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Freispruch

Hier kann ein allgemeiner Austausch erfolgen.

Moderator: Erik

Freispruch

Beitragvon Steeler » 1 Dezember 2009 15:03

Soeben in den Nachrichten

Der Veranstalter des Zugspitzlaufes 2008 wurde vom Gericht in Garmisch-Partenkirchen freigesprochen.
Er könne, lt. Richter, nicht für den Tod der beiden Läufer verantwortlich gemacht werden.
Ich meine, das ist eine richtige Entscheidung.
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Re: Freispruch

Beitragvon Zolim » 1 Dezember 2009 17:11

Hallo,

der Meinung bin ich auch. Wenn ich mit falscher Ausrüstung in die Berge gehe und dadurch einen Unfall habe, kann ich auch nicht den Verantwortlichen (z.B. Klettersteiganlage, etc.) die Schuld geben. Es ist jeder für sein Tun und Verhalten selbst verantwortlich.


Gruss
Peter
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Re: Freispruch

Beitragvon Egbert » 1 Dezember 2009 17:24

Hallo,

sehe ich schon etwas differenzierter. Na klar, bin ich für mich selbst verantwortlich und sollte mich auch dementsprechend informieren, wenn ich sowas plane. Auf der anderen Seite hat der Veranstalter meineserachtens eine ähnliche Verantwortung wie ein Bergführer für seine Gruppe. Und von dem erwarte ich auch, dass er die Fähigkeiten und Ausrüstung seiner Schützlinge richtig einschätzt und nicht nur auf seinen Geldbeutel schaut.
Darüberhinaus würde ich die Frage aufwerfen, ob nicht jeder verantwortungsvolle Anwesende dort hätte versuchen müssen, diesen Wahnsinn zu stoppen.

Gruß, Egbert
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Beitragvon wolf » 1 Dezember 2009 21:52

wenn wir so argumentieren koennen wir jegliche sportlichen (gross)veranstaltungen mit einem klein wenig ueberdurchschnittlichem anspruch ad acta legen. :?
klar, in alpinem gebiet gilt noch mehr das gesetz der fuersorge fuer den sportler...jedoch ist am ende m.e. jeder selbst fuer sich verantwortlich.
jeder zweite von den typen hat wahrscheinlich ein blackberry oder aehnliches mit web'n'walk ability im rucksack.....und dann......oooops.....so ein bloedes wetter ploetzlich in 2000m hoehe...warum hab ich nur ge-sms't anstatt die technik richtig einzusetzen? mensch....haett ich mich bloss gescheit angezogen. :?
na so ein shiet! das hat mir ja gar keiner gesagt, dass es kalt, nass und gefaherlich werden kann! :evil:

ja sind wir denn in usa wo dir jeder scheiss vorgekaut, wie einem kleinkind serviert wird und du jeden hernach verklagen kannst? :evil:

sorry, bei allem respekt fuer die zu schaden gekommenen.....ICH kann auch keinen verklagen wenn ich am berg wegen wettersturz in not komme. schliesslich war es meine entscheidung da, bei der wettervorhersage, hinzugehen. :?

@egbert: hast du schonmal einen bergkameraden z.b. auf einer huette von einer 'dummen tour' am kommenden tag wegen z.b. schlechtem wetter abhalten wollen?
hohn, spott, ignoranz....das ist was du erntest! :evil:
Zuletzt geändert von wolf am 2 Dezember 2009 15:27, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße,
Wolf

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Beitragvon Steeler » 1 Dezember 2009 22:12

Aber anders als ein Bergführer, der eine kleine überschaubare Gruppe zu betreuen hat, hat dieser Veranstalter einige Hundert Teilnehmer die er unmöglich alle auf richtige Ausrüstung überprüfen kann, geschweige denn an der Teilnahme zu hindern. Zudem hat er lt. Medienberichten am Start darauf hingewiesen daß dort oben Schnee liegt und Minustemperaturen herrschen.
Ich meine man macht es sich zu einfach den Veranstalter als Sündenbock abzustempeln. Die Wetterlage bzw. die Vorhersage war eindeutig. Auch ich hatte an diesem besagten WE eine geführte Tour durch das Höllental auf die Zugspitze geplant und bin dann nicht angereist weil das Wetter einfach zu schlecht und Schnee bis unter 200m gefallen war und das Schnee fallen wird war schon 3 Tage vorher klar, also sind wir wieder bei der Eigenverantwortung der Teilnehmer sich richtig ausgerüstet auf diese Tour zu begeben. Es war ja nicht verboten und unmöglich bei dieser Witterung auf die Zugspitze zu laufen,(so viel Schnee ist nicht gefallen) aber wer bei Temperaturen die zum Startzeitpunkt im Tal bei Regen unter 10 Grad lagen und der dann trotzdem im kurzen Höschen und im T-Shirt losrennt dem ist meines Erachtens nicht zu helfen und das ist an Naivität nicht mehr zu toppen.
Sich anschliessend hinzustellen und zu sagen er hätte gar nicht starten lassen dürfen, ist einfacher gesagt als getan, das hätte mit Sicherheit einen Aufschrei der Entrüstung und Verärgerung zur Folge gehabt. Ähnliches hat der Veranstalter bei einem anderen Lauf schon erlebt.
Leute die auf diese Art auf einen Berg rennen, sind Extremsportler und haben meine Erachtens auch in gewisser Weise einen gewaltigen Sprung in der Schüssel(dort schliesse ich auch die Leute ein die Marathon oder Triathlon in 3-facher oder noch mehrfacher Weise laufen mit ein) und solche Leuten mache mal verständlich dass sie nicht an einem Lauf teilnehmen sollen weil das Wetter nicht mitspielt. Wenn du dann ob deiner Bedenken nur ausgelacht wirst, bist du noch glimpflich davon gekommen.
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Beitragvon Evil » 2 Dezember 2009 15:20

Hm, schwierig...

Einerseits kann es nicht sein, daß man als Teilnehmer Hirn und Verantwortung beim Start abgibt und nach Mama schreit, sobald es etwas harsch wird. Abgesehen davon bedeutet ein vorzeitiger Abbruch ja auch nicht zu unterschätzende finanzielle Einbussen, spätestens beim nächsten Lauf.
Auf der anderen Seite tät ich mich als Veranstalter schwer, kein schlechtes Gewissen wegen der Toten zu haben. Ich mein, ICH könnte jedenfalls nicht gelassen so ein paar Deppen in ihr Verderben rennen sehen.

Das ist aber kein Grund, ihn zu verknacken, insofern ist das Urteil meiner Ansicht nach schon korrekt.

Gruss, Evil
Weil er da ist!

George Mallory auf die Frage, warum er den Everest besteigen will
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Beitragvon wolf » 2 Dezember 2009 15:27

.....und selbst an einem hartgesottenen veranstalter gehen solche vorkommnisse nicht spurlos vorueber.
was man in der oeffentlichkeit ueber den fall sieht und hoert ist meist kontraer zu dem was dieser mensch daheim im stillen kaemmerchen eventuell mit sich selbst ausfechten muss.
Viele Grüße,
Wolf

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Beitragvon Steeler » 2 Dezember 2009 16:12

Ich glaube, selbst wenn der Veranstalter abgebrochen hätte, wären ein paar unverbesserliche trotzdem, nach dem Motto
"Jetzt erst recht" losgerannt.
Gegen Dummheit und Sturheit ist noch kein Kraut gewachsen.
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Beitragvon Heidi » 2 Dezember 2009 16:49

Ich weiß aus Erzählungen von mir bekannten Teilnehmern des Katastrophenlaufes, dass am Start pausenlos per Lautsprecher die dringende Aufforderung an die Starter durchgegeben wurde, angemessene Kleidung anzuziehen (handschuhe Mütze, Regenjacke), aufgrund der eisigen TEmperaturen im oberen Bereich. Trotzdem haben dies einige Läufer ignoriert und vermutlich wäre es mit 1 - 2 Grad noch geringerer Temperaturen nicht 2 Tote gewesen sondern eine Anzahl im 2-stelligen Bereich, da einige Läufer wohl im letzten Moment "ins Leben zurückgeholt" werden konnten.

Ich denke ein Mensch der schon mal auf 2.500 oder 3.000 Meter in einen Schneesturm kam, käme nicht im Traum auf die Idee, in kurzen Hosen loszulaufen. Ein Mensch, der viell. von weiter her anreist, vorher immer nur bei tollem Sonnenschein -wenn überhaupt- aufm Berg war, der hat keine Vorstellung davon, wie kalt und gefährlich so ein Wetterumschwung tatsächlich sein kann.
Aber es ist und bleibt jedes Menschen eigene Verantwortung.

Ich käme auch nicht auf die Idee, völlig unbedarft und Ratschläge von Erfahrenen missachtend, z.b. mit einem Boot unbedarft in die Nordsee hinauszufahren. Ich bin nicht dort aufgewachsen und kanns nicht einschätzen und würde mich in jedem Fall an jeden Rat von kompetenten Mitmenschen halten.

Deswegen finde ich das ganze trotzdem sehr sehr tragisch, aber -so hart es klingt- selber schuld.

wolf » 02 Dez 2009 14:27

.....und selbst an einem hartgesottenen veranstalter gehen solche vorkommnisse nicht spurlos vorueber.
was man in der oeffentlichkeit ueber den fall sieht und hoert ist meist kontraer zu dem was dieser mensch daheim im stillen kaemmerchen eventuell mit sich selbst ausfechten muss.

Ganz meine Meinung
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Eigenständigkeit?

Beitragvon Julian » 2 Dezember 2009 18:22

Im Großen und Ganzen stimme ich, wie so oft, mit Wolf überein. Auch ich plädiere gerne für eine Berg-Welt, in der Eigenverantwortlichkeit und gesunder Menschenverstand grundlegende Eigenschaften eines Menschen sein und sein Tun beeinflussen sollten.

Die Realität sieht nun mal leider oft anders aus, und es gibt eben doch viele Menschen, denen mal zumindest der gesunde Menschenverstand in einigen Lebenssituationen abgeht. Andere, evtl. noch schwächere Gemeindemitglieder verzichten vielleicht ganz auf ein derartiges Denken, unter anderem aber auch deswegen, weil sie es inzwischen so gewöhnt sind. Man muss doch nur einen Blick auf das pralle Leben in diesem unserem Lande werfen und sieht sofort, wo es happert. Wir sind das beratene Volk! Nur nicht selber denken!
In sämtlichen Branchen laufen Berater umher und erzählen uns, wie wir unseren Alltag verbessern können - inzwischen auch als äußerst lästige Unterhaltungssendungen im Abendprogramm. Super-Nanny, wenn ich das schon höre! Oder was lief mir neulich auf der (unverbesserlichen) Suche nach etwas Unterhaltung im TV über den Weg: Ein paar Berater brachten den Leuten bei, wie sie ihr Restaurant führen müssen - Abscheu und Ekel überfielen mich.

Zurück zum Thema: Muß man bei einer solchen Veranstaltung nicht immer einen Haftungsausschluß unterschreiben nach dem Motto "wer teilnimmt, ist selbst dran schuld"? Ich als Veranstalter würde das so machen; der müßte dann natürlich auch Wetterkapriolen mit einschließen...
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Re: Eigenständigkeit?

Beitragvon Kaiser » 2 Dezember 2009 18:30

Julian hat geschrieben:Zurück zum Thema: Muß man bei einer solchen Veranstaltung nicht immer einen Haftungsausschluß unterschreiben nach dem Motto "wer teilnimmt, ist selbst dran schuld"? Ich als Veranstalter würde das so machen; der müßte dann natürlich auch Wetterkapriolen mit einschließen...


Durch einen Haftungsausschluss, wie auch immer er gestrickt ist, kannst Du eben nur die Haftung ausschließen, d.h. Dich im Rahmen des gesetzlich Zulässigen gegen Schadenersatzansprüche absichern. Bei dem Prozess ging es ja nicht um eine zivilrechtliche Klage, sondern um ein Strafverfahren, bei dem geklärt werden sollte, ob durch Handeln oder Unterlassen des Veranstalters ein Straftatbestand erfüllt wäre. So etwas kann man grundsätzlich nicht vertraglich ausschließen.
Gruß
Ralf
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Beitragvon Julian » 2 Dezember 2009 20:10

Ach so. Ich bin ja juristisch unbedarft, muss auch gestehen, dass ich den Prozess nicht genau verfolgt habe. Mein Senf galt mehr der Thematik Eigenverantwortung, vernünftig handeln usw.
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Re: Eigenständigkeit?

Beitragvon wolf » 2 Dezember 2009 22:44

Julian hat geschrieben: Oder was lief mir neulich auf der (unverbesserlichen) Suche nach etwas Unterhaltung im TV über den Weg: Ein paar Berater brachten den Leuten bei, wie sie ihr Restaurant führen müssen - Abscheu und Ekel überfielen mich.



ohne dem brisanten thema den reiz nehmen zu wollen.......'kuechenschlacht', 'die kuechenchefs', 'rach der restauranttester' und 'die kochprofis' gehoeren fuer mich als haus-hof-amateur-wiesenkoch und restaurantbesucher zum standardprogramm......und das alles mit genuss und spass an selbigen sendungen. :) :)

man kann nicht immer nur br3 und arte schauen. 8)
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