Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

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Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 11 September 2018 21:55

https://freieberge.wordpress.com/2017/1 ... nshuetten/

Ich hab ja den Eindruck, das ist ein 'Knotterer', aber im Ansatz geb ich ihm recht.

Mir reichen auch drei Essen zur Auswahl aber nach ein paar Tagen Spaghetti oder Bratkartoffel mit Leberkäs und Ei reichts mir damit dann auch.
Andererseits würd ich lieber ne Woche lang das gleiche essen als die Hütte mit diversen Charakteren zu teilen, die da in jüngerer Vergangenheit mit All-Inklusive-Mentalität auftreten, die halbe Nacht im Rucksack kramen, alle mit ihren depperten Stirnlampen wachblenden, in Winterräumen randalieren oder dort ihren Obulus nicht entrichten.

Geben die AV-Hütten dem anwachsenden Druck der Gäste nach oder locken sie mit ihrem Angebot zunehmende Mengen an?
Ein Henne-Ei-Problem wohl, aber wo ist das Ende der Spirale?
Ich mein, der Streit, wieviel Komfort eine Hütte bieten muss oder darf, ist so alt wie die Hütten selbst.

Was mich aber definitiv ankekst, ist das mittlerweile echt verbreitete Buchungssystem.
Wennst da nicht ein halbes Jahr vorausplanst, guckste in die Röhre und kannst nur spontan hin und hoffen, dass sie noch ein Platzerl haben.
Mir gehts dabei weniger um die Wettersicherheit als solche, sondern eher ums spontane Losziehn am Wochenende.
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon Ralf » 12 September 2018 9:24

in gewisserweise wird dem Druck der Gäste und deren (heimischen) Anspruchsdenken nachgegeben. Ich musste das ja dieses Jahr - in Form von einem großen Flatbild-TV im speiseraum der fiderepasshütte - selbst erkennen. Das "neue" online Reservierungssystem habe ich noch nicht in Anspruch genommen. hier wäre es interessant zu erfahren wieviel % der Buchungen da dann in Realität auch eingehalten und wahrgenommen werden.
Anscheinend führt dieses Buchungssystem aber dazu dass fast alle Hütten im Ferienzeitraum ausgebucht sind. Zumindest hatte ich dazu nen Post gesehen, dass über die "online Buchungsplattform" für letztes Wochenende anscheinend in den Ammergauer Alpen und Wettersteingebirge kein Übernachtungsplatz mehr zu bekommen war... die Diskussion die sich dann daraus entwickelt hatte war, dass man doch einfach auf Biwaks ausweicht... daraus hat sich wieder die polemische Diskussion hochgeschaukelt ob man Biwaks generell zur Nächtigung nutzen darf oder nur "im Notfall"...
Mein Fazit ist, dass die Alpen immer mehr überlaufen werden/sind und somit alle dort mit der erhöhten Frequenz (und dem Anspruchsdenken derer, die dort eigentlich nicht hingehören) zu "kämpfen" haben.
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Alpenverein Buchungssystem
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 12 September 2018 10:36

Das ist ja genau der Punkt: kam der Bildschirm zum Fussballgucken, weil Gäste das vorab so angefragt hatten oder wurde der als Angebot 'unaufgefordert' bereitgestellt?
Wie macht das Beispiel Schule und wann ziehen andere Hütten nach (und warum)?

Das Buchungssystem würde mich auch genauer interessieren. Häufig erfolgt in der Touribranche (und nicht nur da, von diversen Sportveranstaltungen kenn ichs auch so) ja ne Überbelegung in der Gewissheit, dass eh nicht alle, die gebucht haben, kommen.
Da sähe es ja für Leute, die die Ursprünglichkeit suchen und daher auch auf beispielsweise Smartphones oder Internet verzichten, mau aus, an nen Übernachtungsplatz zu gelangen.
Biwak statt Hütte wär für mich des Teufels Alternative und ich sähe das auch (wg. beispielsweise Hygiene, wenn alle, die rund um ne Hütte campen, da auch irgendwohin schicen) in der Masse skeptisch.
Ich bin in gewisser Weise leicht unglücklich über die Preise auf der Hütte im Vergleich zur Übernachtung im Tal, wo es meist auch nicht (deutlich) teurer ist.
Aber mehr als nen Biwaksack für absolute Notfälle möcht ich dann doch auch nicht mitschleppen, schon gar nicht Schlafsack, Isomatte und Essen für ne mehrtägige Tour und den Fall, auf keiner Hütte mehr nen Platz zu finden.

(Ich will damit nicht noch ne Diskussion über die Preise auf den Hütten anstossen, mir ist klar, wie die zustandekommen und ich zahl sie letztlich auch gerne)

Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob das breite (Speisen-)Programm und die aufwendige Buchung wirklich zum wirtschaftlicheren Betrieb der Hütten beitragen.
Wie im Beitrag geschrieben gibts durchaus Lebensmittel, die so lange haltbar sind, dass man sie problemlos vorhalten kann, ob die Bude voll ist oder nicht und ich würde meinen, wer es ernst meint, der wird eine dadurch eingeschränkte Speisekarte in Kauf nehmen und wer nicht, künftig woanders Urlaub machen.
Ich schätze es einerseits, regional bekocht zu werden mit Zeug von Bauern aus der Region, andererseits kann ich das auch im Tal kriegen und gehe nicht zugrunde, wenn ich auf ner Hütte 'Erbsen fein und Möhrchen' aus der Dose bekomme und keine Pommes dazu sondern nur (Brat-)Kartoffeln.
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon Ralf » 12 September 2018 11:11

ziller hat geschrieben:Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob das breite (Speisen-)Programm und die aufwendige Buchung wirklich zum wirtschaftlicheren Betrieb der Hütten beitragen.
Wie im Beitrag geschrieben gibts durchaus Lebensmittel, die so lange haltbar sind, dass man sie problemlos vorhalten kann, ob die Bude voll ist oder nicht und ich würde meinen, wer es ernst meint, der wird eine dadurch eingeschränkte Speisekarte in Kauf nehmen und wer nicht, künftig woanders Urlaub machen.
Ich schätze es einerseits, regional bekocht zu werden mit Zeug von Bauern aus der Region, andererseits kann ich das auch im Tal kriegen und gehe nicht zugrunde, wenn ich auf ner Hütte 'Erbsen fein und Möhrchen' aus der Dose bekomme und keine Pommes dazu sondern nur (Brat-)Kartoffeln.


Ich glaube auch dass auf Berghütten eine eingeschränkte Essensauswahl = Bergsteigeressen und 3-4 andere warme Speisen - absolut ausreichend sind. Man ist ja meist nur 1 Nacht auf der Hütte und dann kann man es sich am nächsten Tag im Tal kulinarisch wieder gut gehen lassen! Wenn man weiß dass es auf einer Berghütte eigentlich nur "Notnahrung" gibt, geht man dahin vll. auch mit einer anderen Einstellung. Aber nachdem es ja inzwischen in unserer Gesellschaft so viele (teils auch eingebildete) Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt, schleppen auch viele ihre "Spezialspeisen" mit auf die Hütten (und das sehen wiederum die Hüttenwirte nicht gerne) - vielleicht ist das ja auch einer der Gründe warum die Menuauswahl auf Berghütten sich inzwischen so aufgebläht hat :?:
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 12 September 2018 11:33

Keine Ahnung, aber mir persönlich würde nicht einfallen, mit irgendner Nahrungsanomalie Erwartungen zu haben, dass mir da einer entgegenkommt.
Natürlich klar, dass das viele nicht so sehen. Erinnere mich an ne Episode voriges Jahr mit ner Sektionstour, wo wir vorab klären wollten, ob wir HP oder á la Carte essen wollten (da das nur gruppenweise ging bei HP).
Die erste Antwort kam per Email "Aaalso, da ich ja Veganerin bin, ist HP kagge und daher...".
Ende vom Lied, wir sassen mit ner Gruppe, die HP hatte, in einem Zimmer zum Essen, hatten Langmaul ohne Ende nach allem, was die da aufgetragen kriegten und zahlten, wenn wir das gleiche von der Karte bestellten, Irrsinnskohle gegenüber der HP.
Und ja, auch Vegetarismus und Veganismus sehe ich als Anomalie an insofern als der Mensch sich Zeit seiner Entwicklung als Omnivore betätigt hat. Alle Laster und Leiden traten erst ab der Zeit auf, als er begann, seine Nahrung industriell (in jeglicher Form, damit sind auch frühe Formen des Ackerbaus gemeint) 'herzustellen.
Die ältesten Brotreste sind beispielsweise deutlich über 10.000 Jahre alt, aber komischerweise nimmt diese Gluten-Unverträglichkeit erst seit den letzten 10 Jahren zu. Schon komisch?

Aber generell: wie weit kommt man solchen Spezialisten entgegen? Gibts vegetarisch oder auch vegan? Glutenfrei? Laktosefrei?
Ich mein, es ist toll, wenn die Menschheit keine schlimmeren Probleme hat und sich auf Nahrungsbeschaffung, wo kein Fleisch enthalten ist, konzentrieren kann, statt ums nackte Überleben zu ringen, aber ob man das mit allen Nebenwirkungen auf die Berghütte tragen muss?
Mir hats immer gereicht, wenn auf der Hütte jemand kochen kann;- ich brauch keinen Koch, der auf alle aussergewöhnlichen Ernährungsfragen ne egalwiegestrickte Antwort in der Karte stehn hat.
Und wenns änders wär, würd ich diese Antwort ebensowenig auf ner Hütte suchen wie nen Grossbildschirm zum Fernsehschauen.
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon Julian » 12 September 2018 14:27

ziller hat geschrieben:Keine Ahnung, aber mir persönlich würde nicht einfallen, mit irgendner Nahrungsanomalie Erwartungen zu haben, dass mir da einer entgegenkommt.
[...]
Und ja, auch Vegetarismus und Veganismus sehe ich als Anomalie an insofern als der Mensch sich Zeit seiner Entwicklung als Omnivore betätigt hat. Alle Laster und Leiden traten erst ab der Zeit auf, als er begann, seine Nahrung industriell (in jeglicher Form, damit sind auch frühe Formen des Ackerbaus gemeint) 'herzustellen.
Die ältesten Brotreste sind beispielsweise deutlich über 10.000 Jahre alt, aber komischerweise nimmt diese Gluten-Unverträglichkeit erst seit den letzten 10 Jahren zu. Schon komisch?
[...]


Anscheinend hast Du keine "Nahrungsanomalie". Die meisten, die eine relevante haben, haben sich die nicht ausgesucht, wollen aber auch in die Berge und dort dann vielleicht nicht von Bauchkrämpfen geschüttelt im Lager liegen...
Unverträglichkeiten gab´s schon immer (die dafür notwendigen immunologischen Vorgänge sind nicht erst zehn Jahre alt), aber nicht die Möglichkeit, sie zu umgehen. Recht gebe ich Dir dahingehend, dass die Häufigkeit zunimmt - und das dürfte schon auf der höheren Exposition unseres Immunsystems mit Umweltgiften zusammenhängen (auch wenn das bisher nicht bewiesen ist - ist aber eine gängige Hypothese).

Insgesamt sollten wir nicht zu pauschal werden hier - ich denke, es wird darauf hinauslaufen, dass gewisse Hütten-Dauerbrenner (besonders schön gelegen, gut zu erreichen mit Ebike etc., gute Infrastruktur im Tal und was weiß ich) weiter aufrüsten werden, andere dagegen einfach bleiben werden, oder gar "zurückgefahren", denn es gibt eben auch das Klientel, das gerne einfach bleibt. Es soll sogar Hüttenwirte geben (selbst erlebt), denen es Spaß macht, tolle Gerichte aufzufahren (so erlebt in der Schweiz - der Hüttenwirt machte selber Eis!). Duschen und Saunen sind aus meiner Sicht (ganz persönlich) überflüssig - in der Hüttn muas miachtln hats früher geheißen.

Was die Platzreservierung angeht, bin ich zwiegespalten. Es gab ja mal früher ein Notkontingent...wäre vielleicht wieder was.
Ich kann mich an eine denkwürdige Nacht auf der Passauer erinnern - da wurden am Schluss die Tische umgedreht und die Stühle gestapelt, damit sich jeder irgendwo hin legen konnte...
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 12 September 2018 17:38

Julian hat geschrieben:Anscheinend hast Du keine "Nahrungsanomalie".



Nein.
Zumindest keine, von der ich weiss.
Ich überlege aber ständig, ob ich, wenn ich eine hätte, mich der Natur der Dinge nicht beugen und Dinge unternehmen würde, die damit möglich sind.

Das sehe ich ähnlich wie bei -weil du es eh angesprochen hast- den Ebikes.
Die empfinde ich prinzipiell als Segen, nur versteh ich nicht, wieso Leute, die aus biologischen (guten) Gründen irgendwo aus eigener Kraft nicht mehr hingelangen, damit nun ihren Radius in diese Gegenden verlagern müssen.

Das ist bitte nicht als Versuch der Ausgrenzung zu sehen, eher als Aufruf, die eigenen Grenzen anzuerkennen, wie wir das an anderer Stelle auch erwarten.
Wenn ich im Klettersteig nicht weiterkomme, weil mir Kraft, Ausdauer oder Können fehlen, muss ich das ja auch akzeptieren und den Rückzug antreten (oder gar nicht erst einsteigen).
Nun könnte man sicherlich argumentieren, dass man im Falle der Ebikes (oder genauer eher eMTBs, auf der Gasse oderm Radweg rumgurken iss ja ok) oder vielleicht auch ner Nahrungsmittelunverträglichkeit die Einschränkungen nicht akzeptieren MUSS, weil man es KANN, aber das greift mir dann etwas zu kurz.
So wenig wie ich auf die Idee käm, auf der Hütte anzufragen, ob ich Fussball gucken kann, wollte ich irgendwem wegen mangelndem Fahrkönnen im Weg rumstehn oder an den unmöglichsten Locations drum betteln, mir was ohne Laktose oder Gluten zu kochen (odern Akku laden zu dürfen...).

Aber das ist imho genau, was heute häufig falsch läuft: "hoppla, jetzt komm ich, den Tomatensalat bitte (wenns zu dieser Höflichkeitsfloskel überhaupt kommt) mit den Tomaten in ner Extraschüssel, wieso gibts keine heisse Dusche, ich hab ein Einzelzimmer bestellt, wie ist denn hier der WLAN-Schlüssel, warum ist mein Gepäck noch nicht angekommen..."
Es gibt genügend Destinationen, die genau darauf spezialisiert sind und ich hab wenig Verständnis dafür, dass die Alpen nach genau dem gleichen Muster ausgeschlachtet werden müssen.
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon sevo » 12 September 2018 18:47

Das Problem der Affinität der Hüttenwirte zu Bergführern (sei es aus persönlichen Beziehungen, sei es in Form inoffizieller Zahlungen oder Leistungen an erstere) ist uralt - was früher die geführten Hochtouren Typ "wir tragen rheinische Industrielle auf jeden Gipfel" waren, hat sich jetzt halt zur Bergwandergruppe "Bergschule" verlagert. Aber so oder so, dieses "die Hütte ist voll mit Leuten, die aus eigener Kraft und Orientierung nie dahin gekommen wären" ist ein altes Dilemma. Das Buchungssystem würde ich eher als Versuch werten, das auf eine gerechtere Basis zu stellen...
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 12 September 2018 18:56

sevo hat geschrieben:Das Buchungssystem würde ich eher als Versuch werten, das auf eine gerechtere Basis zu stellen...


Wie das?
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon sevo » 12 September 2018 20:48

ziller hat geschrieben:
sevo hat geschrieben:Das Buchungssystem würde ich eher als Versuch werten, das auf eine gerechtere Basis zu stellen...


Wie das?


Wie gesagt, es gibt eine deutliche Tendenz zur Kumpanei zwischen Bergführern und Hüttenwirten, schon aus deren gegenseitiger Abhängigkeit - über inoffizielle (und daher um so überraschendere) Reservierungen und Komplettbelegungen hab ich mich schon vor 30 Jahren geärgert, und mein Vater nochmal eine Generation früher. Buchungen offiziell für jeden verfügbar zu machen demokratisiert das - dann haben auch unabhängige Bergsteiger eine Chance, wenn sie lang genug geplant haben, und nicht nur jene, die eine geführte, bezahlte Tour gebucht haben. Klar, dem spontanen "weiter als zur nächsten Hütte schaffen wir nicht" hilft auch das nicht, das Notbiwak im Lagerraum oder hinter dem Haus muss man weiter einplanen. Aber dafür gibt es nicht wirklich eine befriedigende Lösung, jedenfalls nicht, ohne den Zugang ganz massiv schwerer zu machen - schon Klettersteige dürfte es dann nicht mehr geben...
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 12 September 2018 21:04

Ah ok, so versteh ichs.
Aber meinste nicht, dass grad durch die Kumpanei die Führer erstmal den maximal benötigten Platz per Buchung reservieren und dann ein, zwei Tage vorher durchgeben können, mit wievielen sie wirklich kommen?
Da hilft imho ein Buchungssystem auch nicht wirklich, zumindest wenns nicht in Echtzeit aktualisiert wird und so für kurzfristig Interessierte eine Buchung nicht möglich ist.
Da hülfe ein Anruf meiner Meinung nach mehr.
Dem Hüttenwirt kanns letztlich eh mehr oder weniger egal sein, mit wem er seine Plätze belegt;- Hauptsache er hat Planungssicherheit.
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon danielb » 12 September 2018 22:30

ziller hat geschrieben:
Julian hat geschrieben:Anscheinend hast Du keine "Nahrungsanomalie".



Nein.
Zumindest keine, von der ich weiss.
Ich überlege aber ständig, ob ich, wenn ich eine hätte, mich der Natur der Dinge nicht beugen und Dinge unternehmen würde, die damit möglich sind.

Das sehe ich ähnlich wie bei -weil du es eh angesprochen hast- den Ebikes.
Die empfinde ich prinzipiell als Segen, nur versteh ich nicht, wieso Leute, die aus biologischen (guten) Gründen irgendwo aus eigener Kraft nicht mehr hingelangen, damit nun ihren Radius in diese Gegenden verlagern müssen.

Das ist bitte nicht als Versuch der Ausgrenzung zu sehen, eher als Aufruf, die eigenen Grenzen anzuerkennen, wie wir das an anderer Stelle auch erwarten.
Wenn ich im Klettersteig nicht weiterkomme, weil mir Kraft, Ausdauer oder Können fehlen, muss ich das ja auch akzeptieren und den Rückzug antreten (oder gar nicht erst einsteigen).
Nun könnte man sicherlich argumentieren, dass man im Falle der Ebikes (oder genauer eher eMTBs, auf der Gasse oderm Radweg rumgurken iss ja ok) oder vielleicht auch ner Nahrungsmittelunverträglichkeit die Einschränkungen nicht akzeptieren MUSS, weil man es KANN, aber das greift mir dann etwas zu kurz.
So wenig wie ich auf die Idee käm, auf der Hütte anzufragen, ob ich Fussball gucken kann, wollte ich irgendwem wegen mangelndem Fahrkönnen im Weg rumstehn oder an den unmöglichsten Locations drum betteln, mir was ohne Laktose oder Gluten zu kochen (odern Akku laden zu dürfen...).

Aber das ist imho genau, was heute häufig falsch läuft: "hoppla, jetzt komm ich, den Tomatensalat bitte (wenns zu dieser Höflichkeitsfloskel überhaupt kommt) mit den Tomaten in ner Extraschüssel, wieso gibts keine heisse Dusche, ich hab ein Einzelzimmer bestellt, wie ist denn hier der WLAN-Schlüssel, warum ist mein Gepäck noch nicht angekommen..."
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Das heißt also, dass der Bergfreund welcher z.B. bedauerlicher Weise keine Kuhmilch verträgt (und dies tatsächlich und nicht aus reiner modeerscheinung), von einer Berghütte im Zuge einer z.B. Mehrtagestour fern bleiben soll, da er kein allesfressender Neandertaler ist? Donnerwetter!
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon Oldie » 13 September 2018 7:36

Zum Thema Essensverhalten/Nahrungsanomalie könnte man sicher einen eigenen Thread aufmachen. Menschen, die wirklich an Zöliakie oder Lactoseintoleranz leiden, sind sicher nicht zu beneiden und da finde ich es auch richtig, etwas entsprechendes im Angebot zu haben oder denen zumindest zu gestatten, dass sie ihr mitgebrachtes Essen zu sich nehmen. Allerdings gibt es eben auch viele Menschen, die es einfach nur schick finden, auf Gluten oder Lactose zu verzichten, weil sie glauben, dass sie sich dadurch gesünder ernähren oder leistungsfähiger werden. Von vegetarisch/vegan ganz zu schweigen. Ob so etwas dann auf Hütten noch unterstützt werden muss, keine Ahnung.
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mit sportlichen Grüßen
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon Julian » 13 September 2018 8:04

ziller hat geschrieben:
Julian hat geschrieben:Anscheinend hast Du keine "Nahrungsanomalie".


Nein.
Zumindest keine, von der ich weiss.
Ich überlege aber ständig, ob ich, wenn ich eine hätte, mich der Natur der Dinge nicht beugen und Dinge unternehmen würde, die damit möglich sind.
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Nein. Würdest Du nicht. Vielleicht am Anfang. Aber nicht Dein ganzes Leben lang. Und weißt Du was? Zurecht.
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Re: Entwicklung auf Alpenvereinshütten - Was meint ihr?

Beitragvon ziller » 13 September 2018 8:59

danielb hat geschrieben:[
Das heißt also, dass der Bergfreund welcher z.B. bedauerlicher Weise keine Kuhmilch verträgt, von einer Berghütte im Zuge einer z.B. Mehrtagestour fern bleiben soll, da er kein allesfressender Neandertaler ist?


Das ist sicherlich ein schlechtes Beispiel da ich mir gut vorstellen kann, problemlos auf Speisen mit Milchprodukten zu verzichten.


Julian hat geschrieben:Nein. Würdest Du nicht.


Da bin ich mir nicht sicher.
Ich bin nahezu täglich mit solchen Entscheidungen konfrontiert.
'Kann ich das?' 'Will ich das?' 'Möchte ich es zumindest probieren ob ichs hinkriege?'
Ich kann nicht mit ner Freundin segeln, weil ich schon beim Gedanken ein ungutes Gefühl in der Magengegend hab, ich kann nicht mit nem Kollegen Segefliegen gehn weil ich horrende Angst vorm Fliegen hab, ich komm den Kumpels beim Motorradfahren nicht hinterher weil ich Schiss hab, mich in die Kurve zu legen, ich muss Urlaubsfahrten gut planen, weil ich nachts blind bin wie n Maulwurf, ...
Kommts da noch drauf an, dass ich inkl. Futtermitnahme 'nur' den Wanderweg abmarschieren kann, weil für weiter rauf mit Hüttenübernachtung mirs Essen nicht bekommt? Oder ich nur Tageswanderungen in der Fränkischen machen kann von Kneipe zu Kneipe wo mir nur ein kleiner Teil der Speisekarte zur Verfügung steht?
Pfeif doch drauf, ich wär froh, machen zu können was ich machen kann...!

Aber ich glaub, der Themenbogen wird hier zu weit und speziell. Nimmt man ne Nahrungsmittelunverträglichkeit und erweitert die auf generelle, gesundheitliche Einschränkungen, wird vielleicht jeder und jedem klar, dass eventuell auch die Möglichkeit einer medizinischen Versorgung ne Rolle pielen kann, die man bei der Wahl der Aktivität berücksichtigen sollte.
Und dann werden mir wohl gleich mehr zustimmen, dass es unverantwortlich ist, sich damit an Orte zu wagen, wo im Falle eines Falles ein Arzt nur per Heli, im Zweifelsfall nur zu Fuss per Aufstieg Zugang hat.

Selbst das entfernt sich aber schon zu weit vom Thema.
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