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Was tun gegen die Höhenangst?

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Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Daria » 8 Juli 2019 20:31

Ich bin totale Anfängerin beim Bergsteigen, - spätberufene Quereinsteigerin nach vielen Jahren Kraftsport. Bin erst ein paar ganz einfache Steige gegangen (Doppler Steig & Thomas Eder Steig am Untersberg und den Aufstieg vom Watzmannhaus zum Hocheck). Da habe ich gemerkt, dass ich Höhenangst habe :oops: . Sie ist nicht so ausgeprägt, dass ich sie vorher im Alltag wahrgenommen hätte, aber bei den ausgesetzten Stellen, wird mir einfach übel vor Angst. Beim Absteigen vom Hocheck hab ich geschwitzt und gefroren gleichzeitig, weil ich diese dämliche Angst hatte. :(

Gibt es da irgendwelche Psycho-Tricks oder Übungen dagegen oder kann man sie einfach abtrainieren, indem man sie irnoriert und trotzdem weitermacht?
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Erik » 9 Juli 2019 6:49

Einfach abtrainieren. Höhenangst ist keine Angst an sich, nur ein Gefühl. Trittsicherheit und häufiges Begehen ausgesetzter Wege, sowie die langsame Steigerung wirken da wunder.
Sag dir einfach an solchen Stellen immer wieder: "Das hab ich schon einmal gemacht. Das ist nicht schwer. Ich kann das." (so oder ähnlich) ;)

Ich hatte das Problem auch an höheren Sprüngen bzw an langen Abseilern. Und manchmal überkommt mich immer noch die Nervosität an hohen, überhängenden Abseilpisten. Aber einmal drin passt es dann.

Viel Erfolg
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Julian » 9 Juli 2019 7:31

Ich würde Erik insofern Recht geben wollen, dass Du gute Chancen hast, Dich an die Ausgesetztheit in der Höhe zu gewöhnen.
Du musst ja nicht am Kjerag aufrecht bis an die Kante gehen, die Augen zu machen und den Kopf in den Nacken legen können (kann ich auch nicht - wird mir sofort schwindelig).
Wenn Du feststellen solltest, dass derartige Stellen nicht leichter werden, sondern Dir schon beim Gedanken daran die Panik kommt, würde ich solche Touren einfach meiden. Du musst ja nicht unbedingt schwierige Grate gehen, wenn es Dir nur Angst und Panik bringt.

Man kann sich auch langsam ran tasten und erstmal nicht ganz so exponierte Stellen gehen. Und: An einfachen Steigen vielleicht auch schon mal mit Material ins Seil setzen und das Vertrauen gewinnen, dass der Gurt hält. Ggf. kann Dich dann auch ein Partner an schwierigen Stellen sichern - und wenn es "nur" für die Psyche ist.
Zuletzt geändert von Julian am 9 Juli 2019 10:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Daria » 9 Juli 2019 8:25

Danke! Dann beiße ich mich einfach weiter durch und hinauf. :)

Soll man bewußt in die Tiefe hineinschauen oder eher vermeiden und nur vor die Füße hinsehen? Ich muss gestehen, dass ich am Hocheck nichts gesehen habe außer den Steinen direkt vor meiner Nase.
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Daria » 9 Juli 2019 8:29

Julian hat geschrieben:Und: An einfachen Steigen vielleicht auch schon mal mit Material ins Seil setzen und das Vertrauen gewinnen, dass der Gurt hält. Ggf. kann Dich dann auch ein Partner an schwierigen Stellen sichern - und wenn es "nur" für die Psyche ist.

Da muss ich mich erst damit vertraut machen. D.h. ich muss noch einen Kurs machen. Bis jetzt bin ich nur da gegangen, wo man ohne Seil durchkommt.
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Stroty » 9 Juli 2019 10:40

Langsam ran testen und checken, wie man sich fühlt. so habe ich es auch gemacht. 2006 hatte ich noch dermaßen höhenangst, dass ich mir schon bei etwas steileren wegen in die hose gemacht habe. wenn man dann aber merkt, dass durch übung trittsicherheit und kontrolle besser werden, beeinflusst das auch die psyche. so bin ich jetzt bei klettersteigen angelangt, die ich damals nie gemacht hätte. nicht extrem schwer, aber an vielen stellen schon stark ausgesetzt und mit viel luft unter den sohlen. und das finde ich mittlerweile prickelnd, so denn der stand auch einigermaßen sicher ist und ich mich dementsprechend safe fühle.
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon EfBieEi » 9 Juli 2019 10:45

Erik hat geschrieben:Einfach abtrainieren. Höhenangst ist keine Angst an sich, nur ein Gefühl. Trittsicherheit und häufiges Begehen ausgesetzter Wege, sowie die langsame Steigerung wirken da wunder.
Sag dir einfach an solchen Stellen immer wieder: "Das hab ich schon einmal gemacht. Das ist nicht schwer. Ich kann das." (so oder ähnlich) ;)

Ich hatte das Problem auch an höheren Sprüngen bzw an langen Abseilern. Und manchmal überkommt mich immer noch die Nervosität an hohen, überhängenden Abseilpisten. Aber einmal drin passt es dann.

Viel Erfolg


Da will ich doch einhaken. Klar ist Angst ein Gefühl aber für Höhenangst gibt es diverse Gründe. Manche haben ganz rational die Angst zu fallen während anderen alleine der Blick nach unten reicht dass es ihnen schwindelig wird und sie Schweißausbrüche bekommen.

Während es dem einen leicht fällt sie zu überwinden bekommen andere ein Blockade und sie müssen Ewigkeiten für Fortschritte an sich arbeiten.
Ich kenne auch jemanden der bekommt bei einer Hängebrücke die Krise und ist trotzdem Sportkletterer, Bergsteiger und schreckt vor keiner Wahnsinnstat zurück.

Aber sonst stimmt schon die Konfrontationstherapie ist die beste und vielleicht auch einzige Lösung die Höhenangst loszubekommen.

obligatorische Binsenweisheit: Nur wer Angst hat kann auch mutig sein 8)
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Julian » 9 Juli 2019 10:53

Natürlich ist für die Psyche auch eine gute Physis nötig (die Du ja anscheinend hast). Denn wenn die Kondi nachlässt, geht auch die Psyche flöten.
Soll heißen: Versuch, Dich nicht schon vor den Schlüsselstellen auszupowern. Für die brauchst Du einen klaren Kopf - und wenn da dann schon jede Bewegung schwer fällt, macht es das nicht leichter.

Persönlich würde ich anfangs vermeiden, permanente Tiefblicke zu suchen. Immer mal wieder ein bisschen - vor allem in "sicheren" Situationen wie Gipfelrast, oder an Geländern etc., wo wirklich keine Gefahr besteht. In diesen Situationen, mit ruhigem Puls und klarem Kopf, kannst Du Dich dann an den Anblick "gewöhnen", ohne gleichzeitig die Panik zu haben, abstürzen zu können.
Wenn Du dann merkst, dass Dein Puls sich beim Blick in die Tiefe nicht mehr oder nur noch kaum erhöht, dann kannst Du auch anfangen, während des Steigens (vor allem erstmal im Abstieg) nach unten zu sehen. Denn wenn Du schon am Pumpen bist wegen der höheren Anstrengung bergauf, brauchste nicht noch eine zusätzliche Pulserhöhung. Bergab ist zumindest für mich immer die Zeit, um alles um mich rum anzuschauen - schon weil der Blick meistens nicht richtung Berg gerichtet ist. Natürlich stehenbleiben zum Schauen!!!
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Daria » 9 Juli 2019 11:25

EfBieEi hat geschrieben:Manche haben ganz rational die Angst zu fallen während anderen alleine der Blick nach unten reicht dass es ihnen schwindelig wird und sie Schweißausbrüche bekommen.

Während es dem einen leicht fällt sie zu überwinden bekommen andere ein Blockade und sie müssen Ewigkeiten für Fortschritte an sich arbeiten.
Ich kenne auch jemanden der bekommt bei einer Hängebrücke die Krise und ist trotzdem Sportkletterer, Bergsteiger und schreckt vor keiner Wahnsinnstat zurück.

Aber sonst stimmt schon die Konfrontationstherapie ist die beste und vielleicht auch einzige Lösung die Höhenangst loszubekommen.

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Ich denke, dass ich eher auf der "vegetativen" nicht rationalen Angstseite bin. Es ist ein Gefühl ähnlich wie Hungerast/Unterzucker: kalt, übel, leicht schwindlig. Derweil konnte ich mich immer zusammenreißen und bin bei meinen Vorhaben noch nicht umgedreht, aber es waren auch nur sehr bescheidene Vorhaben. :) Ich werde mir jetzt die nächste Herausforderung suchen, - quasi eine Spur "härter" als Hocheck...
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon Daria » 9 Juli 2019 11:36

Julian hat geschrieben:Natürlich ist für die Psyche auch eine gute Physis nötig (die Du ja anscheinend hast). Denn wenn die Kondi nachlässt, geht auch die Psyche flöten.
Soll heißen: Versuch, Dich nicht schon vor den Schlüsselstellen auszupowern. Für die brauchst Du einen klaren Kopf - und wenn da dann schon jede Bewegung schwer fällt, macht es das nicht leichter.

Persönlich würde ich anfangs vermeiden, permanente Tiefblicke zu suchen. Immer mal wieder ein bisschen - vor allem in "sicheren" Situationen wie Gipfelrast, oder an Geländern etc., wo wirklich keine Gefahr besteht. In diesen Situationen, mit ruhigem Puls und klarem Kopf, kannst Du Dich dann an den Anblick "gewöhnen", ohne gleichzeitig die Panik zu haben, abstürzen zu können.
Wenn Du dann merkst, dass Dein Puls sich beim Blick in die Tiefe nicht mehr oder nur noch kaum erhöht, dann kannst Du auch anfangen, während des Steigens (vor allem erstmal im Abstieg) nach unten zu sehen. Denn wenn Du schon am Pumpen bist wegen der höheren Anstrengung bergauf, brauchste nicht noch eine zusätzliche Pulserhöhung. Bergab ist zumindest für mich immer die Zeit, um alles um mich rum anzuschauen - schon weil der Blick meistens nicht richtung Berg gerichtet ist. Natürlich stehenbleiben zum Schauen!!!

Ich komme zwar aus dem Kraftsport, aber aus der "alten Schule", wo in der Off-Saison viel Wert auf allgemeine Fitness und Grundlagenausdauer gelegt wurde. Bei meiner letzten Tour bin ich mit dem Radl von Salzburg zur Wimmbachbrücke, von dort hinauf zum Watzmannhaus und weiter zum Hocheck und dann den ganzen Weg zurück mit nur einer größeren Pause (nach dem Abstieg vom Hocheck zum Watzmannhaus) durch, sonst nur so lange stehen geblieben wie man braucht um zu trinken und einen Müsliriegel zu verdrücken. :) . Hat mir konditionell nichts ausgemacht. Es ist wirklich nur der Kopf, der zu spinnen beginnt. Besonders beim Absteigen, - den Aufstieg habe ich als viel einfacher empfunden. Ich denke, ich war beim Aufsteigen höchstens mal auf 130 mit der Pulsfrequenz, beim Absteigen auf dieser kleinen Passage mit Seil - irgendwo um die 180, - also da, wo man den eigenen Herzschlag bis zum Hals spürt.
Danke für den Tipp mit dem Angewöhnen von "Tiefenblicken" aus sicheren Stellen! Das baue ich mir für die nächsten Touren fix ein.
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Re: Was tun gegen die Höhenangst?

Beitragvon harwin » 9 Juli 2019 13:24

Auch ich schließe mich meinen Vorrednern an. Das ist alles Übung bzw. Erfahrung/Routine. Ich merke das bei mir selbst. Am Anfang der Saison bin ich um einiges zurückhaltender was ausgesetzte Stellen bspw. auf Graten angeht. Aber nach einigen Touren-Tagen ist die Gewissheit da, alles halb so schlimm und man hat sich daran gewöhnt.
In der steilen Wand stört mich das komischerweise überhaupt nicht. Da können auch mehrere Hundert Meter Luft unterm Ar... sein. Ist wie gesagt nur auf schmalen Graten.
Gruß
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