und es hat hochwahrscheinlich absolut nichts mit deiner körperlichen Fitness zu tun sondern setzt eher Zeit und möglicherweise fachlichen Rat vorraus.
Und das ist auch dein Problem du must vom harten zwingen deines Körpers Leistung zu erbringen nun auf ich muss auf meinen Körper hören umsteigen.
Sauschwer meine meinung nach das zu begreifen und zu ändern.

Der Körper sagt Dir mitlerweile auch einige Sachen wie ein Stück Kuchen am Berg ist Klasse oder mal Ruhe halten tut auch mal gut.
Auch den Rücken spricht wohl eine recht deutlich Sprache mit Dir und entweder hörst du rechtzeitig auf Ihn (Du dehnst das ist gut) oder er setzt dem Spaß irgenwann ein Ende.
Das umzusetzen fällt übrigens dem meisten von uns deutlich schwerer als hart zu trainieren.
Ich trainiere 5 x die Woche Kapfsport, fahre viel mit dem Zweirad (Fahrrad oder E-Bike) statt mit dem Auto und so ab und an sagt der Körper "Haste mal auf dein Alter geschaut ich bin jetzt einfach nur noch müde "
Wenn ich dann sage du kannst mich, liege ich ein paar Tage später auf der Nase und mach 2 Wochen gar nix...trotzdem ist da an meiner Lernfähigkeit noch zu arbeiten :mrgreen:
Apicius ist die freundliche Art Fressag zu sagen
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Julian » 15 August 2019 10:10

Apicius, Du sprichst mir aus der Seele...ganz genauso geht es mir auch. Wenn der olle Körper schreit, sollte man zuhören, sonst geht das schief!
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Oldie » 15 August 2019 10:15

Ich setze hier mal Zitate aus dem Buch "Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten" ein, weil sie sehr viel über das Bergsteigen sagen. Der Berg sollte im Mittelpunkt stehen und nicht unsere eigene Leistung:

"Berge sollte man mit möglichst wenig Anstrengung und ohne Ehrgeiz ersteigen. Unsere eigene Natur sollte das Tempo bestimmen. Wenn man unruhig wird, geht man schneller. Wenn man zu keuchen anfängt, geht man langsamer. Man steigt auf den Berg in einem Zustand, in dem sich Rastlosigkeit und Erschöpfung die Waage halten. Dann, wenn man nicht mehr in Gedanken vorauseilt, ist jeder Schritt nicht mehr bloß Mittel zum Zweck, sondern ein einmaliges Ereignis. Dieses Blatt ist gezähnt. Dieser Felsen scheint locker. Von dieser Stelle aus ist der Schnee nicht mehr so gut zu sehen, obwohl man [216]ihm schon näher ist. Das sind Dinge, die man ohnehin wahrnehmen sollte. Nur auf irgendein zukünftiges Ziel hin zu leben, ist seicht. Die Flanken des Berges sind es, auf denen Leben gedeiht, nicht der Gipfel. Hier wächst etwas.

Das heißt, ohne den Gipfel gibt es natürlich auch keine Flanken. Der Gipfel ist es, der die Flanken festlegt. Und so steigen wir weiter … wir haben noch viel vor uns … nur keine Hast … immer schön einen Fuß vor den anderen gesetzt … und zur Unterhaltung eine kleine Chautauqua … Innere Betrachtungen anzustellen ist viel interessanter als Fernsehen, und es ist eine Schande, daß nicht mehr Menschen darauf umschalten. Sie denken wahrscheinlich, daß alles, was sie hören, unwichtig ist, aber das ist es nie."

und ein paar Seiten später (Chris ist sein Sohn):
"Chris ist immer noch vor mir, aber seine Bewegungen wirken nur noch müde und verdrossen. Er stolpert andauernd, bleibt an Ästen hängen, anstatt sie zur Seite zu biegen.

Mir tut er ja leid. Schuld daran ist zum Teil auch das YMCA-Ferienlager, in dem er die letzten zwei Wochen vor unserer Abfahrt verbracht hat. Nach allem, was er mir erzählt hat, hatten die das als eine einzige große Selbstbestätigungsorgie aufgezogen. Nach dem Motto »zeigen, was für ein Kerl man ist«. Er mußte zunächst in eine rangniedere Gruppe, der anzugehören sich eigentlich, so bedeutete man ihm, jeder schämen müsse … Erbsünde. Dann durfte er sich einer langen Reihe von Bewährungsproben unterziehen – schwimmen, Knoten knüpfen … er hat mir mindestens ein Dutzend aufgezählt, aber ich habe das meiste wieder vergessen.

Die Kinder machten natürlich mit viel mehr Begeisterung mit, wenn man ihnen Ziele setzte, die der Selbstbestätigung dienten, aber letzten Endes wirkt solche Motivation destruktiv. Jedes Streben, dessen Endzweck Selbstverherrlichung ist, muß unweigerlich zur Katastrophe führen. Jetzt müssen wir dafür bezahlen. Wenn man versucht, einen Berg zu besteigen, um zu beweisen, was für ein toller Kerl man ist, schafft man es fast nie. Und wenn, dann ist es ein Pyrrhussieg. Damit der Sieg nicht verblaßt, muß man immer wieder auf andere Arten seine Tüchtigkeit beweisen, immer und immer und immer wieder, ständig bestrebt, einem falschen Idealbild gerecht zu werden, geplagt von der Angst, daß dieses Bild nicht wahr ist und jemand dahinterkommen könnte. Das hat noch nie zu etwas Gutem geführt.

Phaidros schrieb einen Brief aus Indien, über eine Wallfahrt zum heiligen Berg Kailas, dem Sitz Schiwas hoch droben im Himalaja, wo der Ganges entspringt, in Begleitung eines Heiligen und seiner Anhänger.

Er kam nicht bis auf den Berg. Nach drei Tagen gab er auf, am Ende seiner Kräfte, und die Pilger zogen ohne ihn weiter. Er schrieb, er hätte physische Kraft genug gehabt, aber physische Kraft allein reiche nicht aus. Auch die intellektuelle Motivation sei vorhanden gewesen, [223]aber auch das sei nicht genug. Er glaube nicht, daß er anmaßend gewesen sei, aber er glaube, er habe die Pilgerfahrt unternommen, um seine Erfahrung zu bereichern, um seinen Gesichtskreis zu erweitern. Er habe versucht, den Berg und auch die Pilgerfahrt für seine eigenen Zwecke zu benutzen. Er habe sich selbst für den Mittelpunkt gehalten, nicht die Pilgerfahrt oder den Berg, und sei deshalb nicht reif gewesen dafür. Er äußerte die Vermutung, daß die anderen Pilger, diejenigen, die den Berg erreicht hatten, wahrscheinlich die Heiligkeit des Berges so intensiv spürten, daß für sie jeder Schritt ein Akt der Hingebung, ein Akt der Unterwerfung unter diese Heiligkeit war. Ihr eigener Geist sei von der Heiligkeit des Berges erfüllt worden und deshalb hätten sie viel mehr aushalten können als er, obgleich er körperlich kräftiger sei als sie.

Dem ungeübten Beobachter erscheinen vielleicht ichbezogenes Bergsteigen und ichloses Bergsteigen als ein und dasselbe. Obwohl grundverschieden, setzen beide Bergsteiger einen Fuß vor den andern. Beide atmen im selben Rhythmus ein und aus. Beide machen Rast, wenn sie müde sind. Beide gehen weiter, wenn sie sich ausgeruht haben. Aber welch ein Unterschied! Der ichbezogene Bergsteiger ist wie ein falsch eingestelltes Gerät. Er setzt seinen Fuß einen Augenblick zu früh oder zu spät auf. Er übersieht wahrscheinlich, wie schön das Sonnenlicht in den Bäumen spielt. Er geht immer noch weiter, wenn die Unsicherheit seiner Schritte schon anzeigt, daß er müde ist. Er macht zu wahllosen Zeiten Rast. Er schaut den Weg hinauf, um zu sehen, was ihn erwartet, auch wenn er es schon weiß, weil er eine Sekunde zuvor schon einmal hinaufgeschaut hat. Er geht zu schnell oder zu langsam für die herrschenden Bedingungen, und wenn er redet, spricht er unweigerlich von anderswo, von etwas anderem. Er ist hier und ist doch nicht hier. Er lehnt sich auf gegen das Hier, ist unzufrieden damit, möchte schon weiter oben sein, doch wenn er dann oben ist, ist er genauso unzufrieden, weil eben jetzt der Gipfel das »Hier« ist. Worauf er aus ist, was er haben will, umgibt ihn auf allen Seiten, aber das will er nicht, weil es ihn auf allen Seiten umgibt. Jeder Schritt ist eine Anstrengung, körperlich wie geistig-seelisch, weil er sich sein Ziel als äußerlich und weit weg vorstellt.

Das ist jetzt offenbar auch Chris' Problem."
Genuss kann man nicht in Höhenmetern messen!
mit sportlichen Grüßen
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon EfBieEi » 15 August 2019 10:23

Du musst das Tempo der anderen Bergsteiger echt ignorieren lernen.

Das ist für mich wohl auch einer der Gründe warum ich mich scheue mit einer Gruppe Bergsteigen zu gehen. Weil ich mein ganz eigenes Tempo habe was zum einen aus meiner eher dürftigen Kondition resultiert (mir fehlt vor allem der Atem) aber vor allem meiner Angewohnheit ständig Pause zu machen um mich umzuschauen, zu Filmen und den Moment zu genießen.

So kommt es häufig vor dass andere Leute mich zuerst überholen aber ich sie beim Abstieg doch wieder sehe.
Ist mir aber wurscht, wenn für eine Tour 9 Stunden angegeben sind brauche ich für diese meist auch genauso lange. Nicht dass die Gehzeit stimmen würde aber mit Pausen summiert sich das auf diese Zeit einfach weil ich mir Zeit lasse.

Aber he ich mache in den Alpen Urlaub während du die Berge vor der Nase hast :wink:
Die Wertschätzung des Erlebnisses ist für mich also eine ganz andere weil die Alpen im Vergleich zu Mittelgebirge sehr exotisch wirken :thumbup:
Zuletzt geändert von EfBieEi am 15 August 2019 10:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Daria » 15 August 2019 10:30

Apicius hat geschrieben:Da kannste trainieren wie du willst...wenn der Kopf sagt "mir wird an ausgesetzten Stellen schwindelig" dann tut der das und hustet die eins von wegen Training.
Der Kopf kann eine fiese Socke sein wenn er will, bis hin zum völligen verharren an eine Stelle, wo er sagt "du Körper keinen Schritt mehr vor oder zurück."

Ich hab Leute schon an gar nicht so dramatischen Stellen im Klettersteig hängen sehen bis die Bergwacht kommt weil die einfach komplett zu gemacht haben. Da hat der Kopf einfach wegen Übeberbeanspruchung abgeschaltet.
Du kannst einen Bizeps zwingen zu wachsen, deinen Kopf kannst du nur in aller Ruhe überzeugen.

Ich denke aber auch, das man sich mental an so was ran arbeiten kann, was du ja ofensichtlich tust, aber du kannt nur mit Geduld Stück für Stück verbessern und es hat hochwahrscheinlich absolut nichts mit deiner körperlichen Fitness zu tun sondern setzt eher Zeit und möglicherweise fachlichen Rat vorraus.
Und das ist auch dein Problem du must vom harten zwingen deines Körpers Leistung zu erbringen nun auf ich muss auf meinen Körper hören umsteigen.
Sauschwer meine meinung nach das zu begreifen und zu ändern.

Der Körper sagt Dir mitlerweile auch einige Sachen wie ein Stück Kuchen am Berg ist Klasse oder mal Ruhe halten tut auch mal gut.
Auch den Rücken spricht wohl eine recht deutlich Sprache mit Dir und entweder hörst du rechtzeitig auf Ihn (Du dehnst das ist gut) oder er setzt dem Spaß irgenwann ein Ende.
Das umzusetzen fällt übrigens dem meisten von uns deutlich schwerer als hart zu trainieren.
Ich trainiere 5 x die Woche Kapfsport, fahre viel mit dem Zweirad (Fahrrad oder E-Bike) statt mit dem Auto und so ab und an sagt der Körper "Haste mal auf dein Alter geschaut ich bin jetzt einfach nur noch müde "
Wenn ich dann sage du kannst mich, liege ich ein paar Tage später auf der Nase und mach 2 Wochen gar nix...trotzdem ist da an meiner Lernfähigkeit noch zu arbeiten :mrgreen:

Soweit, dass ich in die Angststarre falle, gehe ich nicht. Wenn ich spüre, dass es mir zu viel wird, bleibe ich stehen und gehe ein Stück zurück. - Dann gehe ich diese "kritische Stelle" noch mal an und versuche ein paar Meter weiter zu kommen. Da hab ich Geduld ohne Ende, ich kann auch zehnmal die gleichen paar Meter durchgehen, bis sie richtig "sitzen". :)

Auf den Körper zu hören ist tatsächlich schwer. Vor allem, weil in meinem alten Sport das Wettkampfkalender eine starre Abfolge von Leistungs-Peaks und Regenerationsphasen vorgab, die man nicht verschieben konnte. Aber im gewissen Ausmaß habe ich schon gelernt, die Notbremse zu ziehen, bevor ich ins wirkliche - klinisch relevante - Übertraining rutsche.

Der doofe Rücken ist mein alter "Freund" :( Man hat mir als Kind knapp VOR der Pubertät schon Testosteron und Östrogenblocker gegeben um den "weiblichen" Körperbau nicht entstehen zu lassen. Dadurch wurden die Wachstumsfugen vorzeitig geschlossen und die Wirbelsäule ist richtig "zusammengestaucht". In Verbindung mit ständiger "Vertikalbelastung" beim Stoßen und Reißen ist es gar nicht gut. Aber die gute Muskulatur kompensiert den Schaden teilweise. Ich habe viel weniger Beschwerden, als mein MRT-Befund "verspricht". :)

Was meinst Du mit dem "fachlichen Rat"? Gibt es Sportärzte, die sich extra mit der Höhenangst beschäftigen? Die normalen Psychologen behandelt - denke ich - erst die klinische Phobie, also Leute, die nicht am Fenster stehen können. Wenn ich komme und sage, dass ich mich nicht auf die Watschmann Überschreitung traue, werden sie mich zum Teufel schicken, oder?
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Oldie » 15 August 2019 10:49

Ich denke, dass mit fachlicher Rat einfach der Austausch mit erfahrenen Bergsteigern/Bergführern gemeint ist. Schließ dich doch einer Alpenvereinssektion an und hör mal zu, was die so erzählen.
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Daria » 15 August 2019 10:51

Oldie hat geschrieben:Phaidros schrieb einen Brief aus Indien, über eine Wallfahrt zum heiligen Berg Kailas, dem Sitz Schiwas hoch droben im Himalaja, wo der Ganges entspringt, in Begleitung eines Heiligen und seiner Anhänger.

Er kam nicht bis auf den Berg. Nach drei Tagen gab er auf, am Ende seiner Kräfte, und die Pilger zogen ohne ihn weiter. Er schrieb, er hätte physische Kraft genug gehabt, aber physische Kraft allein reiche nicht aus. Auch die intellektuelle Motivation sei vorhanden gewesen, [223]aber auch das sei nicht genug. Er glaube nicht, daß er anmaßend gewesen sei, aber er glaube, er habe die Pilgerfahrt unternommen, um seine Erfahrung zu bereichern, um seinen Gesichtskreis zu erweitern. Er habe versucht, den Berg und auch die Pilgerfahrt für seine eigenen Zwecke zu benutzen. Er habe sich selbst für den Mittelpunkt gehalten, nicht die Pilgerfahrt oder den Berg, und sei deshalb nicht reif gewesen dafür. Er äußerte die Vermutung, daß die anderen Pilger, diejenigen, die den Berg erreicht hatten, wahrscheinlich die Heiligkeit des Berges so intensiv spürten, daß für sie jeder Schritt ein Akt der Hingebung, ein Akt der Unterwerfung unter diese Heiligkeit war. Ihr eigener Geist sei von der Heiligkeit des Berges erfüllt worden und deshalb hätten sie viel mehr aushalten können als er, obgleich er körperlich kräftiger sei als sie.

Was für wunderschöne Worte! Ich muss mir das Buch besorgen!

Als ich noch ein Kind und im Internat war, hat man uns zwecks "Konditionierung" die Legende vom Mucius Scaevola erzählt. Sein Bild (das Gemälde vom Rubens) landete unter meinem Kissen, wo normale Mädchen das Foto ihrer Familie oder ihrer ersten Liebe aufbewahren. :) Ich hab dann auch einen entsprechenden Versuch unternommen :roll: (zu meiner Entschuldigung: ich war erst 11 Jahre alt) und war entsetzt, dass ich es offensichtlich nicht "wie er" kann. Mein Trainer meinte dann: "er hat es für die Stadt Rom gemacht, die er liebte. Du hast noch gar kein Rom, daran liegt es." Das eigene Ich ist keine gute Motivation.
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Daria » 15 August 2019 11:00

EfBieEi hat geschrieben:Du musst das Tempo der anderen Bergsteiger echt ignorieren lernen.

Das ist für mich wohl auch einer der Gründe warum ich mich scheue mit einer Gruppe Bergsteigen zu gehen. Weil ich mein ganz eigenes Tempo habe was zum einen aus meiner eher dürftigen Kondition resultiert (mir fehlt vor allem der Atem) aber vor allem meiner Angewohnheit ständig Pause zu machen um mich umzuschauen, zu Filmen und den Moment zu genießen.

So kommt es häufig vor dass andere Leute mich zuerst überholen aber ich sie beim Abstieg doch wieder sehe.
Ist mir aber wurscht, wenn für eine Tour 9 Stunden angegeben sind brauche ich für diese meist auch genauso lange. Nicht dass die Gehzeit stimmen würde aber mit Pausen summiert sich das auf diese Zeit einfach weil ich mir Zeit lasse.

Aber he ich mache in den Alpen Urlaub während du die Berge vor der Nase hast :wink:
Die Wertschätzung des Erlebnisses ist für mich also eine ganz andere weil die Alpen im Vergleich zu Mittelgebirge sehr exotisch wirken :thumbup:

Ja, ich hab bis zum "Hausberg" 40Min. mit dem Radl und nach 2St. Radeln bin ich in der Ramsau... Ich staune jetzt jeden Tag, wie ich 20 Jahre lang an all dem vorbeiging und vorbeifuhr ohne überhaupt eine Notiz von den Bergen zu nehmen! Unglaublich schade...

Einerseits scheue ich die Gruppen auch - auch des Tempos wegen, anderseits würde ich mich sicherer fühlen. Außerdem fürchte ich mich ein wenig vom Realitätsverlust, wenn man ständig nur allein unterwegs ist. Wie hast Du es denn ganz am Anfang gemacht? - Auch gleich überall allein hingegangen?
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon EfBieEi » 15 August 2019 11:16

Daria hat geschrieben:
EfBieEi hat geschrieben:

Einerseits scheue ich die Gruppen auch - auch des Tempos wegen, anderseits würde ich mich sicherer fühlen. Außerdem fürchte ich mich ein wenig vom Realitätsverlust, wenn man ständig nur allein unterwegs ist. Wie hast Du es denn ganz am Anfang gemacht? - Auch gleich überall allein hingegangen?



Das einzige was ich vorher gemacht habe ist die 3-4 C/D Klettersteige in meiner Umgebung abzuklappern. Das sind ganz kurze in Steinbrüche aufgebaute.
Ich hatte zwar nie besonders viel Höhenangst aber ein bisschen gewöhnen musste ich mich ja doch daran.
Und dann letztes Jahr direkt den Fingersteig am Tegelberg gemacht (D/E) wobei ich diesen mit zwei anderen gemacht habe die ich dort getroffen habe, alleine hätte ich mich den zu dem Zeitpunkt wohl noch nicht getraut.

Alleine Bergsteigen ist für mich gar kein Problem, bisschen einsam ist immer die Zeit nach der Wanderung, wenn man alleine Essen gehen muss ist das echt ein wenig öde.
Es hat beides Vor und Nachteile, mit dem richtigen Partner bzw der richten Gruppe würden die Vorteile aber bestimmt überwiegen ^^
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Daria » 15 August 2019 15:53

Jetzt habe ich mit der Tour-Führerin von der Torsäule telefoniert. Sie fragte, was ich schon gemacht habe und ich hab ihr erzählt, wo ich schon war. - Auf das hin hat sie mich nicht mitgenommen: meinte, es sei "eine gefährliche Tour, man muss klettern können usw." :cry: Blöd gelaufen. Ich verstehe sie schon, sie will kein G`scher mit einem Anfänger.
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon harwin » 16 August 2019 6:07

Daria hat geschrieben:Jetzt habe ich mit der Tour-Führerin von der Torsäule telefoniert. Sie fragte, was ich schon gemacht habe und ich hab ihr erzählt, wo ich schon war. - Auf das hin hat sie mich nicht mitgenommen: meinte, es sei "eine gefährliche Tour, man muss klettern können usw." :cry: Blöd gelaufen. Ich verstehe sie schon, sie will kein G`scher mit einem Anfänger.

vermutlich eine reine Führungstour und keine Ausbildung. Bei uns in der Sektion ist das meist ähnlich. Wir bieten eine alpine Grundausbildung an, darauf aufbauend dann weiterführende Kurse Richtung Hochtouren, alpines Klettern, etc. In den Führungstouren ist in der Regel dann nur wenig Ausbildung dabei.
Gruß
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Julian » 16 August 2019 8:15

Jetzt mach Dir keinen Kopf, Daria - die Torsäule steht da schon ziemlich lang, und da steht sie auch in 30 Jahren noch, würde ich annehmen.
Nimm Dir "einfach" unsere Ratschläge zu Herzen, mach kleine Schritte, einen vor den anderen, und schau nicht ans Ende der Straße. Machs wie Beppo der Straßenkehrer aus Michael Endes Momo, auch ein ähnlich großer Philosoph wie der Mann mit dem Motorrad:

Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis. Das ist so:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

(Michael Ende)

Übrigens auch ein extrem wertvoller Tipp für Tennis...immer nur an den nächsten Schlag denken, NIE darüber hinaus! Voll im hier und jetzt sein, durch nichts ablenken lassen!
Zuletzt geändert von Julian am 16 August 2019 9:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Geführte" Touren

Beitragvon Erik » 16 August 2019 8:48

Nicht nur das die Texte hier ungeahnte Längen annehmen, jetzt wird das mit den ganzen Zitaten auch noch philosophisch.
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