Faszination Skitouren – Ausrüstung, Sicherheit, Tourentipps

Immer mehr zieht es weg von den Skigebieten mit ihren autobahnähnlichen Pisten, die häufig hoffnungslos überfüllt sind. Die Motivation: Skitouren Gehen abseits der Piste.

Skitouren – auf Spurensuche

Abseits der Piste wartet das echte Wintererlebnis für Skitouren Geher mit traumhaften Pulverschneeabfahrten – zumindest suggerieren das die Werbebilder der zahlreichen Outdoor-Firmen.

Abseits der Piste lauern allerdings auch alpine Gefahren wie Lawinen, so dass man als Einsteiger Skitouren nur in Begleitung eines erfahrenen Freundes unternimmt, mit Bergführer oder am besten einen Einsteigerkurs bei einer Bergschule bucht, um das nötige Wissen und Know-how zu erlernen. Oder man probiert das Tourengehen erst einmal in einem Skigebiet aus.

Alpine Gefahren in Form von Lawinen gibt es hier zwar nicht, dafür lauern andere Risiken wie die Gefahr von Kollisionen. Um das vermeiden, sollte man unbedingt die zehn Regeln des Deutschen Alpenvereins für Skitouren auf Pisten berücksichtigen (www.alpenverein.de).

Skitouren Gehen - Bild: Herbert Raffalt

Skitouren Gehen – Bild: Herbert Raffalt

Skitouren – was braucht man?

Abgesehen von Wechselwäsche und warmer Bekleidung, also Anorak und Isolationsjacke (falls man sie nicht schon trägt) gehören in den Rucksack (der bei Tagestouren keinesfalls größer als 30 Liter sein sollte) Proviant, Getränk, Erste-Hilfe-Päckchen, Skibrille und Sonnencreme auch Lawinenschaufel und Lawinensonde, Biwaksack und Rettungsfolie. Auch das Handy sollte dabei sein, bei Unfällen im Gebirge zählt bei der Alarmierung der Rettungsdienste jede Minute!

Ansonsten benötigt man Ski mit einer Tourenbindung sowie Felle für den Aufstieg, Stöcke mit größerem Teller und spezielle Tourenskischuhe. Die sind immer ein Kompromiss zwischen Komfort beim Gehen und perfekten Halt bei der Abfahrt. Wichtig ist in erster Linie die Passform: Ein Schuh, der bereits im Geschäft drückt und reibt, sitzt auch nach stundenlanger Tour nicht besser. Die gängigen Skimodelle werden übrigens häufig im preisgünstigen Set mit Bindung, Schuhen und Fellen angeboten.

Skitouren – Sicherheit – wie gefährlich sind Skitouren

Wer die vor alpinen Gefahren wie Lawinen gesicherten Pisten verlässt, der benötigt viel Erfahrung und eine entsprechende Sicherheitsausrüstung. Unverzichtbar ist eine Lawinengrundausrüstung mit Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Lawinensonde und -schaufel, wobei der Umgang damit unbedingt im Vorfeld geübt werden muss.

Zusätzlich empfiehlt sich das Tragen eines Rucksacks mit integriertem Lawinen-Airbag. Der ersetzt keinesfalls ein LVS, mindert jedoch im Falle eines Lawinenabgangs die Gefahr einer Verschüttung. Abgesehen davon ist es wichtig, täglich vor der Tour den aktuellen Lawinenlagebericht zu lesen und sein Ziel abhängig der Gefahrenstufe auszuwählen.

Linktipp: Übersicht über Lawinenwarndienste

Winterzeit = Skitourenzeit

Skitouren auf Pisten sind gut zum Ausprobieren oder als abendliches Training, das wahre Skitourenerlebnis findet man allerdings nur abseits davon. Ziele gibt es mehr als genug, wobei die Saison mit den ersten größeren Schneefällen im Frühwinter beginnt.

Ideal sind zum Auftakt Touren mit Almwiesen als Unterlage, um ohne größere Schäden am Material in die Saison zu starten. Mit der zunehmenden Schneemenge rücken im Lauf des Winters auch höhere Gipfel in den Focus, wobei grundsätzlich gilt, dass die beste Zeit für Skihochtouren frühestens ab Mitte März beginnt, vor allem wenn die Tour über Gletscher führt.

Skitouren am Dachstein - Bild: Herbert Raffalt

Skitouren am Dachstein – Bild: Herbert Raffalt

Skitouren – das perfekte Skitourenwochenende

Die Anforderungen einer Tour hängen von Länge, Höhenunterschied und Steilheit ab. Auch wenn die Bedingungen niemals gleich sind, aus Erfahrung schafft man im Aufstieg durchschnittlich 400 Höhenmeter/Stunde. Wer spuren muss, weniger trainiert ist oder auf der Tour durch lange Flachstücke oder unangenehmes Wald- bzw. Latschengelände gebremst wird, der schafft entsprechend weniger.

Wichtigster Punkt bei der Tourenplanung ist der aktuelle Lawinenlagebericht. Eins ist klar, eine hundertprozentig lawinensichere Skitour gibt es nicht. Wohl aber viele, bei denen die Gefahr zu minimieren ist und die selbst bei Gefahrenstufe 3 (hier passieren die meisten Unfälle) oder mehr bei entsprechender Vorsicht und Spuranlage zu gehen sind. Auf der anderen Seite bedeutet eine Gefahrenstufe 1 nicht, dass überhaupt keine Lawine ausgelöst werden kann. Die Tourenverhältnisse sind dann zwar im Großen und Ganzen sicher, doch an extremen Steilhängen oder in Rinnen können durchaus noch Gefahrenstellen lauern.

Der Lawinenlagebericht wird täglich aktualisiert und kann bequem im Internet oder Telefon abgerufen werden, er stellt jedoch immer nur eine allgemeine Aussage für eine Region dar. Lokal können die Verhältnisse wieder ganz anders sein, der Bericht nimmt einem Skitourengeher die persönliche Verantwortung für sein Handeln nicht ab!

Skitouren – Orientierung

Bei vorhandener Spur ist der Weg klar vorgegeben, doch bei Neuschnee und/oder schlechter Sicht zeigt sich schnell, dass im Winter die Orientierung sehr schwierig sein kann. Die Wegmarkierungen sind zugeschneit, die Sommerwege kaum zu erkennen und Wegweiser („Ww.“) ragen nur selten aus der dicken Schneedecke heraus. Und letztlich, Skitouren folgen nicht zwingend dem sommerlichen Anstiegsweg. Unübersichtliche Waldgürtel oder abweisende Felsstufen, in denen man erst im letzten Augenblick einen möglichen Durchschlupf entdeckt, stellen das Orientierungsvermögen immer wieder auf die Probe.

Im Punkt Anforderung wird auf die Orientierung nur eingegangen, wenn die Linienführung nicht logisch ist. Wichtig: Selbst wenn Spuren da sind, sollte man denen nicht blindlings vertrauen. Zum einen führt die Tour vielleicht auf einen ganz anderen, evtl. deutlich schwereren Gipfel, zum anderen bedeuten Spuren nicht zwingend Lawinensicherheit.

Um immer im Bilde zu sein, sollte man gutes Kartenmaterial, GPS oder Höhenmesser und Kompass dabei haben – spätestens im überraschenden Wettersturz mit white-out werden sie zu unverzichtbaren Helfern.

Skitouren – Tourentipps

Wir haben hier bei uns in der Datenbank unter der Rubrik Skitouren bereits ein paar Tourentipps für euch gesammelt. Nachfolgend wollen wir euch je eine Tour für Einsteiger und für Fortgeschrittene vorstellen:

Für Einsteiger ist die Skitour auf das Feichteck in den bayerischen Alpen sehr gut geeignet. Die Tourenlänge und Höhenmeter sind überschaubar und das Gelände ist nicht Lawinengefährdet. Man kann entweder die leichte Variante über den Ziehweg durch den Wald hochsteigen oder steiler direkt in einer Waldschneise empor steigen bei der man dann schon das Umsteigen in steilem Gelände ausprobieren kann.

Für Fortgeschrittene ist die Skitour auf den Sulzkogel (hat doch einiges an Höhenmetern zu bieten) ein beliebtes Tourenziel!


Text: Stefan Herbke, Bilder: Michael Pipp

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