Hallo Sascha,
also wir waren mit einem
Bergführer aus Heiligenblut dort oben. Der Ablauf ist in etwa so: Im Tourismusbüro in Heiligenblut oder telefonisch sollte man sein Gipfel-Vorhaben einige Tage zuvor ankündigen. Dann wird ein passender Bergführer gesucht. Bei uns war zuerst nicht direkt klar, ob wir am Montag, Dienstag oder Mittwoch aufsteigen werden. Also mussten wir auf einen Rückruf vom Bergführer warten. Zum Glück war aber für die gesamte Woche gutes Wetter angekündigt.
Wir stiegen dann am Dienstag Morgen um 7 Uhr vom Glocknerhaus, das an der berühmten Großglockner-Hochalpenstraße gelegen ist und in dem wir zuvor bereits übernachtet hatten, zur Salmhütte auf (etwa 3 Stunden Gehzeit), wo wir auf unseren Bergführer und die anderen drei Mitglieder unserer Seilschaft trafen. Von dort gingen wir dann unter Anleitung des Bergführers über den neu und komplett versicherten Hohenwartscharten-Klettersteig (meiner Ansicht nach höchstens B, nur etwa 150 Höhenmeter und keine Stahl- sondern straff gespannte Hanfseile) und das Hohenwartkees (Gletscher) zur Adlersruhe (Erzherzog-Johann-Hütte, 3.545 m, wieder etwa 3 deutlich anstrengendere Stunden, insgesamt am ersten Tag etwa 1.300 Höhenmeter oder etwas mehr aufgrund kurzer Gegenanstiege). Dort verbrachten wir eine Nacht. Der erste Tag ist technisch nicht schwierig, aber sehr anstrengend, vor allem wegen der Höhe.
Mehr oder weniger ausgeruht ging es dann am nächsten Morgen (5 Uhr wecken, 5:30 Frühstück, 6 Uhr Aufbruch) los in Richtung Gipfel (3.798 m). Um 7:30 Uhr standen wir oben. Der Grat ist nur mit sporadisch verteilten Stahlstangen „gesichert“. Man geht im Seilschaftsverband unter Anleitung des Bergführers, der auf dem sehr schmalen Grat jeden Tritt und jede Ausweichroute kennt. Besitzt man keine wirklich sehr gute Hochtouren- und Kletter-Erfahrung, so ist der Glockner ohne Bergführer eher nicht zu empfehlen - Vor allem wegen der vielen Leute auf dem Grat. Man würde sich da nur umständlich in die Quere kommen und das wäre sehr gefährlich. Die Bergführer wissen allerdings wo und wie man ausweichen kann.
Würde man einen durchgehend gesicherten Klettersteig auf den Gipfel anlegen, so würde wahrscheinlich die komplette Einnahmequelle „Geführte Gipfeltouren“ für die Regionen Kals und Heiligenblut wegfallen. Nur wenige sind mutig und erfahren genug, den Gipfel allein zu bezwingen. Fast alle Personen waren mit einem Bergführer unterwegs. Ich denke, es wird wohl niemals einen „Glockner-Klettersteig“ geben.
Zur Ausrüstung: Geht man mit einem Bergführer, so sorgt dieser für bestimmte Ausrüstungsgegenstände wir Klettergurt, -seil und Steigeisen. Warme Kleidung, Wanderstöcke und mindestens bedingt steigeisenfeste Schuhe muss man natürlich selbst mitbringen. Ohne Bergführer muss man das Gehen und Führen im Seilschaftsverband auf Ier bis IIer Kletterstellen (Gipfelgrat) und auf Gletschern beherrschen. Das Glocknerleitl ist im oberen Teil etwa 55 Grad steil. Man benötigt also auf jeden Fall Steigeisen (keine Grödel!), ein Sicherungsseil, ein Biwaksack, ein Medikit, einen Klettergurt, etc. – also komplette Hochtourenausrüstung. Der Rucksack ist dann deutlich schwerer. Wir konnten unsere Rucksäcke auf der Hütte lassen und haben den Berg nur mit Teleskopstöcken, Steigeisen, Klettergurt und Kameraausrüstung

bestiegen. Die Stöcke und Eisen werden vor dem Einstieg in den Gipfelgrat an (bedingt) abrutschsicheren Punkten zurückgelassen und bei der Rückkehr vom Gipfel dort wieder eingesammelt. Wären die Eisen verschwunden gewesen, so hätten wir wohl keine Möglichkeit gehabt, das extrem steile Glocknerleitl wieder abzusteigen.
Zu den vielen Menschen: Ähnlich wie bei der
Zugspitze ist auch der
Großglockner wegen seiner Berühmtheit stark überlaufen. Will man allein oben sein, so muss man schon im Winter, am späten Nachmittag oder vor 5 Uhr (Sonnenaufgang!) oben sein. Solche Sonderwünsche lassen sich sicherlich mit dem Bergführer besprechen. Wir wollten aber den typischen Trubel dokumentieren, um einen authentischen Eindruck von der geführten Glocknerbesteigung zu erhalten.
Wenn du Ruhe und Einsamkeit auf einem hohen Gipfel suchst, dann kann ich dir die Marmolada-Tour inklusive einer Nacht auf dem Gipfel wärmstens empfehlen. Das war das bisher größte Dolomitenerlebnis für uns – bei bestem Wetter allein, nur mit dem sehr sympathischen und lustigen Hüttenwirt Alex auf dem Gipfel (Campanna Punta Penia, 3.343 m). Top Wetter, Sonnenuntergang, -aufgang, beheiztes Lager (!!!), gutes Essen, Rundblick über ALLE Dolomitengipfel. Ich denke, die wenigsten (inklusive mir selbst) wissen/wussten, dass es eine bewirtschaftete Hütte auf dem Dach der „Königin der Dolomiten“ gibt. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum dort tagelang niemand übernachtet und wir allein oben waren. Die
Marmolada ist immerhin der höchste Berg der Dolomiten, besitzt einen sehr fotogenen und nicht besonders schwierigen Klettersteig und bietet insgesamt eine absolute Traumtour, die für jedem Dolomiten- und Klettersteigfan uneingeschränkt empfehlenswert ist. Die eigentliche Tour ist großartig: Über den Westgrat-Klettersteig rauf (nur B, jedoch lang, auch ziemlich anstrengend, für uns die erste größere Tour in diesem Jahr, keine vorherige Akklimatisierung) und am nächsten Tag über den Normalweg runter (hier ist allerdings wieder Gletschererfahrung und eine entsprechende Ausrüstung notwendig, auf jeden Fall mit Steigeisen, es gab bei uns nur sehr wenige und enge Gletscherspalten, durch die wir nicht hindurch gepasst hätten

)
Viele Grüße
Sebastian
Zuletzt bearbeitet von Sebastian am 6 September 2009 18:25, insgesamt ein Mal bearbeitet