ANZEIGE

Klettersteigunfall - Schaubergung am Klettersteig

Hier kann konkret nach einer bestimmten Tour gefragt werden, sofern diese noch nicht in der Datenbank vorhanden ist.

Moderatoren: Kaiser, wolf

Klettersteigunfall - Schaubergung am Klettersteig

Beitragvon Ralf » 27 Mai 2014 10:20

Hallo Klettersteigfreunde,

wir hatten die Möglichkeit an einer Schaubergung der Bergrettung Ramsau am Dachstein im Klettersteig teilzunehmen.

Hier wurde der Ablauf solch einer Bergung simuliert und auf richtige Verhaltensweisen und auch das Risiko und den ehrenamtlichen Einsatz der Bergretter hingewiesen.

Los geht das gesamte Unglück mit einem Sturz im Klettersteig.

Dieser ist in dem simulierten Fall durch ein Abrutschen im Steig (rutschige Wurzel) aufgezeigt worden, wobei die "Sturzperson" ca. 2m ins Seil gefallen ist. Auf den nachfolgenden Bildern sieht man sehr schön, wie böse so ein Sturz ausschauen kann.

Bild

Wie man auf den Bildern schön sieht, können die herausstehenden Stifte, auf die man im Sturz knallt, mehr als unangenehm sein und meist gehen solche Stürze im Klettersteig nicht glimpflich aus!

Daher hat folgender Satz beim Klettersteigen eine mehr als wichtige Bedeutung:
"Ein Sturz im Klettersteig ist auf jeden Fall zu vermeiden!!"


Meist ist es so, dass der/die Gestürzte dann auch keine eigene Kraft mehr hat und nicht mehr selbst weiterklettern bzw. überhaupt noch an das Drahtseil hochkommen kann. Beteiligte Personen können bei derartigen Stürzen oft nur "seelische" Unterstützung vor Ort leisten (an ein "Hochziehen" des Verunglückten ist meist nicht zu denken geschweige denn alleine zu schaffen), nah zum Verunglückten hinklettern und diesen entsprechend erstversorgen und via "140" die Bergrettung in Österreich zu informieren!

Bild

Die Bergrettung rückt dann entsprechend an den Unfallort ausgerichtet aus. In diesem Fall, war der Unglücksort in einer Schlucht und talnah, so dass kein Hubschrauber hier zum Einsatz kommen konnte/musste. Die Bergrettung war ab Notruf nach kurzer Zeit bereits am Unfallort.

Bild

Es wird sich um den Verunglückten gekümmert und geschaut, wie er am besten aus der Gefahrenzone abtransportiert werden kann.
Bild

Bei einer Hubschrauberbergung ist es wichtig, dass alle Kletterer, die im Zeitpunkt in dem der Heli an der Wand ist, am besten stehen bleiben und nicht weiterklettern, um keinen Steinschlag auszulösen, der Hubschrauber oder Rettungsmannschaft beschädigen bzw. verletzen kann!

Der Verunglückte wird transportfertig gemacht
Bild

Auf den folgenden Bildern sieht man schon was für ein gefährlicher "Knochenjob" die Bergrettung ist!

Bild Bild

Bild
(Alle Bilder: © Martin Huber)

Unser höchster Respekt an dieser Stelle nochmals an jeden Bergretter für die (ehrenamtliche und nicht ungefährliche) Arbeit die hier am Berg geleistet wird. Diese Schaubergung hat uns nochmals eindrucksvoll vor Augen geführt, dass unser Sponsoring für die http://www.bergrettung.at genau richtig angelegt ist!!

Um solche Einsätze in der Realität in Zukunft weiter zu minimieren, wird z.B. in Ramsau am Dachstein ein Klettersteigschein angeboten. Nachdem das Wort Klettersteigschein ein bisschen "polarisiert" kann man es aber genauso gut mit "Grundkurs Klettersteig" gleichsetzen.

Es werden hierbei die notwendigen Grundtechniken des Klettersteiggehens von einem staatlich geprüften Bergführer aus Ramsau am Dachstein beigebracht. Erklärt wird auch, warum und wie wichtig es ist, vor jeder Tour die tägliche Wettervorhersage zu prüfen und natürlich das Wetter während der Tour zu beobachten. Vor allem das Wetter wird von vielen mehr und mehr außer acht gelassen, obwohl es inzwischen sehr viele gute zuverlässige Wetterdienste speziell für den Alpenraum gibt (DAV Wetter, ZAMG, etc)

Folgende wichtige Inhalte werden im Zuge des Klettersteigschein-Erwerbs hier dem Klettersteiggeher näher gebracht:

- Materialkunde
- Richtige Handhabung der Ausrüstung
- Materialcheck
- Wetterkunde & einfache Wetterbeobachtung
- Persönliche Einschätzung der Schwierigkeitsgrade (A, B, C, D und E)
- Lesen von Klettersteig Topos
- Tourenplanung
- Hintergrund Infos zu Klettersteige und Sicherheitstipps
- Prävention von Klettersteigunfällen
- Klettersteigtechnik und -taktik
- Begehung eines Klettersteigs
- Persönliche Tipps und Tricks der Bergführer
- Aufklärung zu möglichen Gefahren im Klettersteig
- Verhalten bei Schlechtwetter
- Verhalten, wenn etwas passiert ist
- Information zur Gefahrenvermeidung


Bei Beherzigung all dieser Punkte und v.a. einer richtigen Selbsteinschätzung, ist die Hoffnung der Bergrettung, dass derartige Rettungseinsätze im Klettersteig die Ausnahme bleiben (sollen).

Auf die Frage hin, warum im Verhältnis viele Osteuropäer aus Klettersteigen geborgen werden müssen, hat die Bergrettung Ramsau am Dachstein folgende plausible Erklärung. In der Regel haben die osteurop. Bergsteiger eine gute Unfallversicherung für den exakten Tourzeitraum abgeschlossen und einen kleinen Zeitraum für die geplante Tour. Die Ausrüstung ist in der Regel sehr gut und so wird auf Gedeih und Verderb die Tour durchgezogen. Nach dem Motto - jetzt bin ich hier, ich habe die passende Ausrüstung, jetzt mache ich die Tour auch!
Oft zu beobachten ist dieses Phänomen an den "Bergsteiger-Trophäen" Großglockner, Dachstein oder Hochkönig.

Bleibt zu hoffen, dass von uns nie jmd. in solch eine Sturzsituation gerät!
Viele Grüße, Ralf

Der Spaß muss das Tun bestimmen! (Reinhold Messner)
Favorite Hobby: Klettersteige - Tools: Koordinaten umrechnen, GPS Routenplaner
Benutzeravatar
Ralf
Forums-Altvordere(r)
 
Beiträge: 7916
Registriert: 13 März 2002 13:46
Wohnort: Erlangen
Has thanked: 270 times
Been thanked: 398 times

Beitragvon Ralf » 27 Mai 2014 16:01

Irgendwie passt diese ganz aktuelle Meldung dazu wie die Faust auf´s Auge :roll:
http://www.bgland24.de/bgland/berchtesg ... 90591.html
Viele Grüße, Ralf

Der Spaß muss das Tun bestimmen! (Reinhold Messner)
Favorite Hobby: Klettersteige - Tools: Koordinaten umrechnen, GPS Routenplaner
Benutzeravatar
Ralf
Forums-Altvordere(r)
 
Beiträge: 7916
Registriert: 13 März 2002 13:46
Wohnort: Erlangen
Has thanked: 270 times
Been thanked: 398 times

Beitragvon Kraxel-Tobi » 27 Mai 2014 16:37

Super Beitrag und sehr informativ! :thumbup:

Nur diesen Satz möchte ich gern noch ansprechen:
"Ein Sturz im Klettersteig ist auf jeden Fall zu vermeiden!!"

Hier bin ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits ist das natürlich plausibel für mich, da ich weiß, welche Konsequenzen aus einem Sturz entstehen können.
Andererseits will ich schon irgendwie noch den Begriff Klettersteig leben, d.h. ich versuche schon nach Möglichkeit, Griffe im Fels zu suchen und nicht das
Stahlseil als "Geländer" zu verwenden. Und gänzlich vermeiden kann man einen Sturz ja nicht - es gibt immer ein Restrisiko, entweder durch Fehlverhalten selbst
oder durch andere äußere Einflüsse.
"Wenn ich die Zivilisation hinter mir lasse, fühle ich mich sicher." Zitat Heinrich Harrer
Benutzeravatar
Kraxel-Tobi
Forums-Altvordere(r)
 
Beiträge: 5893
Registriert: 20 Januar 2013 11:26
Wohnort: Raum München
Has thanked: 127 times
Been thanked: 123 times

Beitragvon Ralf » 28 Mai 2014 8:40

Kraxel-Tobi hat geschrieben:Super Beitrag und sehr informativ! :thumbup:

Nur diesen Satz möchte ich gern noch ansprechen:
"Ein Sturz im Klettersteig ist auf jeden Fall zu vermeiden!!"

Hier bin ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits ist das natürlich plausibel für mich, da ich weiß, welche Konsequenzen aus einem Sturz entstehen können.
Andererseits will ich schon irgendwie noch den Begriff Klettersteig leben, d.h. ich versuche schon nach Möglichkeit, Griffe im Fels zu suchen und nicht das
Stahlseil als "Geländer" zu verwenden. Und gänzlich vermeiden kann man einen Sturz ja nicht - es gibt immer ein Restrisiko, entweder durch Fehlverhalten selbst
oder durch andere äußere Einflüsse.


Danke dir für dein Feedback und freut mich, dass dir der Beitrag so gut gefällt! :D
Ich denke jeder (erfahrene) Klettersteigler wird bei bestimmten Passagen nicht zwangsweise beide Hände am Seil haben, sondern auch genussvoll im Fels klettern (wollen). Es kommt halt hier aus meiner Sicht immer auf die Passage an. Eine IIer oder IIIer Kletterstelle, die ich auch so problemlos seilfrei klettern würde, würde ich auch ohne Seilwuchten klettern und nur das Drahtseil als Sicherung verwenden. Bei anderen Passagen, die ohne Drahtseil im IVer oder Ver Bereich (findet man dann ja primär bei D und E-Steigen an) anzusiedeln sind, ist es der Sicherheit wegen sicherlich vernünftiger zumindest 1 Hand fest am Drahtseil zu haben. Letztlich gibt aber hier die Erfahrung und die Kletterfertigkeit jedes einzelnen den Ausschlag. Du hast sicherlich recht, dass immer mal ein Fels ausbrechen kann (äußere Einfüsse / Fehlverhalten). Aber wenn du dir die professionellen Kletterer mal anschaust, so testen bzw. ziehen die davor erst an einer Schuppe, um deren "Haltbarkeit" zu testen um nicht hier mit samt Gestein aus der Wand zu brechen, bevor sie dann richtig "ziehen".
Viele Grüße, Ralf

Der Spaß muss das Tun bestimmen! (Reinhold Messner)
Favorite Hobby: Klettersteige - Tools: Koordinaten umrechnen, GPS Routenplaner
Benutzeravatar
Ralf
Forums-Altvordere(r)
 
Beiträge: 7916
Registriert: 13 März 2002 13:46
Wohnort: Erlangen
Has thanked: 270 times
Been thanked: 398 times

Beitragvon Kraxel-Tobi » 28 Mai 2014 15:24

Da hast Du natürlich recht, dass es auch davon abhängt, wie schwierig oder exponiert Stellen zu klettern sind.
Bei einem E-Sportklettersteig kann man nur froh über das Seil sein - meist ist das bei dieser Schwierigkeit ohnehin
noch die einzigste Möglichkeit, voranzukommen.
"Wenn ich die Zivilisation hinter mir lasse, fühle ich mich sicher." Zitat Heinrich Harrer
Benutzeravatar
Kraxel-Tobi
Forums-Altvordere(r)
 
Beiträge: 5893
Registriert: 20 Januar 2013 11:26
Wohnort: Raum München
Has thanked: 127 times
Been thanked: 123 times


Zurück zu Klettersteige

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste


via-ferrata.de ©2020    Kontakt - Impressum - Datenschutz | Partnerseite: Klettern



Log in with your credentials

or    

Forgot your details?

Create Account