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Nachsichern über Seil - KS-Set eingehängt lassen,oder nicht?

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Nachsichern über Seil - KS-Set eingehängt lassen,oder nicht?  

Die Schatzjäger » 27 August 2009 13:17

Hallo,

durch einen Beitrag im gipfeltreffen.at-Forum (Anmeldepflicht !) hats sich mir folgende Frage aufgeworfen:

Wenn ich an einem Klettersteig über ein (längeres) Stück jemanden mit Seil von oben Nachsichere, soll/muss ich dann sein KS-Set eingehängt lassen ?

Momentan bin ich bei folgenden Argumenten:

Pro:
- Keine Pendelgefahr bei Quergängen
- Sehr geringfügig erhöhte Sicherheit


Contra:
- Erhöhter Kraftaufwand für den Nachsteiger
- Eventuell (durch Seildurchhänger) halbstatischer Sturz in KS-Bremse möglich


Ich persönlich tendiere dazu, jemanden den ich im KS von oben nachsichere (dies tut man ja meißt weil die Kraft nicht mehr ausreicht) zu erklären dass er sein KS-Set NICHT mitführen muss (denn das umhängen des KS-Sets kostet ihn ja wieder Kraft, und genau davon hat er nicht mehr soviel).

Ich hab aber schon oft die Meinung gehört 'Trotz Seilsicherung immer das KS-Set eingehängt lassen'.

Hab ich hier einen Denkfehler, und überwiegen wirklich die Vorteile wenn man das KS-Set eingehängt lässt, oder wie macht ihr das im Regelfall ?

Thomas

Die Schatzjäger
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Re: Nachsichern über Seil - KS-Set eingehängt lassen,oder ni  

timo » 27 August 2009 13:46

Die Schatzjäger hat folgendes geschrieben::
Ich persönlich tendiere dazu, jemanden den ich im KS von oben nachsichere (dies tut man ja meißt weil die Kraft nicht mehr ausreicht) zu erklären dass er sein KS-Set NICHT mitführen muss (denn das umhängen des KS-Sets kostet ihn ja wieder Kraft, und genau davon hat er nicht mehr soviel).
Ich hab aber schon oft die Meinung gehört 'Trotz Seilsicherung immer das KS-Set eingehängt lassen'.
Thomas

Wenn du jemand von oben mit einem Seil sicherst, mit dem Vorgabe demjenigen Kraft sparen zu wollen, dann hast du das Seil bestimmt auch auf Zug und entlastest damit den Gesicherten schon erheblich, so dass er sein eigenes KS-Set selber umhängen kann. Das sollte der gesicherte auf jeden Fall noch weiter benutzen. Außer du hast einen Flaschenzug installiert Wink
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass beim "von oben Sichern" oft nur ein kleiner Ruck genügt, um den Gesicherten (bzw. seinen Schwerpunkt) über eine Schlüsselstelle zu bringen.
Wenn du dem Gesicherten allerdings sagst, dass er sich nicht mehr selber sichern brauch, weil er zu schwach wäre, dann verlässt er sich auf dich und auch die letzten Kräfte verschwinden und er wird noch fahrlässiger als er eh schon wg. Kraftmangel ist. Und das kann dann zu "Folgeschäden" führen.
Also es ist besser, wenn alle selber gesichert bleiben und nur eine "Zughilfe" dazwischen ist. Was Kraft kostet ist ja nicht das Umhängen des Sets, sondern der Aufstieg an sich.

_________________
Ciao
Timo
---
Übrigens: Das Bergsteigen wird durch die Existenz von Bergen sehr erschwert.

timo
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Re: Nachsichern über Seil - KS-Set eingehängt lassen,oder ni  

Julian » 27 August 2009 14:13

timo hat folgendes geschrieben::Wenn du dem Gesicherten allerdings sagst, dass er sich nicht mehr selber sichern brauch, weil er zu schwach wäre, dann verlässt er sich auf dich und auch die letzten Kräfte verschwinden und er wird noch fahrlässiger als er eh schon wg. Kraftmangel ist. Und das kann dann zu "Folgeschäden" führen. Also es ist besser, wenn alle selber gesichert bleiben und nur eine "Zughilfe" dazwischen ist. Was Kraft kostet ist ja nicht das Umhängen des Sets, sondern der Aufstieg an sich.


Ohne damit viel Erfahrung zu haben, würde ich auf jeden Fall sagen, Klettersteigset weiter benutzen, aus folgender Überlegung heraus: Wer das nicht tut, und dann warum auch immer stürzt, wird ja nicht nur nach unten, sondern oft auch zur Seite fallen, einfach, weil ein Klettersteig meist nicht nur vertikal nach oben verläuft. Und Pendelstürze sind meines Erachtens gefährlich - damit habe ich sogar Erfahrung aus dem Klettergarten (wenn auch nur beschränkte, und dann halbwegs kontrolliert "gesprungen" im Vorstieg, kurze Fallhöhen). Viel schwieriger zu kontrollieren, oder was meint ihr? Mal davon abgesehen, dass es evtl. dann schwer wird, zur Steiganlage zurückzukehren (und wer müde ist, will ja das sichere Stahlseil und alle Steighilfen verwenden!).

Außerdem kann sich ein Nachgesicherter im Ermüdungsfall (und der tritt natürlich beim "ungesicherten" Umhängen schon mal auf, wenn man blöd im Steig hängt) einfach mal in den Gurt setzen (gibt psychisch unglaublich Auftrieb, wenn man die Erfahrung macht, dass das Zeug auch hält, find ich) und sich beim Umhängen schön ausruhen!

Also: Ich würde sagen, Set weiter zur Sicherung verwenden. Andere Meinungen?

_________________
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Julian
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SimonS » 27 August 2009 19:25

Hallo zusammen
zunächst meine grundsätzliche Meinung:
An Klettersteigen sollte jeder allein klettern können.
Ausser wenn der Klettersteig unvorhersehbar zerstört wurde, ist Nachichern von oben eigenlich immer eine Bankrotteklärung der Gruppe die sich auf dem Klettersteig befindet. Der Kletternde ist anscheinend überfordert und gehört nicht in den Klettersteig. Es lag eine fehlerhafte Tourenplanung zugrunde. Der Eine hat sich ancheinend überschätzt, der andere ist seiner Verantwortung nicht gerecht geworden.
Leider verleiten die Topabgesicherten neueren Steige zu diesem Fehlverhalte auf dem Berg.
Jetzt zu der Frage.
Weil meine Meinung eben so ist wie oben erläutert, lasse ich in solchen Fällen (ja, auch bei mir ist das schon vorgekommen) die anderen die Sicherungen immer weiter benutzen wie vorgeschrieben. Nur so gewöhnt man sich an die Abläufe und gewinnt zumindest für die nächsten (hoffentlich leichteren) Touren die nötige Sicherheit,
Und anschliessend immer kritische Reflektion des Vorgefallenen!!!
Gruss Simon

SimonS
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wolf » 27 August 2009 19:49

hallo @ all.

so leicht wie du, simon, es vermutest ist es nicht! (ich schreibe absichtlich 'vermute', weil dein denkansatz meines erachtens nicht weit genug geht!)
nicht immer sind es fehlerhafte tourenplanung oder falsche einschaetzung der partner die einen einsatz des kurzseils fordern.

grundsaetzlich sage ich auch: ks-set weiter nutzen, wegen redundanz. das bisschen karabinerklippen kann (fast) ein jeder noch.

aber....bergkameraden koennen auch wegen dehydration, lebensmittelvergiftung (siehe bericht von vor kurzem aus den heimischen bergen), sonnenstich, verletzung durch steinschlag oder aehnliche umstaende die kurzfristig auftreten, gezwungen sein kameradenhilfe anzunehmen.
obwohl sie gesund in der lage waeren den steig zu beenden, geht es nun unter diesen umstaende eben nicht mehr!

insofern sage ich: wenn geht, ks set weiter nutzen....wenn nicht geht, ist es sowieso eine notfallsituation in der der oertliche fuehrer entscheiden muss ob bergwachteinsatz ja oder nein.

wolf
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