Glocknerwandüberschreitung 3.721m und Großglockner 3.798m

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Glocknerwandüberschreitung 3.721m und Großglockner 3.798m

Beitragvon Bergnarrischer » 7 Oktober 2018 11:24

Glocknerwandüberschreitung - ein 21,5 Stunden langer zermürbender Gewaltsakt

(Tourenbericht von Franz und Florian)

Hoffmannspitze 3.711 m, Pöschlturm 3.721 m, Gerinturm 3.718 m, Draschturm 3.716 m, Weitzenböckturm 3.710 m, Peterkaturm 3.715 m, Hörtnaglturm 3.719 m, Teufelshorn 3.677 m, Glocknerhorn 3.680 m, Großglockner 3.798 m, Kleinglockner 3.770 m, Kletterschwierigkeiten im UIAA Grad IV. Klingt sehr verlockend für den versierten Alpinisten.

Die nach Angaben ca. 12stündige Tour kann aber sehr schnell in einen mentalen Kampf ausarten, wenn Kleinigkeiten nicht passen. Dass der Gletscher zerklüftet ist, wussten wir und verloren dort nicht viel Zeit, fanden einen guten Weg. Trotz ordentlichem Seilaufschießen verhedderte sich unser Seil ab dem Draschturm sehr oft und mussten es schließlich nach dem Abseilen vom Teufelshorn abschneiden, hatten nur noch etwas mehr als 40 von ursprünglich 60 Meter zur Verfügung. Durch die Komplikationen verloren wir hier so viel Zeit, dass wir vom Draschturm bis zum Gipfel mehr als 8 Stunden benötigten und diesen erst um 20.15h in der Dunkelheit erreichten. Eine Flucht durch die Grögerrinne war nicht möglich, weil diese ausgeapert und steinschlaggefährdet war. Unsere Freunde hielten wir online am Laufenden, damit sie sich keine Sorgen um uns machten. Weil wir unverletzt, körperlich und mental stark waren, den Weg über den Nordwestgrat kannten, war das Absetzen eines Notrufs auch nie ein Thema. Immerhin kannten wir den Normalweg als Abstiegsweg aus über 20 Großglocknerbesteigungen bereits ganz genau. Viele Nachrichten unserer Freunde trafen ein, die erleichtert waren, dass es uns gut ging und uns ermunterten, durchzuhalten.

Wie so oft kamen auch Nachrichten von Personen, die wir selber und die damit auch uns nicht kennen mit anderen Aussagen wie "Deppen, und sowas auch noch posten. Wegen Leuten wie euch müssen sich Andere wieder in Gefahr begeben." Diesen Leuten sei gesagt: Wegen Leuten wie uns mussten sich gestern/vorgestern Andere NICHT in Gefahr begeben. Wir haben ganz genau gewusst was wir machen, wo wir sind und was noch auf uns zukommt. Wir haben die (wortwörtlichen) Steine, die uns der Glockner in den Weg gestellt hat, hingenommen, beiseite geräumt, unser Packerl mit Fassung getragen und freuen uns, Dank unserer guten Vorbereitung und vollständigen Ausrüstung die Tour wie geplant sicher und wohlbehalten im Tal beendet zu haben - auch wenn der Plan bei 12-14 und nicht bei 21.5 Stunden lag...

Fazit zur Tour:
Jedermann/-frau, der sich auf diese Tour einlässt, sollte seine körperlichen und mentalen Fähigkeiten genau einschätzen können. Zwar gehen die Kletterschwierigkeiten nie über IV. UIAA Grad hinaus, die Tour ist aber konditionell sehr fordernd, es könnte (wie bei uns) keine Fluchtmöglichkeit geben und Kleinigkeiten können die Tour enorm in die Länge ziehen, obwohl man keinen Fehler gemacht hat...


Die Verhältnisse waren vorm Schneefall vom 30.9. auf den 1.10.2018

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