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Vorbereitung Watzmann Überschreitung

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Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Berg.Dine » 9 Januar 2019 9:48

Hallo zusammen,

da ich dieses Jahr im Sommer eine Watzmann Überschreitung plane wollte ich mir von euch ein paar Tipps fürs Vorbereitungstraining holen.
Zu meiner aktuellen Fitness:
Ich habe Anfang 2018 angefangen zu Joggen, aber nicht im Übermaß.
Ab Mitte 2018 habe ich mit viel Bergsport begonnen, einmal wöchentlich.
Habe 2 Klettersteige in Österreich gemacht und bin bestimmt auf 15 Gipfel im bayerischen Wald.
Ende 2018 war dann meine bislang schwierigste Tour -> Hochstaufen, 1200hm habe ich 4 Stunden gebraucht, war zwar dann oben schon recht kaputt aber nicht am Ende.
Nun gehe ich seit 4 Wochen jeden zweiten Tag ins Fitnessstudio um Muskeln zu erhalten und weitere aufzubauen.
Das Ausdauertraining baue ich auch nach und nach wieder vermehrt ein.
Aktuell fahre ich zusätzlich relativ oft Ski und möchte wenns nicht zum Skifahren rausgeht zum Wandern.
Nun möchte ich aber wissen wie oft und wie genau ich trainieren sollte um die Überschreitung im Sommer einigermaßen meistern zu können?
Ernährung sieht relativ gesund aus, aber befinde mich im Defizit, da noch ein paar Kilo runter müssen. Sollte ich hierbei auf etwas achten?

Schonmal vielen lieben Dank im Voraus!

LG Dine
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Ralf » 9 Januar 2019 9:55

Hallo Dine,
ich gehe mal davon aus, dass du die Überschreitung an 2 Tagen machen willst. Sprich 1.tag Aufstieg zum Watzmannhaus und dort Übernachtung. am nächsten Tag dann Überschreitung mit Abstieg hinten durchs wimbachgries.
D.h. du hättest am 1.Tag ca. 1200Hm (das was du ja auch schon am Hochstaufen absolviert hast) - kannst dich dann über nacht dort "regenerieren" und hast am nächsten Tag im Aufstieg nochmals ca. 800Hm.
Versuch am besten bis zu deiner Watzmann Tour immer mal wieder Touren mit bis zu 1000Hm zu machen, so dass du hierfür eine entsprechend Grundkondition und ein Gefühl für solche Aufstiege bekommst.
Viele Grüße, Ralf

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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Berg.Dine » 9 Januar 2019 10:37

Hallo Ralf,
danke für deine schnelle Antwort!
Ja genau, hätte ich dazuschreiben sollen. Ich will die Tour auf zwei Tage machen.
Im bayerischen Wald haben die schwierigsten Touren so 700-800hm zum gehen aber halt auf eine größere Distanz, somit weniger Steigung.
Also sollte ich schon öfter direkt ins Gebirge fahren, oder?
Würdest du den Fokus eher auf Ausdauertraining oder Krafttraining legen?
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Ralf » 9 Januar 2019 10:45

ja, davor solltest du meiner Meinung nach schon 1-2 "alpine touren" mit den entsprechenden Höhenmetern machen.
Dein Fokus bei der Vorbereitung sollte definitiv auf Ausdauertraining liegen (d.h. auch regelmäßige Touren im bayerischen Wald sind da sicherlich gut). Krafttraining ist für die Watzmanntour nicht von Nöten!
Viele Grüße, Ralf

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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Oldie » 9 Januar 2019 12:48

Hallo Dine,

es wäre schön, wenn du dich im Vorstellungsthread einmal kurz beschreiben könntest. Gerade, was die allgemeine Fitness und generelle Bergerfahrung angeht. Was das Training angeht, so wird die hier sicher niemand einen genauen Plan erstellen können. Es hat ja auch jeder andere Vorlieben und Stärken. Und sicher ist Ausdauer für so ein Projekt unerlässlich, aber auch Kraft sollte man zusätzlich trainieren. Und was man auch nicht unterschätzen sollte ist die psychische Komponente. Extreme Ausgesetztheit und ein paar hundert Meter Luft unter den Sohlen ist eben etwas ganz anderes als breite Wirtschaftswege im Mittelgebirge.
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mit sportlichen Grüßen
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Berg.Dine » 9 Januar 2019 13:48

Danke für Eure Rückmeldungen!
Also die Touren im bayerischen Wald werden ab März wieder wöchentlich stattfinden.
Sobald die Klettersteige wieder offen haben möchte ich auch hier so oft wie möglich Touren machen, evtl auch mal mit höherer Schwierigkeit, um eben diese Schwindelfreiheit zu trainieren. Probleme mit dem Schwindel hatte ich allerdings bisher nicht, weder auf der Alpspitze, noch am Hochstaufen aber wahrscheinlich sind das auch nur "Babys" im Vergleich.

@Oldie: Die Vorstellung im Vorstellungsthread werde ich gleich noch erledigen, danke für den Hinweis!
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Julian » 9 Januar 2019 13:52

Dine,

vergiss eins nicht: Ausdauer ist eins, aber Erfahrung mit Gehen im ausgesetzten, schwierigen Gelände ist auch nötig, am besten bist Du auch schwindelfrei!
Denn die Kondi nützt Dir bei einer psychischen Blockade GAR NICHTS.
Umgekehrt kann man natürlich noch so schwindelfrei sein, wenn man physisch am Ende und weit überm Limit ist, geht auch nix mehr...
Der Abstieg ins Wimbachgries ist mindestens so gefährlich wie der Aufstieg, und seeeeeeehr lang...ich persönlich halte mich davon fern, auch wegen der Menge Menschen am Watzmann. Aber das ist Geschmacksache.
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Berg.Dine » 9 Januar 2019 14:04

Hmm, zum Thema Erfahrung wird nur die Übung helfen. Ab Mai will ich sowieso mindestens 1x im Monat in die Alpen, hier bekomme ich hoffentlich die Erfahrung.
Ja das mit den vielen Menschen hab ich auch schon gehört. Gibts hier eine Empfehlung wann man gehen sollte? Also ich würde sowieso unter der Woche gehen, aber gibts hier einen geheimen Tipp wann nicht so viel los ist?
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Oldie » 9 Januar 2019 14:13

Das mit der Übung hast du ja schon mal gut erkannt. Das mit den Mengen ist so eine Sache, bei gutem Wetter sind die einfach da, gerade die Hotspots Watzmann und Zugspitze/Alpspitze sind eben total überlaufen, letztere durch die Seilbahnen noch mehr. Ich versuche immer um so etwas einen Bogen zu machen.
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon ziller » 9 Januar 2019 14:53

Sorry, wenn ich die Spassbremse spiel: die Tour ist ja sehr anspruchsvoll und laaang, nicht durchgehend gesichert und teils ausgesetzt.
'Ausgesetzt' bedeutet, wenn man runterfällt, ist man im Normalfall hin.
Weiss nicht, ob ich das, Kondition aus deutschen Mittelgebirgen hin oder Kraft ausm Studio her oder mit Erfahrung, die vielleicht aus noch drei, vier (mehr werdens definitiv vorher ja nimmer werden bei x=1/Monat) Touren in die Alpen, entspringt, machen wollte.
Aber gut, sorry, bin halt immer so n bissl oldschool und hab irgendwelche Vorhaben im Leben meinen (sicheren) Kenntnissen und Fähigkeiten angepasst und nicht nem Bilderreigen in 'social media' von _irgendwem_, dessen Hintergrund ich nicht kenne.

Sicherlich gibts günstigere Orte auf der Welt als ausgerechnet am Watzmann, um festzustellen, dasses mit der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit bei n paar hundert Metern Luft unterm Hintern ohne Sicherung und nachmittags, ausgepumpt und mit dadurch dummer Birne, die nimmer so klar umreisst, was man grad tut, nedd so weit her ist.
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Irgendwann und irgendwo triffst auf jeden Fall mal den Sensenmann.
Und in dem Moment denkst ganz gewiss nedd "Oh, ich hätte viel öfter ins Büro gehn sollen!"
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon UD » 9 Januar 2019 21:14

Man sollte die Watzmann-Überschreitung jetzt aber auch nicht dramatisieren. Ja, sie ist eine hochalpine Unternehmung; ja, sie ist sehr lang und sehr konditionszehrend; und ja, sie ist auf dem Grat nicht durchgehend gesichert und teils ausgesetzt. Aber "ausgesetzt" heißt nicht 800 m senkrecht runter auf beiden Seiten; und wie ein Stolperer oder Fall konkret ausgeht, ist niemals endgültig ausgemacht.
Ich habe die Tour mehrmals gemacht: beim ersten Mal in Gruppe mit einem Fachübungsleiter des DAV (würde ich auch hier empfehlen), ein anderes Mal ist ein Kletterkollege mit Blockade 10 Min. nach dem Hocheck umgekehrt; ich habe zwei bergerfahrene Watzmannerstbegeher begleitet usw. Trainieren kann man für eine Unternehmung wie die Watzmannüberschreitung, aber man kann nicht "die" Watzmannüberschreitung trainieren. Kraft- und Konditionstraining sind gut und richtig; das Handling der Klettersteigkarabiner sollte unproblematisch und zügig ablaufen, um damit nicht noch zusätzlich Zeit zu verlieren.
Zwei Tipps: 1. Als Heranführung an die Art und Weise der Watzmannüberschreitung bietet sich (weniger) der Mittenwalder Höhenweg oder (eher) der Hindelanger Klettersteig an; letzterer ist mit Notabstiegen gespickt zum Abkürzen, und bietet ebenfalls genügend ungesichertes Gehen in ausgesetztem Gelände.
2. Man kann die Watzmannüberschreitung sowohl an der Mittelspitze (in 45 Min. ab Hocheck erreichbar) als auch an der Südspitze abbrechen und auf dem selben Weg zurückgehen und über das Watzmannhaus absteigen. Umkehren ist keine Schande! Und eine Tour, die heute an Blockade oder mangelnder Fitness scheitert, kann wenige Tage später funktionieren, als hätte man nie etwas anderes gemacht.
Und schließlich: Alle Informationen, Bilder und Videos, die greifbar sind, nutzen (das, was früher das Kartenstudium war), damit man weiß, was auf einen zukommt. Visuelle Eindrücke aus der Vorbereitung kann man auf Tour wiedererkennen, usw.
Also ran, mit (De)mut und Zuversicht und in Eigenverantwortung!
Ach so, nochwas: Im Sommer 2019 ist das Watzmannhaus nur eingeschränkt belegbar. Auf jeden Fall vorher reservieren. Unter der Woche bzw. Sonntag, spätestens Donnerstag zum Watzmannhaus aufsteigen, außerhalb sämtlicher Ferien, Feiertage und langen Wochenenden.
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Ralf » 9 Januar 2019 21:41

Gute (und richtige) Ausführungen @UD
ja, die Watzmann-Überschreitung muss man wirklich nicht überdramatisieren (aber durchaus auch ernst nehmen und trittsicher unterwegs sein). Bis zum Hocheck ist es eine "normale Bergtour" - dann sieht man schon recht schnell was einen dann die nächsten 3-5 Stunden bei der "eigentlichen Überschreitung" erwartet. Wer hier dann schon auf den ersten Metern mit wackligen Beinen unterwegs ist, sollte besser umkehren. Wie schon oft geschrieben wurde, ist "umkehren keine schande".

hier in unserem Video "Ehrfurcht vor dem Watzmanngrat" siehst du wie wir dort auch vor etlichen Jahren mal umgekehrt sind



Hier kannst du dir dann nur ein paar Monate später die "absolvierte Überschreitung" anschauen :)
https://www.youtube.com/watch?v=UioqL84 ... 2C93650F44
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Berg.Dine » 10 Januar 2019 8:12

Ich unterschätze den Watzmann nicht, deshalb schreibe ich ja hier und hole mir Tipps von Euch. :)
Ich verstehe die Aussage, weil das Bergtouren aktuell ein Trend ist aber ich will den Watzmann nicht wegen irgendwelcher Social Media Posts gehen, sondern weil ich von einem guten Wanderkollegen gehört habe dass diese Tour wirklich schön ist aber auch sehr anspruchsvoll. Und auch dass ich sie auf dem Stand von August 2018 nicht geschafft hätte. An dem Tag war mir klar dass ich die Tour gehen und gut meistern will! Hat also auch etwas mit persönlichen Zielen zu tun, was denke ich nicht verwerflich ist.

Vielen Dank für die Videos! Werde ich mich mal durchschauen :)
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Julian » 10 Januar 2019 8:55

Nein, verwerflich ist das gar nicht.
Uns freut im Gegenteil, dass Du nicht einfach losrennst und dann vom Heli oder der Bergwacht geholt werden musst. Ich schätze, die Leute, die hier antworten, haben in irgendeinem Bereich schon ordentlich Erfahrungen (auch negative) gesammelt, und warnen deshalb auch immer davor, die Alpen als Abenteuerspielplatz zu verstehen. Das ist nämlich leider eine weit verbreitete Annahme. endet nicht selten tödlich...

Ich denke, jeder hier hat jetzt schon gemerkt, dass Du an die Sache mit Gehirn und Überlegung ran gehst, das ist doch sehr positiv.
Ansonsten mag ich mich Uli anschließen, das hat er schön formuliert.

Übrigens gibt es ja Gott sei Dank tolle Touren zu Hauf - der Mittenwalder ist nur eine davon - und auch etwas "Einsamere". Watzmann ist halt trotzdem ein Reiz, verstehe ich. Ich schau es mir weiter aus der Ferne an. :wink:
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Re: Vorbereitung Watzmann Überschreitung

Beitragvon Oli P. » 10 Januar 2019 11:03

Hallo Dine,

ich kann mich UD und Ralf anschließen: ernst nehmen, aber nicht dramatisieren.

Ich habe die Watzmannüberschreitung im September 2009 gemacht. Es war einer meiner genialsten Tage in den Bergen!
Dabei ging es eher schlecht los: Freitag, zu spät von der Arbeit los (Großraum Stuttgart), Stau auf der Autobahn, erst gegen 16 Uhr an der Wimbachbrücke, in der Eile den Aufstieg zu schnell angegangen, Hungerast, mit Stirnlampe im Dunkeln gegen 20 Uhr am Watzmannhaus angekommen. Mir ging es elend! Ich dachte "die Überschreitung kannst du vergessen, morgen steigst du wieder ab!" - Jetzt hast Du schon ein paar Tipps, was man alles falsch machen kann. Auch das hilft hoffentlich.

Nach einem großen Teller Spaghetti Bolognese und einem erholsamen Schlaf ging es mir am anderen Tag blendend. Obwohl ich sonst kein Frühaufsteher bin ("der frühe Vogel kann mich mal") und ohne Kaffee ungenießbar: früh raus, Frühstück unterwegs, dann kann man auch den Wochenendstau umgehen. Ich war Solo unterwegs (hab die nötige Erfahrung) und dadurch schnell. Auf dem Weg zum Hocheck die letzten Gruppen überholt - bis zur Südspitze bin ich keinem Menschen mehr begegnet (trotz Wochenende und dem besten Bergwetter, das man sich vorstellen kann). Der Grat war ein Traum. Ich hatte das Klettersteigset an, hab es aber nicht benutzt. Ich weiß, das kann man heftig diskutieren. Ich persönlich habe es nicht benötigt, ich empfehle aber keinem, dies ebenfalls zu tun. Es gibt ausgesetzte Stellen - aber am Mindelheimer Klettersteig hat es z.B. eine ungesicherte Stelle, die ich viel gefährlicher empfinde... Meine Erfahrung: die Watzmannüberschreitung ist definitiv kein Klettersteig, sondern eine alpine Bergtour, bei der es auch ein paar Drahtseile gibt. Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und Erfahrung im alpinen Gelände sind unerlässlich (insbesondere beim Abstieg ins Wimbachgries!). Wer einen Klettersteig machen möchte, sucht sich besser etwas anderes...

An der Südspitze habe ich ausgiebig Pause gemacht und die Ostwandbegeher bewundert. Denen habe ich dann auch den Vortritt beim Abstieg ins Wimbachgries gelassen, denn die Wegfindung ist nicht immer ganz einfach uns Steinschlag droht auch an der einen oder anderen Stelle (Helm!). Man sollte sich bewußt sein, dass man an der Südspitze gerade mal die Hälfte der Gehzeit des zweiten Tages hat. Wenn der Akku schon am Grat leer ist, lieber rechtzeitig umkehren. Kaiserschmarrn und ein Radler auf der Wimbachgrieshütte geben dann nochmal Energie für den langen Hatscher zurück zur Wimbachbrücke...

Zur Vorbereitung: ich bin kein Jogger (und werde es auch nie) und gehe nicht ins Fitnessstudio. Die beste Vorbereitung für alpine Bergtouren: alpine Bergtouren (da holt man sich auch die nötige Erfahrung). Da dies wohnortbedingt nicht immer möglich ist: wie die Kollegen oben schon geschrieben haben lange Wanderungen im Mittelgebirge mit vielen Höhenmetern (hat bei uns 2008 auch als Vorbereitung für den Kilimanjaro optimal gepasst). Für mich liegt der Schwarzwald am nächsten, Bayrischer Wald sollte auch passen. Meine Referenztour: Forbach - Badner Höhe - Hornisgrinde. Etwa 1.400 Höhenmeter im Aufstieg, lange herrliche Tour. Was für Dich aus meiner Sicht fast noch wichtiger ist: alpine Erfahrung. Plane den Watzmann am Ende der Saison (September) und mach vorher möglichst viele Bergtouren in den Alpen. Wie UD schon geschrieben hat: Heilbronner Weg, Mittenwalder Höhenweg, eventuell Mindeheimer Klettersteig. Nicht die schwierigen Klettersteige, sondern die langen, die auch mal ungesicherte Stellen haben.

Ich wünsch Dir auf jeden Fall viel Spaß und beneide Dich auch ein wenig: bei passendem Wetter und passender persönlicher Verfassung eine Traumtour!

Gruß, Oli (der sich jetzt im Vorstellungsthread vorstellt, was er schon 2016 versprochen hat...)

Bild
An der Mittelspitze
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